NEWS: Spanien: Die Krise erreicht das Militär

05.07.2013 - format.at 

Das spanische Militär muss in Zukunft den Gürtel enger schnallen. Wegen der Krise fehlt es am nötigen Kleingeld. Kritiker wenden allerdings ein, dass es auch an einem klaren Konzept fehlt.

Wie ein Krieg fordert auch die derzeitige Krise in Spanien ihre Opfer: Die "Principe de Asturias" war 25 Jahre lang das Flaggschiff der spanischen Marine. Der einzige Flugzeugträger der königlichen Armada hätte ohne weiteres noch für einige Zeit im Dienst der Streitkräfte stehen können. Dazu wäre aber eine umfassende Modernisierung der Instrumente an Bord des knapp 200 Meter langen Schiffs erforderlich gewesen. Dem Militär im Euro-Krisenland fehlt dafür jedoch das Geld. Nun wird der erste in Spanien gebaute Flugzeugträger zerlegt und verschrottet.

Die Krise hat´nun auch das Militär erreicht. Um Geld zu sparen, griffen die spanischen Streitkräfte zu ungewöhnlichen Mitteln: Die Marine lieh ihr Versorgungsschiff "Cantabria" für ein Jahr an Australien aus. Auch bei den Feiern zum "Tag der Streitkräfte" musste drastisch gespart werden. Die traditionelle Militärparade und ein offizieller Empfang wurden gestrichen: Statt der sonst üblichen 1,3 Millionen standen nur 90.000 Euro zur Verfügung.

Das Verteidigungsbudget wurde seit Beginn der Krise vor fünf Jahren um 30 Prozent auf sechs Milliarden Euro gesenkt. Spanien ist einer der Staaten, die - gemessen an ihrer Wirtschaftskraft - in der NATO am wenigsten Geld fürs die Streitkräfte ausgibt. Das knappe Budget ist aber längst nicht das einzige Finanzproblem. Auf dem Militär lasten Verbindlichkeiten in der Höhe von etwa 30 Milliarden Euro.

Kräftige Abstriche beim Rüstungsprogramm


Diese stammen aus Zeiten, in denen Spanien noch genügend Geld in der Staatskasse hatte und sich neue Waffensysteme anschaffte. Nun will die Regierung bei diesen Rüstungsprogrammen kräftige Abstriche machen, soweit dies nachträglich noch möglich ist. Wie Staatssekretär Pedro Argüelles kürzlich dem Parlament mitteilte, wird Spanien auf den Erwerb von 14 Kampfflugzeugen vom Typ "Eurofighter 2000" verzichten und sich mit 73 Maschinen begnügen.

Beim Airbus-Transportflugzeug A-400M hatte Madrid sich zum Kauf von 27 Maschinen verpflichtet. Spanien will davon aber nur 14 in Dienst nehmen und versuchen, die übrigen 13 Flugzeuge an andere Länder zu verkaufen. Bei den Hubschraubern vom Typ NH-90 wird die Bestellung von 45 Maschinen auf 22 reduziert, von den Panzerfahrzeugen "Pizarro" kauft Spanien nur 117 anstelle von 190.

"Spaniens Streitkräfte sind verschuldet und nicht leistbar"


"Spaniens Streitkräfte sind verschuldet und mit den derzeitigen Budgetmitteln nicht haltbar", schrieb die Zeitung "El Pais". Nach Informationen des Blattes hat das Heer die Zahl der Manöver auf weniger als die Hälfte reduziert und jeden zweiten Panzer einstweilen stillgelegt, um Treibstoff zu sparen.

"Spanien hat kompetente Streitkräfte, aber gewisse Grenzen der Investition dürfen nicht unterschritten werden", warnte Verteidigungsminister Pedro Morenes. Generalstabschef Fernando Garcia Sanchez ergänzte: "Mit den derzeitigen Budgets lassen sich die Sicherheit und die Verteidigung nicht ewig aufrechterhalten."

Neben Geld fehlt auch ein klares Konzept


Kritiker wenden allerdings ein, dass es dem spanischen Militär nicht nur an Geld, sondern auch an einem klaren Konzept fehle. "Einige Waffensysteme wie die Leopard-Panzer wurden angeschafft, obwohl sie niemals zum Einsatz kommen werden", meint der Sicherheitsexperte Jesus A. Nunez Villaverde. "Sie wurden in Auftrag gegeben, weil die Verantwortlichen mehr an Kriege der Vergangenheit dachten als an wahrscheinliche Operationen in der Zukunft."

Comentarios (0) :

Comentar artículo
Archivo de artículos
  • 07.01.2016 [Comentarios: 0]

    Eine Bank für deutsche Expats

    Für deutsche Expats ist es nicht einfach ein Konto bei einer deutschen Bank zu eröffnen, insbesondere wenn man sich einmal bei seinem Einwohnermeldeamt abgemeldet hat.Die Identifizierung der eigenen Person vom Ausland aus ist oft mit erheblichen Aufwand verbunden und ohne eine Reise nach Deutschland nicht möglich. Dank der neuen.. más

  • 25.10.2015 [Comentarios: 0]

    Der spanische Warenkorb: Die Haushaltsausgaben der Spanier in 2015

    Einen sonderbaren Warenkorb, so nennt die spanische Wirtschaftszeitung Expasión in einem Onlinebeitrag vom 14/10/2015 die Statistik der spanischen Haushaltsausgaben, die vom statistischen Amt der EU Eurostat erhoben werden.Höchste Ausgaben für Lebens- und Transportmittel Die höchsten Ausgaben tätigen die Spanier in den beiden Segment.. más

  • 23.04.2015 [Comentarios: 0]

    Das Stehaufmännchen der spanischen Politik: Esperanza Aguirre

    Im Mai stehen in Spanien die Regionalwahlen an. Und da plant Esperanza Aguirre von der regierenden Volkspartei Partido Popular (PP) nach einem kurzen Ausflug in der Privatwirtschaft als Headhunterin ihr großes Politik-Comeback. Sie will Bürgermeisterin von Madrid werden und das mit einer klaren Kampfansage: “Ich hoffe, ich erreiche die.. más

  • 11.09.2014 [Comentarios: 0]

    NEWS: Emilio Botín ist tot

    Er war aus der Finanzwelt nicht wegzudenken, machte die Banco Santander zur grössten Bank der Eurozone und steuerte sie auch in der spanischen Wirtschaftskrise sicher ohne staatliche Geldspritzen: Emilio Botín. In der Nacht auf Mittwoch erlag der aus Santander stammende Banker einem Herzinfarkt und verstarb mit 79 Jahren in Madrid. Er .. más

  • 19.07.2013 [Comentarios: 0]

    NEWS: Über 100.000 Beamtenstellen in Spanien gestrichen

    In Spanien sind wegen der Sparmaßnahmen der Regierung im vergangenen Jahr mehr als 100.000 Stellen im Öffentlichen Dienst weggefallen. Im Jänner 2013 seien in dem Bereich 2,58 Millionen Menschen beschäftigt gewesen, teilte die Regierung am Sonntag mit. Das waren vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor, als es noch 2,6.. más

  • 10.07.2013 [Comentarios: 0]

    HINTERGRUND: Das Spiel mit den Zahlen

    Unsere Welt ist komplex und viele Zusammenhänge, gerade auch im wirtschaftlichen Umfeld, kann der Laie schwer erfassen. Die Medien sollten eigentlich informieren und die Menschen unterstützen, sich eine Meinung bilden zu können. Leider werfen die Medien in vielen Fällen mit Zahlen um sich, die aus dem Zusammenhang geri.. más

  • 16.02.2012 [Comentarios: 0]

    NEWS: Erhöhung der Einkommenssteuer

    Das spanische Parlament hat am 30.12.11 einer Erhöhung der Einkommenssteuer zugestimmt, die zunächst für 2 Jahre gelten soll.Diese Steuererhöhung verursacht beim Steuerzahler im Schnitt eine Mehrbelastung von 222 Euro. Am härtesten trifft dies die Einkommensschicht bis 33.000 Euro/ Jahr, welcher 85 der Arbeitnehm.. más

  • 22.07.2011 [Comentarios: 0]

    HINTERGRUND: Wie sicher sind sichere Anlagen noch?

    Wahrscheinlich von vielen Anlegern unbemerkt hat die CNMV (Comisión Nacional del Mercado de Valores – spanische Wertpapieraufsicht) Ende Juni ihre Regeln für Geldmarktfonds geändert: nachdem sie bisher nur in Anlagen investieren durften, die wenigstens ein A2-Rating (ziemlich sicher) haben, ist es diesen nun erlaubt.. más

  • 13.06.2011 [Comentarios: 0]

    NEWS: Deutschland muss zahlen

    Der spanische Produzent und Exporteur von Öko-Gemüse und Obst, Frunet Bio, gehörte bisher zu einem der besten Lieferanten deutscher Supermärkte. Das hat sich in den vergangenen Tagen drastisch geändert. Am 12. Mai waren die Bio-Gurken des als Kooperative funktionierenden Exporteurs in offenen Kisten verpackt mit d.. más

  • 13.06.2011 [Comentarios: 0]

    HINTERGRUND: Der Wert der Immigration

    Den vier Millionen Einwanderern ist auch der Anstieg des spanischen Pro-Kopf-Einkommens um 32 Prozent zu verdanken. Der Wert der Arbeit von Ausländern entspricht inzwischen zehn Prozent des BIP. Dieses Ergebnisse stammt aus einer Studie der Stiftung IDEAS, einem PSEO-nahen Think Thank.Jesús Caldera, ehemaliger Arbeitssminster,.. más