Eduardo Chillida - der spanische Bildhauer

26.07.2019 - Laura Nadolski 

Eduardo Chillida zählt zu den beliebtesten Bildhauern in der Bundesrepublik und das nicht nur wegen seiner Skulptur vor dem Kanzleramt. Seine Kunst gilt als universell lesbar, seine ikonischen Werke machen ihn zu einem der bedeutendsten Bildhauer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 2000 ließ der damalige Kanzler Schröder die Figur Chillidas vor dem Bundeskanzleramt in Berlin platzieren. Zwei Hände, die ineinander greifen und sich dennoch nicht fassen können. Die Skulptur – die selbst den Namen „Berlin“ trägt - stellt ein symbolträchtiges Bild für die wiedervereinte deutsche Hauptstadt dar. Sie war eines der letzten großen Werke des Künstlers vor seinem Tod im Jahr 2002.

Auch in anderen Städten Deutschlands finden wir Chillidas Werke wieder: vor dem Thyssen-Hochhaus in Düsseldorf, auf dem Münsterplatz in Bonn, im Rathausinnenhof in Münster sowie in der Pinakothek der Moderne in München. Und bis 10. März dieses Jahres findet auch noch die Ausstellung „Architekt der Leere“ in Wiesbaden statt, die in mehreren Sälen das Wechselspiel zwischen Leere und Fülle Chillidas Werke präsentiert.

 

Edurdo Chillida Juantegui wurde am 10. Januar 1924 in San Sebastián geboren. Mit 19 Jahren geht er nach Madrid, um dort Architektur zu studieren. Er hadert jedoch schon bald mit dieser Entscheidung und lässt das angefangene Studium drei Jahre später hinter sich, um an der Kunstakademie in Madrid Zeichnung zu studieren. Im Jahr 1948 verlässt er Spanien, um sich in Paris ein Atelier einzurichten. Hier bildet er schon erste Plastiken aus Gips und Ton, findet aber nicht so richtig seine künstlerische Ausdrucksform. 1951 kehrt er ins Baskenland zurück und bezieht eine Villa in Hernani, einem Nachbarort San Sebastiáns. Hier lässt sich der Künstler bei einem Schmied ausbilden und kreiert seine ersten Arbeiten, die das Fundament seiner späteren großen Werke bilden sollten. Im Eisen - einem so bezeichnenden Material für seine Heimat, die durch die Stahlindustrie berühmt wurde - findet er schließlich seine persönliche Ausdrucksform. Das in seinen Werken zur Erscheinung kommende Wechselspiel aus Positiv- und Negativformen brachte er auch in Werken anderen Materials zum Ausdruck. In all seinen Variationen, ob in Terrakotta, Stein, aus Filz oder gezeichneten Werken spiegelt sich diese Dialektik wider.

Im Jahr 1958 wurde Chillida mit dem Großen Preis der Biennale von Venedig ausgezeichnet, in den 60er und 70er Jahren nahm er viermal an den documenta-Ausstellungen in Kassel teil. Bedeutende Ausstellungen seiner Werke gab es im Museum of Fine Arts in Houston (1966), in der National Gallery of Washington (1979), dem Guggenheim Museum (1980) und dem Museo Reina Sofía in Madrid (1999).

Chillidas berühmtestes Werk sind wohl die drei Windkämme in seinem Heimatort San Sebastián. Zwei von ihnen stehen auf Felsen, die in den Atlantik vordringen, der dritte ist direkt in das Küstengestein eingefügt. Die Skulpturen bilden ein Monument des Kampfes der stetigen Elemente Wasser und Wind. Sie waren ein Geschenk des Künstlers an seine Heimatstadt, der er etwas von dem geben wollte, womit er sich sein Leben lang auseinandersetzte: Was ist Körper, was ist Raum? Und was ist dazwischen?

Im Jahr 2000 wurde das ihm gewidmete Chillida-Leku-Museum inklusive eines Skulpturenparks am Rand Hernanis eröffnet. „Chillidas Ort“, was der Name aus dem Baskischen übersetzt bedeutet, soll ein Ort der Ruhe, der Idylle sein. Rund vierzig Stahl- und Eisenplastiken des Bildhauers bevölkern den Park zwischen grünen Hügeln und alten Bäumen.

Ende 2010 musste das Museum als Folge der Finanzkrise allerdings für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Seitdem konnte es nur noch nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Mit der Regionalregierung konnte keine Einigung zur Wiedereröffnung erreicht werden. Ende des Jahres 2017 verkündete die Schweizer Galerie Hauser & Wirth, dass die Familie Chillidas ihr Angebot angenommen habe und ihr den Nachlass des Museums überlasse. In den Besitz der Schweizer geht damit auch der Landschaftsgarten mit dem mehr als 500 Jahre alten Bauernhaus über.

Doch noch bleibt offen, wie es mit dem Gelände weitergeht. Das Chillida-Leku-Museum soll im April 2019 voraussichtlich wieder geöffnet werden. Ob auch Werke anderer Bildhauergrößen aufgestellt werden, bleibt fraglich. Doch trotz allem soll Chillida-Leku bleiben, was der Name sagt: Chillidas Ort.

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