HINTERGRUND: Vicente Ferrer - ein Leben für die Armen

24.02.2014 - Meike von Lojewski / Madrid für Deutsche 

Vicente Ferrer - mit diesem Namen verbindet man in Spanien ein Leben und einen Kampf für die ärmsten Gebiete des indischen Staates Andra Pradesh. Der Katalane, der am 9. April 1920 in Barcelona geboren wurde, kommt 1952 zum ersten Mal als jesuitischer Missionar nach Indien, wo er sich mit beispielloser Hingabe und Mut für die Ärmsten der Armen, die so genannten Dalits, einsetzt. Doch er erfährt grossen Wiederstand aus den Reihen der indischen Regierung sowie der eigenen katholischen Kirche, die in ihm eine Bedrohung sehen, so dass er am Ende des Landes verwiesen wird. Ein 250 Kilometer langer Protestmarsch von Manmad nach Mumbai von 30.000 Bauern bewirkt, dass die damalige Ministerpräsidentin Indira Gandhi sich für seine Rückkehr einsetzt.

1968 lernt Ferrer seine spätere englische Frau Anna bei einem Interview kennen. Die beiden heiraten 1970 und setzen sich seitdem ohne Unterlass für das Schicksal der Menschen in Andra Pradesh ein. Zusammen leben sie in Anantapur, der Hauptstadt dieses bitterarmen indischen Staates. Ferrer war zu diesem Zeitpunkt längst aus dem Jesuiten-Orden ausgetreten und hatte für seine Projekte eigene Stiftungen gegründet: den “Rural Development Trust” (RDT) sowie 1996 in Spanien die unabhängige und überkonfessionelle Stiftung “Fundación Vicente Ferrer” (FVF).

Was macht diese Stiftung genau? Natürlich hat jeder schon einmal vom Kastensystem in Indien gehört, das offiziell abgeschafft ist. Dennoch gibt es die 240 Millionen Dalits, die sich selbst die “Unberührbaren” nennen und eigentlich gar keiner Kaste angehören - so niedrig stehen sie in der streng hierarchisch gegliederten Gesellschaftsordnung. Sie sind zu den untersten Arbeiten auf dem Feld oder bei der Müllbeseitigung ohne jeglichen Zugang zum Bildungs- und Gesundheitssystem verurteilt. Am schlimmsten betroffen sind wie so oft die Frauen. Bleiben sie aus welchem Grund auch immer allein, können sie ihre Kinder oftmals kaum ernähren.

In erster Linie ist es das Ziel der FVF, die Lebensbedingungen der Menschen und vor allem der Dalits in Indien zu verbessern. Dies geschieht in vielen Bereichen: Schule und Ausbildung spielen beispielsweise eine grosse Rolle (Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen, Wiedereingliederung von Schulabbrechern, bessere Bedingungen für weiterführende Schulen). Die Themen reichen aber auch von “Gesundheit” (Ausbildung von Fachpersonal, frühzeitige Erkennung von Krankheiten in denselben Dörfern, Einführung eines generellen Gesundheitssystems) über “Frauen” (Kampf gegen Gewalt, Zugang zum Ausbildungssystem) bis hin zu “Wohnungswesen” (Schaffung von menschenwürdigen Behausungen für die schwächsten Gruppen der Gegend, Verbesserung von Schuleinrichtungen). Die Stiftung ruft zudem zum Mitmachen im Kampf gegen die Armut auf. Eine Patenschaft, die finanzielle Unterstützung der verschiedenen Projekte oder die aktive Teilnahme innerhalb der FVF helfen, Millionen von Menschen Hoffnung zu geben.

In seiner Heimat Spanien ist Vicente Ferrer ein berühmter Mann, der zu seinen Lebzeiten zwei Mal für den Friedensnobelpreis nominiert wurde. Er verstarb am 19. Juni 2009 in Anantapur, doch seine Arbeit wird von seiner Frau Anna, der Vorsitzenden der FVF, und vielen Helfern unermüdlich fortgeführt.

Den Film über Vicente Ferrer kann man sich hier anschauen: RTVE Vicente Ferrer
Die Stiftung Vicente Ferrer: www.fundacionvicenteferrer.org

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