Spanien führt die Grundsicherung ein

18.06.2020 - Spanien auf Deutsch 

Die Zahl der Hilfesuchenden in Spanien hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen; erst 2008 rutschte Spanien in eine Rezession aufgrund der globalen Finanzkrise und nun wird das Land von der Corona-Krise stark gebeutelt. Die Arbeitslosenquote spricht für sich: Spanien hat mit 19% (Berechnung für dieses Jahr) die zweithöchste Arbeitslosenquote nach Griechenland in Europa; Ende 2019 waren es noch 13,8 Prozent.

Experten sagen, dass der Unterschied der Corona-Krise gegenüber der Finanzkrise darin liegt, dass nunmehr auch Familien der breiten Mittelschicht betroffen sind, die auf Lebensmittelbanken zurückgreifen müssen, da sie nicht genug angespart und dementsprechend nicht mehr ihre Grundbedürfnisse decken können. Die Zahlen sind beängstigend, denn in mehr als 1,1 Millionen Haushalten hat kein Familienmitglied mehr Einkünfte. Das bedeutet, dass inzwischen fast vier Millionen Spanier*Innen unter Armut leiden, die Hälfte davon sind Kinder.

Aufgrund der erschütternden Fakten und der steigenden Zahlen der von Armut  betroffenen Haushalte, hat die Regierung trotz der hohen Staatsverschuldung jüngst eine Grundsicherung (ingreso mínimo vital) verabschiedet, die seit dem 1. Juni in Kraft getreten ist. In Deutschland ist sie mit der Sozialhilfe nach Hartz IV vergleichbar.

 

Die Grundsicherung ist für die Personen bestimmt, die nicht auf ein Brutto-Jahreseinkommen von rund 16.000 Euro kommen, oder für Haushalte mit vier Personen mit weniger als ca. 45.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen.

 

Sie beträgt 462 Euro pro Person im Monat; bei einer mehrköpfigen Familie bis 1.015 Euro; die Regierung nimmt an, dass in etwa 850.000 Haushalte diese staatliche Hilfe in Anspruch nehmen werden. Das entspricht ca. 2,3 Millionen der Einwohner Spanien, darunter 30% Kinder und Jugendliche, 16% Alleinerziehende (davon 90% Frauen).

Die Teilnahme an dem Programm ist an folgende Bedingungen geknüpft.

Die Antragsteller müssen:

  • zwischen 23 und 65 Jahre alt sein (Ausnahme gibt es für Senioren oder Personen unter 23 Jahre, die eine minderjährige Person betreuen)
  • seit mindestens drei Jahren einen selbstständigen Haushalt führen
  • mindestens ein Jahr sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein
  • wenn sie keine spanische Staatsbürgerschaft haben, sich mindestens ein Jahr lang legal in Spanien aufgehalten haben
  • wenn das Einkommen pro Person im Haushalt unter 230 Euro im Monat liegt

 

Kindergeld wie man es aus Deutschland kennt, gibt es nicht in Spanien. Doch nun sollen bedürftige Familien außerdem 130 Euro im Monat für jedes im Haushalt lebende Kind erhalten.

 

Mehr Informationen zur Beantragung der Grundsicherung gibt es bei der Sede electrónica de la Seguridad Social

Erfüllen Sie die Voraussetzungen? Zum Simulator geht es hier

Comentarios (0) :

Comentar artículo
Archivo de artículos
  • 05.03.2015 [Comentarios: 0]

    Alarmierende Zahlen über die Armut in Spanien

    Der vierte Bericht über „Die Lage der Armut in Spanien“ des Europäischen Armutsnetzwerkes (European Anti Poverty Network, EAPN) hat die Ausmaße der weiterhin andauernden Krise des Landes zutage gebracht. Die Zahlen, die Anfang Februar vorgelegt wurden, sind alarmierend: • Jeder vierte erwerbsfähige Spanier ist arbeitslos. • Jeder drit.. más

  • 28.02.2011 [Comentarios: 0]

    NEWS: Weniger Sozialversicherungsabgaben

    Der Ministerrat hat am 11.2.2010 ein königliches Dekret-Gesetz genehmigt, um die unbefristete oder befristete Neueinstellung von Personen im Alter von dreißig Jahren oder jünger, die seit mindestens 12 Monaten als arbeitslos registriert sind, zu fördern. Diese Neueinstellungen werden im ersten Jahr mit einer Senkung d.. más

  • 04.01.2010 [Comentarios: 0]

    NUTZWERT: Vergünstigungen für kinderreiche Familien

    In Spanien zählt das Institut für Statistik über eine Million Familien mit drei oder vier Kindern (categoría general) und mit fünf oder mehr Kindern (categoría especial), was mit fünf oder sechs Millionen Personen zwischen 12 und 15 Prozent der Bevölkerung ausmacht. 90 Prozent dieser Familien ha.. más

  • 09.03.2008 [Comentarios: 0]

    NUTZWERT: Ab Montag kann die 2 500 Euro-Hilfe beantragt werden

    Am Montag können Familien über die Internetseite sowie in den Büros der Steuerbehörden die Formulare abholen, die notwendig sind, um die von der Regierung vor zwei Wochen zugesagten 2 500 Euro pro neugeborenes oder adoptiertes Kind zu beantragen. Als Stichtag gilt der 3. Juli 2007. Alle Kinder, die ab dann zur Welt gek.. más

  • 03.07.2007 [Comentarios: 0]

    NUTZWERT: Deutsche können bei der Sozialversicherung Ansprüche geltend machen

    Wer in Spanien lebt und arbeitet, kann Leistungen der spanischen Sozialversicherung beziehen, sofern er in diese Beiträge einzahlt. Die spanischen Sozialversicherung besteht im Wesentlichen aus vier verschiedenen Segmenten und betrifft folgende Leistungen: -Renten wegen Alter, Tod oder Invalidität (INSS - Instituto Nacional de S.. más

  • 24.03.2007 [Comentarios: 0]

    NUTZWERT: Arbeitslosengeld aus Deutschland

    Sind Sie in Deutschland arbeitslosenversichert und haben Anspruch auf Arbeitslosengeld / Arbeitslosenhilfe, können Sie diesen Anspruch, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, für die Dauer von 3 Monaten nach Spanien mitnehmen und sich dort beim örtlichen Arbeitsamt arbeitslos und arbeitssuchend melden.Sie müssen sich aber zuvo.. más

  • 24.03.2007 [Comentarios: 0]

    NUTZWERT: Die Sozialversicherung ist Zwang

    Alle Arbeitnehmer, Selbständige und Beamte sind in Spanien zwangssozialversichert - in etwa das Konzept, das in Deutschland unter dem Begriff Bürgerversicherung diskutiert wird. Sie haben in Spanien nicht die Möglichkeit, die Sozialversicherung durch eine private Versicherung zu ersetzen. Da also nahezu 100 Prozent der aktiven Bevölkerung.. más