Der einzige Markt in Europa mit europäischem Flair

22.06.2015 - Meike von Lojewski / Madrid für Deutsche 

So oder so ähnlich äusserte sich die Presse im vergangenen Jahr, als im “Museo del Ferrocarril” zum ersten Mal der “Mercado de Motores” stattfand. Die, die dabei an Autos und Motorräder denken, sind schief gewickelt. Es handelt sich um einen Markt, der in einem einzigartigen Ambiente stattfindet, dem ehemaligen Bahnhof Delicias in Madrid, und mehr ist als ein “normaler” Flohmarkt: Innerhalb und ausserhalb des Bahnhofsgeländes bieten zwischen alten Zügen Privatleute, aber auch kleine Unternehmer ihre Waren zum Verkauf an. Diese reichen von Kleinmöbeln im Vintagestil über Lampen, Kleider, Accessoires bis hin zu Schuhen, Büchern und Fahrrädern.

Beim “Mercado de Motores” ist vor allem im professionellen Bereich jeder willkommen: Designer, Trendsetter, Neulinge, alte Hasen - letztendlich kreative Leute mit Talent. Talent, Dinge zu schaffen, Neues zu entdecken oder Altes zu reparieren. Dieser Markt zeichnet sich dadurch aus, dass die Verkäufer die Schöpfer der Dinge sind, die ausgestellt werden. Oft sind es Menschen, die umgestiegen sind und in diesem Sektor ihre neue Berufung gefunden haben. So verkaufen ehemaligen Journalisten Haushaltswaren oder Architekten Tiere aus Karton. Das Schöne dabei ist, dass jeder von ihnen seine Einzelstücke liebt und darüber eine Geschichte zu erzählen hat, wenn man sich die Zeit dafür nimmt.

Aber auch auf dem Flohmarkt der Privatleute ist jede Menge los. Fast könnte man ein Buch schreiben über die Menschen, die hier ihre gebrauchten Sachen verkaufen wollen, und über die kleinen Schätze und Dinge, die ein zweites Leben suchen. So kann man bei seinem Besuch leicht ein paar alte Wasserskier aus Holz, eine Handtasche aus Krokodilsleder von der Grossmutter, Leinentischdecken oder unmögliche Krawatten aus vergangenen Jahrzehnten finden. Dazwischen stehen gut gelaunte Verkäufer, die einem Lust machen, selbst einmal sein Glück auf dem “Mercado de Motores” zu versuchen und Altes, Gebrauchtes und Geerbtes unters Volk zu bringen.

Auch Kinder kommen auf diesem Markt auf ihre Kosten: Auf dem Gelände fährt ein kleiner Zug über Brücken, durch Tunnel und Bahnhöfe. Wer sich nicht mit der Miniaturausgabe zufrieden geben will, kann sich die Originalversionen im Bahnhof ansehen und diese sogar von innen bestaunen. Und kleine Bastler können lernen, wie Hunde oder Blumen aus Papier gemacht werden.

Nicht zuletzt ist natürlich für das leibliche Wohl gesorgt. Zahlreiche Cafés und kleine Restaurants im Innen- und Aussenbereich, die teilweise sogar Livemusik anbieten, laden zum Verweilen ein. Auf Sofas, Bänken oder Liegen kann man seine Paella, Baguettes oder Hamburger, sein Sushi oder Curry geniessen. Mit einem kühlen Bier oder einem Gin Tonic in der Hand lässt es sich den ganzen Tag auf dem “Mercado de Motores" aushalten.

Information: Mercado de Motores, Museo del Ferrocarril. Paseo de las Delicias 61. Öffnungszeiten: jedes zweite Wochenende im Monat, im Sommer von 11 bis 0 Uhr. Eintritt frei.

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