Warum ich froh bin, dass unsere Kinder Spanisch sprechen – eine tragische Komödie in drei Akten

07.12.2015 - Andreas Clevert 

Prolog: Gestern wieder. Es hätte so peinlich werden können. Aber ein Glück verstehen nicht soo viele Deutsche Spanisch.

 

Exposition: Ich habe den Eindruck, dass Peppa Pig in Deutschland nicht ganz so populär ist wie in Spanien. Am Wohnsitz in Deutschland sind wir als deutsch-spanische Familie immer darauf bedacht, die Zweitsprache Spanisch zu stärken. Deshalb im Sommerurlaub in Andalusien einen Stapel Peppa Pig DVDs der spanischen Sprachversion eingekauft. Wer es nicht weiß, in Deutschland heisst die Chose Peppa Wutz. Gehört für mich zu den Top Ten verunstalteter Titel in anderen Sprachversionen.

 

Höhepunkt: Und auch wenn sämtliche pädagogische Ratgeber sagen, dass Medienverantwortung bedeutet, gemeinsam mit dem Kind vor der Glotze zu sitzen, sage ich: Das Kind würde mir auch nicht ruhig zuschauen, wenn ich dann den Abwasch mache. Also, Kind(er) vor der Glotze platzieren. Mit einem Ohr mithören. Nebenher den Haushalt machen. Und mein Ohr traute seinen Augen nicht: In der Folge ‚Das Baumhaus‘ denkt sich Peppa ein Codewort zum Eintritt ins Haus aus: La barrigota de papá. Gelächter auf den Rängen. „Hihi. Hoho.“ Ich lache etwas gequält mit. Denke mir, gelegentlich die Autoren von Peppa Pig auf die Freud’sche Couch zu legen. Irgendein unterbewusstes Anti-Papa-Syndrom wird da schon zu erkennen sein. Biographieschaden. Aber: Episode zu Ende, Fernseher ausgeschaltet, Abwasch erledigt. Alles gut. Dachte ich, bis zum Folgetag.

 

Katastrophe: Mache früher im Büro Schluss. Mit den Kindern auf dem Markt, die ersten Esskastanien ergattert. Genießen die wohl letzten Sonnenstrahlen des Herbstes in Deutschland. Zum Abschluss noch eine Runde Schmökern und Spielen in der lokalen Buchhandlung. Gibt da so ein Spielhaus. Blättere ein bisschen in den Neuerscheinungen. Kindergetöse. Freundlich und friedlich. Plötzlich: Sag das Passwort, wenn Du rein möchtest. „La barrigota de papá.“ Gelächter. Ich gucke verstohlen über meinen Bauch und dann auf. Erleichtert. Heute niemand in der Buchhandlung, der Spanisch versteht.

 

Andreas Clevert lebt mit seiner spanischen Frau und drei Jungs (7, 5 und 2,5 Jahre) in Bonn und Madrid. Er ist gefühlter Elterngeldveteran mit 36 Monaten Väterzeit und schreibt auch unter www.vaterdasein.wordpress.com

 
Bild: Flickr

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