Der Osborne Stier - Markenzeichen und Teil der spanischen Landschaft

21.01.2020 - Spanien auf Deutsch 

Wer hat sie nicht gesehen auf Reisen an den spanischen Straßen – die 14 Meter hohe aus 70 Blechplatten bestehende schwarze Stier-Silhouette; imposant steht sie auf Hügeln mitten in der Landschaft und ist schon aus weiter Ferne zu erkennen. In den 50er Jahren war der Stier eine Werbemaßnahme für den Brandy Veterano der Osborne-Gruppe, heute ist er ein nationales Symbol Spaniens.

Osborne ist der Name einer der ältesten und bekanntesten Weingüter Spaniens, das 1772 von dem Engländer Thomas Osborne Mann gegründet wurde. Bis heute sind seine Brandys 'Veterano' und 'Magno' weltbekannte und beliebte Spirituosen.
1956 wurde die spanische Werbeagentur Azor beauftragt, ein Logo mit einem neuen Schriftzug des Brandys Veterano zu erstellen, das auf Plakatwänden erscheinen sollte. Der damalige Artdirektor und Künstler Manolo Prieto entwarf das Symbol des wilden Stiers und nannte seine Kampagne „El toro de las carreteras“. Obwohl der Kunde von dem Bild des Stiers nicht allzu begeistert war, wurden im Jahr 1957 die 4 Meter hohen Holzfiguren an der spanischen Straße aufgestellt. Schnell wurde festgestellt, dass das Holz der Witterung nicht standhielt, so dass sie ab 1961 aus Metall hergestellt und auf 7 Meter Höhe vergrößert wurden. Nachdem 1962 ein neues Gesetz erlassen wurde, das besagte, dass Werbeschilder / -plakate einen Mindestabstand von 125 Metern von der Landstraße einhalten mussten, reagierte das Unternehmen und stockte die Stier-Silhouette auf 14 Meter Höhe auf. Es wurden in den Jahren danach bis zu 500 Metallstiere mit der Werbeaufschrift des Brandys „Veterano“ über die ganze Halbinsel verteilt.


Erneut kam es 1988 zu einer Gesetzesänderung des Allgemeinen Landesstraßengesetzes, das vorschrieb, alle Werbeplakate in Sichtweite staatlicher Landstraßen zu entfernen. Osborne reagierte prompt mit der Entfernung des Schriftzugs des Markennamens, behielt aber die großen Stier-Figuren an den Landstraßen bei.
Aufgrund eines neuen Gesetzes im Jahre 1994, sollten alle Osborne-Stiere im Land abgebaut werden. Ein Aufschrei ging durch die Bevölkerung und Institutionen, denn der Stier war nicht nur das Symbol der Bodega Osborne, sondern auch zu einem nationalen Symbol Spaniens geworden.
Autonome Regionen, Kommunen, Kulturvereinigungen, Künstler, Politiker und Journalisten setzten sich vehement für den Erhalt der Stieraufsteller ein. Die Junta de Andalucia beantragte sogar die Einstufung als Kulturgut.
Nach 3 Jahren Rechtsstreit sprach sich 1997 der spanische Oberste Gerichtshof für das Weiterbestehen der Stierfiguren in der spanischen Landschaft aus, denn sie seien mehr als nur Werbeplakate und verkörpern ein ästhetisches und kulturelles Interesse Spaniens (superando su sentido publicitario e integrándose en el paisaje).

Heute säumen noch mehr als 80 Stiere die spanischen Landstraßen.

Das Unternehmen Osborne überlässt Unternehmen 2009 die kommerzielle Vermarktung der neuen Marke „El Toro de Osborne“, die die Produkte herstellen und über eine Franchise-Kette verkaufen.

De Toro de Osborne wurde im Laufe der Jahre von vielen Künstlern in Kunstwerke integriert und geehrt, so wie 1983 vom Amerikaner Keith Haring; 1996 war er Protagonist der Fotoausstellung von Larry Mangino, 2000 Gastgeber der Kunstmesse ARCO in Madrid, 2000 wurde er mit dem Premio LAUS geehrt, zum 50. Jubiläum wurde er von 50 ausgewählten nationalen und internationalen Persönlichkeiten bemalt und dekoriert. Bilder dazu hier.

 

Bildquelle: commons.wikimedia

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