Meine Top 10 in Madrid

25.05.2015 - Doris Wöhncke 

Den letzten Winter habe ich eigentlich komplett in Madrid verbracht. Eigentlich wollte ich nur ein paar Wochen dahin, aber diese unglaubliche Stadt hat mich so geflasht, dass ich spontan länger geblieben bin. Das hat mich zwar meinen heimischen Job gekostet, hat sich aber gelohnt.

Here’s why:

 

1. La Latina am Sonntag Nachmittag

La Latina gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Vierteln Madrids. Hier ist alles noch etwas ursprünglicher, als zum Beispiel in Malasaña. Jeden Sonntag findet hier der Riesen-Flohmarkt El Rastro statt, der meiner Meinung nach knapp überbewertet ist. Viel toller ist das, was danach in La Latina passiert: Alle Menschen der Welt scheinen dann nämlich in völliger Entspanntheit zu genießen, dass Sonntag ist und es nicht früh genug fürs erste Bier und ein paar Tapas sein kann.

 

2. Bahnhof Atocha aka Schildkrötenhausen

Der Bahnhof Atocha ist vor allem durch die Anschläge von 2004 bekannt, aber auch einer der Knotenpunkte des Nah- und Fernverkehrs von Madrid. An sich ist er zum sterben langweilig, aber inmitten der großen Wartehalle findet sich zwischen dem Gestrüpp, das sich vermutlich Dekoraitve Innenraumbepflanzung oder so schimpft, das one and only Schildkröten-Paradies. Offenbar hat man hier irgendwann mal kleine Schildkröten angesiedelt, die sich schlagartig vermehren – zum einen auf natürliche Weise, zum andern durch unkontrolliertes Aussetzen der Tiere durch genervte oder verhinderte Besitzer. Die Bude ist so gerammelt voll, dass die armen Tiere gut zu kämpfen haben um einen der beliebten Plätze auf den Steinen zu ergattern. Herrlich zu beobachten, auch, wenn man gerade eigentlich gar nicht auf den Zug wartet.

 

3. El Brilliante

Der unprätentiöse Metall-Theken-Laden gegenüber vom Bahnhof Atocha sieht jetzt nicht besonders einladend aus – oder gerade doch, weil er so herrlich unprätentiös ist?! Auf jeden Fall ist El Brillante wohl bekannt für seine Tintenfischringe-Sandwiches, ich kann aber genauso die hausgemachten Churros mit heißer Schokolade empfehlen. Der beste Platz hier ist übrigens an der Theke in der Ecke, wo hinter der Plexiglasscheibe der Churros-Chef sein Tagewerk verrichtet. Erfahrungsgemäß ist das ein älterer Mann, der sich über Aufmerksamkeit und ein Lächeln freut. Dann lässt er einem auch einen kleinen Churro-Gruß aus der Küche zukommen.

 

4. Mercado de la Cebada

Der Markt Mercado de la Cebada ist jetzt nicht wesentlich spannender als die anderen Markthallen in Madrid, da leider auch hässlich modernisiert, aber sicherlich trotzdem einen Blick wert. Spannend ist hier aber die Umgebung und der eingezäunte Platz davor: Die Nachbarschaft hat sich dieses Areal nämlich zu eigen gemacht und verwaltet es autark und unkommerziell: Künstler und Musiker bekommen hier eine Bühne, Kinder können Spielen und Sprayer können sich austoben. Dieses anarchistische System funktioniert wunderbar und ist vor allem Sonntags in seiner vollen Pracht zu beobachten. Für ‘nen Euro kann man sich hier ‘ne Dose Bier gönnen und das Treiben beobachten. Bestes Katerprogramm!

 

5. Tapas Essen im Fatigas Del Querer

Wieder ein Fress-Tipp! Bei Las Fatigas, wie einheimische den Laden nennen, gibt es riesge und unfassbar leckere Tapas. Die Bude ist meistens gerammelt voll – aus gutem Grund. Und erschwinglich ist es auch noch. Wenn man sich einigermaßen gut benommen hat gibt es zum Abschied noch ein lecker Likörchen, la crema.

 

6. Palacio de Cristal / Parque del Buen Retiro

Der Palacio de Cristal im Retiro-Park ist vor allem bei Sonnenschein ein Highlight. Er liegt weiter hinten in einem Waldstückchen und offenbart sich dem Spaziergänger urplötzlich hinter den Zweigen und Ästen der Bäume, die die Wege säumen. Er sieht aus wie der überdimensionierte Glassarg von Schneewittchen und wenn man drin ist fühlt man sich latent wie in einem besonders schicken Gewächshaus. Er strahlt so viel Ruhe und Eleganz aus, ist ganz unaufdringlich, obwohl er so besonders ist. Ich liebe ihn, diesen Kristallpalast.

 

7. Lavapiés

Das Stadtviertel Lavapiés ist eines der unglamourösesten und trotzdem farbenfrohesten Viertel Madrids. Die steil herabfallenden Straßen, die sich weiter unten am Platz um die Metro-Station Lavapiés treffen, beherbergen eine schier endlose Anzahl an tollen Bars und Restaurants aus aller Herren Länder. Außerdem befinden sich in dieser Ecke der Stadt große Gemeinden ausländischer Kulturen: Hier gibt es eines der größten Bollywood-Festivals der Welt, genauso wie eine riesige chinesiche Neujahrfeier und sonntägliche Trommelmärsche afrikanischer Stämme, die durch die Straßen ziehen.

 

8. Don Quichote und Sancho Panza

Am Plaza de Espana, der sonst wahnsinnig unspektakulär, vielleicht sogar sehr, sehr hässlich ist, steht eine riesige Statue: Don Quichote und Sancho Panza wachen hier über das Geschehen an einer der großen Kreuzungen der Stadt. Ich mag die Geschichte so wahnsinnig gerne, und deswegen auch die Statuen.

 

9. Vegan Essen im B13

Schon wieder Essen. Im B13 in der Calle de la Ballesta in Malasaña gibt es veganes Fastfood und eine sehr entspannte Atmosphäre. Vor allem die Torten aus der Vitrine kann ich besonders empfehlen. Leider wirklich jede einzelne.

 

10. Templo de Debod

Der Tempel Templo de Debod ist ein original ägyptischer Tempel von irgendwann vor ganz langer Zeit, der im modernen Ägypten dem Zerfall geweiht war. Um ihn einem anderen Klima auszusetzen und so zu retten, wurde er nach Madrid gebracht, getarnt als dolles Geschenk von einem wichtigen Mann zum anderen. An sich schon super. Ich würde da immer in den späten Nachmittagsstunden hingehen, da er auf einem Hügel liegt, von wo aus man einen spektakulären Blick auf den Königspalast und dessen Parkanlagen hat. Bei Sonnenuntergang echt ramontisch.

 

Blog von Doris Wöhncke: Reiserella

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