Madrid me mata!

22.10.2007 - Stefanie Claudia Müller - scm-communication 

Das musste ich mir heute wieder denken. Ich liebe dieses Land und seine Leute, aber eins können die Spanier wirklich nicht: bauen. Weder Strassen, noch Häuser entsprechen europäischen Standards, vor allem in Fragen Sicherheit. Da hat man manchmal wirklich den Eindruck, man lebt in einem Entwicklungsland, obwohl es hier so viele intelligente Köpfe und inzwischen Weltklasseunternehmen gibt und soviele Milliarden Euro aus Brüssel ins Land gepumpt wurden, scheint Städteplanung immer noch ein Chaos.Ja, es bessert sich alles etwas, aber heute empfand ich die katastrophale Straßenführung rund um Madrid wieder zum Haare ausreißen. Ich wollte nach Getafe, zur Universität Carlos III. Ich war noch nie in Getafe, wusste nur ungefähr, wie ich fahren musste, Richtung Toledo sagte mir Google Map, die A-42. Ich weiß nicht, wie ich diese Höllenfahrt durch Tunnels, durch Häusersiedlungen und Kurven und Steigungen überlebt habe. Natürlich habe ich mich mehrmals verfahren, weil die Beschilderung auf Deutsch gesagt sau-beschissen ist. Entschuldigen Sie die Ausdrucksweise! Aber ich frage mich immer, wo das Problem ist, Schilder größer zu machen, sie schon rechtzeitig vor der Abbiegung aufzustellen. Das sind doch keine Zusatzkosten. Wenn man sich hier immer über die vielen Toten auf den Strassen aufregt, dann sollte man daran doch zuerst denken.Hier rund um Madrid wird alles so klein ausgeschrieben, dass man erst, wenn man vor der Weggabelung steht, weiß, wo man hin muss. In dem Moment kann man von Glück sagen, wenn einem beim Lesen der Schilder keiner hinten drauf fährt. Meine deutschen Gästen sind immer wieder beeindruckt, wie ich das alles unfallfrei manage.Heute wundert mich das besonders. Als ich endlich nach gefährlicher Kurverei an Madrid vorbei, wieder in Richung Zentrum und dann wieder raus in Getafe ankomme, erwartet mich ein neues Chaos. Dieser Vorort ist zu einer Riesenstadt mutiert. Es gibt fünf verschiedene Abfahrten, völliger Wahnsinn... Nirgendwo sehe ich die Carlos III, na ja und fragen hilft auch nichts. Die Mehrheit der Bewohner des Ortes haben mit der Uni wenig am Hut. Fahren Sie da mal in Richtung Krankenhaus!, sagt einer lallend und wankend. Da wollte er vielleicht hin, aber ich war da natürlich total falsch.Ich müsste in Richtung Norden, sagt mir ein Taxifahrer, ohne die wäre man in Madrid wirklich aufgeschmissen. Schon mehrfach haben sie mich aus dem Chaos geleitet. Als ich dann glücklicherweise nach meiner ellenlangen Fahrt in Richtung Nord-Getafe mal ein kleines Schild Carlos III sehe, folge ich den Anweisungen und fahre immer geradeaus.Aber nach einigen Kilometern, wie es mir schon so oft an anderer Stelle passiert ist, sehe ich das Schild plötzlich nicht mehr. Ich bewege mich auf einen Kreisverkehr zu, in dieser ziemlich hässlichen, da verdammt chaotischen Stadt, und weiß nicht, wo ich abbiegen muss. Zufällig wähle ich die richtige Ausfahrt. Ich frage ein paar Jungs, die nach Studenten aussehen, wo es denn zur Uni geht: Du stehst davor!. Kaum zu glauben, zufällig bin ich angekommen.Geht Ihnen das hier auch oft so, dass Sie nach gefährlichen Irrfahrten fast zufällig ans Ziel kommen und sich jedes Mal wundern, dass Sie keinen Unfall gebaut haben? Hier sollte man sich auf Dauer in jedem Fall ein Navegationssystem zulegen, will man diesen Chaos-Verkehr überleben. Oder ein dickes Auto, mit meinem C3 bewege ich mich bei diesen ganzen Jeeps auf dünnem Eis.

Kommentare (6) :

Kommentar von Jörg Hollerbuhl 26.10.2007

Kommentar von Stefanie 26.10.2007

Kommentar von Manuela 29.10.2007

Kommentar von Carsten 29.10.2007

Kommentar von Sabine 01.11.2007

Kommentar von Stefanie 13.11.2007

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