Barcelona, das letzte Asyl?

10.03.2010 - Karl Burkhof, Journalist 

Normalerweise verbringt ein Konsular-Beamter oder ein von einem Bundesland entliehener Lehrer an der Deutschen Schule vier bis fünf Jahre in Barcelona.
Nicht so der ehemalige Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde in Barcelona und Religionslehrer an der Deuschen Schule, Monsignore Josef Aiginger. Nachdem er die Wittelsbacher Königskinder in Alt-Ötting mit der Hand mehrmals gezüchtigt hatte (Watschen), versetzte ihn sein Passauer Bischhof zur Strafe nach Barcelona.
Hier blieb er jahrzehntelang bis zu seiner Pensionierung, 1990.

Auch der ehemalige Generalstaatsanwalt in Prag, Dr. Franz Nüsslein,
verantwortlich für die Vollstreckung zahlreicher Todesurteile, wurde vom Auswärtigen Amt bis zu Pensionierung nach Barcelona versetzt.
Nachdem er zehn Jahre im Gefängnis verbracht hatte, schob ihn die tschechische Regierung in die BRD ab. Nüsslein trat wieder in den Staatsdienst ein und wurde Referent von Bundeskanzler Adenauer, mit dem er u.a.nach Moskau reiste. Doch als Nüssleins Vergangenheit publik wurde, versetzte ihn das Auswärtige Amt nach Barcelona. Hier blieb er als Generalkonsul der BRD fünfzehn Jahre lang, bis zu seiner Pensionierung. Noch nach seinem Tod löste Franz Nüsslein einen Eklat im A.A. aus, als Joschka Fischer ihm den ehrenvollen Nachruf verwehrte.

Ja, und vergessen wir nicht Guido Brunner, ehemaliger Botschafter der BRD in Spanien, der in dem Bestechungsskandal verwickelt war und nach der Pensionierung sicherheitshalber in Spanien wohnen blieb.

Ich frage mich, ist Barcelona das letzte Asyl für beamtete deutsche Übeltäter?

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