HINTERGRUND: Erwachsene besser in der Lage neue Sprachen zu lernen als gedacht

20.08.2011 - SprachenNetz/Barcelona für Deutsche 

Lernen Kinder oder Erwachsene eine fremde Sprache besser? Dieser Frage gingen israelische Forscher der Universitäten Tel Aviv und Haifa in einer Studie zum Thema Spracherwerb auf den Grund und präsentierten ihre Ergebnisse auf dem International Congress for the Study of Child Language in Montreal. Auf dem ersten Blick wirkt das Ergebnis der Studie überraschend: Unter kontrollierten Bedingungen können Erwachsene Regelmäßigkeiten in der Sprache schneller erkennen und anwenden als Kinder.

Für die Untersuchung wurden Testpersonen von acht und zwölf Jahren sowie Erwachsene verschiedenen Alters ausgewählt und mit einer ausgedachten Sprachregel konfrontiert. Die Sprachregel verlangte, dass Verben, die sich auf lebendes Objekt beziehen, anders geschrieben und ausgesprochen werden sollten, als Verben, die sich auf ein lebloses Objekt beziehen. Anschließend wurden den Testpersonen verschiedene Verben mit dem entsprechenden Bezugswort vorgespielt. Die Testpersonen sollten dann bei anderen Bezugswörtern die Verben ergänzen. Die Auswertung der Testergebnisse ergab, dass die Erwachsenen bei dem Sprachtest wesentlich besser abschnitten als die jüngeren Testpersonen. Ein Wiederholungstest kam zum gleichen Ergebnis.

Steht das Ergebnis der Studie im Widerspruch zu der vorherrschenden Ansicht, dass Kinder wesentlich besser in der Lage sind, Fremdsprachen zu erlernen? Zwar lässt die Studie darauf schließen, dass Erwachsene leichter Sprachen lernen. Dies hängt jedoch damit zusammen, dass sie Zusammenhänge schneller erschließen können und besser in der Lage sind, Beispiele zu analysieren und Verknüpfungen herzustellen oder in diesem Fall eine neue Sprachregel anzuwenden. In der Praxis jedoch lernen Kinder Sprachen in der Regel trotzdem schneller, da sie anders an die Sprachen herangehen, betont die Studienleiterin Sara Ferman, Universität von Tel Aviv, laut dem Wissenschaftsmagazin New Scientist. Auch Robert DeKeyser von der University of Maryland in den USA warnt davor, Experimente unter künstlichen Bedingungen wie dieses auf die Realität zu übertragen.

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