NEWS: Bildungsstreik in Spanien

25.05.2012 - Badische Zeitung 

Halbleere Klassenräume, blockierte Universitätseingänge, Demonstrationen in den Innenstädten: Schüler, Studenten, Eltern, Lehrer und Professoren haben am Dienstag gemeinsam mit einem nationalen Streiktag gegen die Kürzungen in Spaniens Bildungsetat protestiert.

Zwei Graffiti in der Madrider Universidad Complutense fassten die Stimmung unter den Demonstranten zusammen: "Einschnitte bei der Bildung und Hilfen für die Banken", und daneben: "Kämpfe für deine Zukunft". Spaniens konservativer Ministerpräsident Mariano Rajoy setzt seit seinem Amtsantritt im Dezember vergangenen Jahres auf eine konsequente Sparpolitik, um das Defizit der öffentlichen Haushalte so bald wie möglich auf drei Prozent des Inlandsprodukts (BIP) zu begrenzen. Ende März stellte er sein Budget für das laufende Jahr vor: Etatkürzungen und Steuererhöhungen sollen die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben um mehr als 27 Milliarden Euro verkleinern. Doch das war noch nicht genug. Vergangenen Donnerstag verabschiedete das Parlament mit den Stimmen der regierenden Volkspartei ein weiteres Sparpaket. Das öffentliche Gesundheitssystem bekommt nun rund 7,3 Milliarden Euro weniger, das Bildungssystem drei Milliarden.

"Du siehst, dass der Regierung jede Sensibilität für das öffentliche Gesundheits- und Bildungssystem fehlt, als ginge sie das nichts an", sagt Ana, eine 47-jährige Mathematikdozentin in Madrid, die es vorzieht, ihren richtigen Namen zu verschweigen. "Diesen Leuten ist die Qualität der Universität vollkommen gleichgültig." Ana, die sich bisher mit Zwölfmonatsverträgen von Jahr zu Jahr gehangelt hat, muss damit rechnen, ab September nicht weiter beschäftigt zu werden. Ihre Vorlesungen werden wahrscheinlich von verbeamteten Professoren in ihrer Abteilung übernommen, deren Lehrbelastung um ein Drittel steigen soll – für Forschung werden sie kaum noch Zeit haben.

An den Schulen sieht es ähnlich aus. Die Stundenzahl der Lehrer steigt, die Klassengrößen ebenso. In Madrid zum Beispiel um 20 Prozent: In der Grundschule wird es künftig bis zu 30 Schüler pro Klasse geben, in der Sekundarstufe bis zu 36 und in der Oberstufe bis zu 42. Besondere Betreuung für schwierige Schüler fällt aus. Krankheitsvertretungen soll es nicht mehr geben. Manche Schulen haben noch handfestere Probleme: In der Region Valencia mussten im vergangenen Winter etliche Schulen die Heizung abstellen, weil ihnen die Regionalregierung das Geld für den laufenden Betrieb nicht überwies.

Auch die Kürzungen im Gesundheitsetat haben drastische Folgen. Die Regierung der Balearen schließt in diesem Jahr zwei Krankenhäuser auf Mallorca. Katalonien legte im vergangenen Jahr 40 Gesundheitszentren still. Zuzahlungen für Medikamente steigen, erstmals müssen auch Rentner 10 Prozent ihrer Pharmarechnung selber bezahlen. Alle anderen zahlen – je nach Einkommen – zwischen 40 und 60 Prozent. Das bringt viele in Bedrängnis: In Spanien gibt es keine Sozialhilfe oder ein Gegenstück zum deutschen Hartz IV. Das Rote Kreuz spricht in seinem jüngsten Armutsbericht von sozialem Notstand. Von den 1,1 Millionen Menschen, die sich im vergangenen Jahr hilfesuchend an die Organisation wandten, hatten zwei Drittel keine Arbeit. Davon erhielt nur gut ein Fünftel Arbeitslosenunterstützung – bei den anderen war diese Hilfe schon ausgelaufen.

Die Regierung will an ihrer Sparpolitik festhalten. Mariano Rajoy gibt sich als einer der überzeugtesten Alliierten von Angela Merkel bei ihrem Kreuzzug gegen neue Schulden. Doch die Realität ist hartnäckig: Das diesjährige Defizitziel von 5,3 Prozent des BIP (nach 8,9 Prozent im vergangenen Jahr) wird Spanien aller Voraussicht nach nicht einhalten können, weil die Kürzung der öffentlichen Ausgaben die Rezession verschärft.

Kommentare (0) :

Artikel kommentieren
Artikel-Archiv
  • 27.09.2018 [Kommentare: 0]

    5 Jahre Kooperation der Auslandsberufsschule FEDA Madrid mit Hessen

    Die bestehende 5-jährige Zusammenarbeit mit dem Land Hessen, das die Berufsschule FEDA Madrid seit 2013 mit der Entsendung des Berufsschullehrers Christoph Weissbach, unterstützt, hat FEDA vom 17. bis 20. September 2018 mit einer Fachtagung zum Thema berufliche Ausbildung in Spanien „made in Germany“ und „made in Spain“ gefeiert. Bei der.. Artikel weiterlesen

  • 04.06.2018 [Kommentare: 0]

    Das spanische Schulsystem

    Kindergarten und Vorschule. Bevor die Kinder in Spanien in das eigentliche Schulsystem eintreten, besuchen sie im Regelfall die Guardaria, die einer Kindertagesstätte entspricht (für Kinder von 0-3 Jahren). Außerdem gibt es Kindergärten bzw. Vorschuleinrichtungen. Die Educación infantil für Kinder von 3-6 Jahren ist staatlich finanziert... Artikel weiterlesen

  • 18.05.2018 [Kommentare: 0]

    Die Feda Madrid gewinnt den ersten Preis der Industrie- und Handelskammer Deutschland (IHK)

    MIT DEM PROJEKT “DUALE AUSBILDUNG: BRÜCKEN BAUEN ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND SPANIEN“ GEWINNT DIE FEDA MADRID DEN ERSTEN PREIS DER INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER DEUTSCHLAND (IHK). Der Dachverband der Industrie- und Handelskammer Deutschland (DIHK) in Berlin hat in der sechsten Auflage des Wettbewerbs zwischen deutschen Auslandsschulen den.. Artikel weiterlesen

  • 25.04.2018 [Kommentare: 0]

    12 spanische Universitäten unter den 50 besten der Welt

    12 spanische Universitäten haben sich in konkreten Disziplinen unter den 50 besten der Welt platziert, gemäß dem Ranking Quacquarelli Symonds 2018 (QS). Denn 22 spanische Fakultäten gehören jetzt zu den besten der Welt; ein beachtenswertes Resultat, wenn man bedenkt, dass Spanien im internationalen Vergleich bisher eher durchschnittlich.. Artikel weiterlesen

  • 16.04.2018 [Kommentare: 0]

    Deine Zukunft startet jetzt in Barcelona. FEDA Barcelona

    Duale Ausbildung und duales Studium in einem offenen und multikulturellen Umfeld! Jetzt einsteigen und im September richtig loslegen. Ausbildung in einem internationalen Umfeld. Mehrsprachig. Kleine Klassen. Starke Partner. Noch läuft bei der FEDA-Barcelona das Bewerbungsverfahren für September 2018. Suchst du eine kaufmännische.. Artikel weiterlesen

  • 26.03.2018 [Kommentare: 0]

    Deutsche Ausbildung und duales Studium in Madrid: bilingual und bikulturell in die Zukunft starten

    Das Bewerbungsverfahren für das kommende Ausbildungsjahr 2018/2019 läuft auf Hochtouren an der FEDA Madrid! Deutsche und spanische Abiturienten können sich bewerben, um eine duale deutsche Berufsausbildung oder ein duales BWL-Studium, im September in Madrid zu starten. Die FEDA Madrid ist eine vom Auswärtigen Amt und der deutschen.. Artikel weiterlesen

  • 07.02.2018 [Kommentare: 0]

    El Colegio Hispano – Alemán in Madrid

    Die spanische Schule wurde 1961 mit dem Ziel gegründet, Deutsch bereits ab den ersten Schuljahren zu unterrichten, um so den Wünschen vieler Familien im Umkreis der Einrichtung gerecht zu werden. Seit 1980 wird Englisch ebenfalls bereits in den ersten Jahren der Schullaufbahn unterrichtet. Die Schule befindet sich in Chamartín (El Vigo),.. Artikel weiterlesen

  • 07.11.2017 [Kommentare: 0]

    Bilingüismo- Neue Erkenntnisse zum Thema Zweisprachigkeit

    Wenn wir daran denken, wie schwer es uns im Erwachsenenalter oftmals fällt, eine neue Sprache zu lernen, steht das offenbar ganz im Gegensatz zu zweisprachig aufwachsenden Kindern: Die Leichtigkeit mit der Kinder Sprachen lernen, scheint uns nur noch mehr darin zu bestärken, so früh wie möglich damit beginnen zu wollen. Doch wann genau.. Artikel weiterlesen

  • 04.09.2017 [Kommentare: 0]

    Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Spanien

    Wer nach Spanien kommt, um hier zu studieren oder zu arbeiten, hat meist bereits in seinem Heimatland eine Ausbildung absolviert. Doch wie kann man sich diese Ausbildung in Spanien anerkennen lassen?Anerkennung universitärer AbschlüsseUm Ihren Titel anerkennen zu lassen, müssen Sie beim Ministerio de Educación, Cultura y Deporte.. Artikel weiterlesen

  • 18.07.2017 [Kommentare: 0]

    Auslandsjahr: Studium der spanischen Kultur mit dem Curso Superior de Cultura an der Uni de Madrid

    Ob Studium, Praktikum, Au-pair oder soziales Jahr – heutzutage gibt es zahlreiche Möglichkeiten für junge Leute, einige Monate oder ein ganzes Jahr im Ausland zu verbringen. Eine davon richtet sich an diejenigen, die sich besonders für die Kultur und Sprache Spaniens interessieren. Mit dem Curso Superior de Cultura bietet die Universidad.. Artikel weiterlesen