Junge Spanier – Nesthocker im Hotel Mama

25.01.2019 - MfD & BfD (Laura Nadolski) 

Dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) zufolge wohnen spanische Jugendliche im Durchschnitt bis sie 29 Jahre sind bei ihren Eltern. Spanien liegt damit auf Platz 24 innerhalb der Europäischen Union, dahinter nur Rumänien, Griechenland, Italien und Bulgarien.

 

Motiv ist dabei weniger die Familie, auch wenn diese in Spanien einen sehr hohen Stellenrang einnimmt. Finanzielle Gründe sind die deutlich häufigere Ursache für den späten Auszug aus dem Elternhaus. Im Großteil der spanischen Provinzen und vor allem in den Städten sind die Mieten nicht gerade preiswert. In Madrid und Barcelona zum Beispiel sind die Mietpreise im letzten Jahr um etwa 30% gestiegen. Und mit einem Einstiegsgehalt kann man sich die kaum leisten. Vielen jungen Spaniern bleibt damit nur die Möglichkeit im Elternhaus zu bleiben oder dorthin zurückzukehren.

 

Hinzu kommt die hohe Jugendarbeitslosigkeit, eine der höchsten in der EU. Mit 34,1% arbeitslosen Jugendlichen (15- 24 Jahre) im Jahr 2018 wird sie nur noch von Griechenland (36,6%) übertroffen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie mit 6,1% deutlich tiefer. Junge Spanier müssen schlecht bezahlte Jobs ausüben, auf finanzielle Reserven von Verwandten zurückgreifen und können sich somit keine stabile Basis für eine berufliche Laufbahn oder Familienplanung aufbauen. Wer überhaupt einen Job bekommt, muss sich mit einem knappen Gehalt zufriedengeben. Der Großteil neu geschlossener Arbeitsverträge ist befristet, zum Teil sogar nur für einige Wochen.

 

Die Jugend Spaniens hat es also nicht leicht: Schwierigkeiten, den ersten Job zu finden und sich gleichzeitig mit immer höher werdenden Mieten herumschlagen kostet viel Energie. Doch dass viele von ihnen Jobs annehmen, für die sie überqualifiziert sind, verdient nicht nur die Anerkennung der älteren Generationen. Sie braucht sie auch. Um in Würde und mit ausreichend Lebensgrundlage alt werden zu können ist es notwendig sich auf eine jüngere Generation zu stützen, die arbeitsfähig ist und in die Zukunft voranschreitet.

 

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