20.10.2017 - Elisabeth Pranter - MfD

Wer heute durch Madrid spaziert, bekommt kaum Friedhöfe zu sehen. Die rund 20 Friedhöfe, die sich in der Metropole befinden, sind größtenteils am Stadtrand angesiedelt. Doch bis ins 19. Jahrhundert war es in Spanien üblich, die Verstorbenen im Inneren von Kirchen zu bestatten. Aufgrund von Platzmangel und einer Pestepidemie wurde diese Praxis im 19. Jahrhundert verboten, stattdessen wurden nach und nach Friedhöfe außerhalb der Stadt errichtet. Die Friedhöfe, die früher im Stadtzentrum angesiedelt waren, verschwanden allmählich.
Aufgelassene Friedhöfe im Stadtzentrum
Da man früher glaubte, je weiter weg man von der Kirche begraben wurde, desto weiter würde man auch von Gott entfernt sein, entstanden zunächst Pfarrfriedhöfe. Bei der Pfarre San Sebastián etwa wurden die Toten im Garten bestattet. Am Gelände des ehemaligen Friedhofs befindet sich heute ein Blumengeschäft.
In der Nähe von der Puerta de Toledo, wo heute die Sportstätte von San Miguel ist, befand sich im 19. Jahrhundert der Cementerio General del Sur. Da er in Eile errichtet wurde – das Gelände wurde nur rasch geräumt und mit einer niedrigen Mauer eingefriedet – und nicht ordentlich gewartet wurde, war er schon bald in einem fatalen Zustand. Hunde und Vögel drangen ein und trugen die Knochen der Verstorbenen davon. Erst acht Jahre nach der Eröffnung wurde die Einfriedung renoviert und eine Kapelle errichtet. In derselben Umgebung gab es früher auch einen eigenen Friedhof für jene, die im Zuge eines Duells starben. Populär war damals ein besonders brutaler Zweikampf: Statt mit Schwertern gegeneinander zu kämpfen, stiegen die Kontrahenten bis zu Hüfte in Erdlöcher und schlugen mit Stöcken aufeinander ein, bis einer der beiden starb.
Auch der Retiro beherbergte ab Ende des 18. Jahrhundert einen Friedhof, in dem Angestellten des Parks und Madrider, die als Helden des Unabhängigkeitskriegs galten, beigesetzt wurden – ungefähr dort, wo heute der Brunnen des Ángel Caído, des gefallenen Engels, steht.
Letzte Ruhestätte Metrostation
Noch älter ist ein Friedhof, der sich unter der Metrostation Tirso de Molina verbirgt. Das Convento de la Merced wurde im 16. Jahrhundert dort gegründet, wo heute der Platz Tirso de Molina ist. Die Mönche fanden hier neben dem Kloster ihre letzte Ruhestätte. Nach der Zerstörung des Klosters im 19. Jahrhundert geriet der Friedhof in Vergessenheit – bis die Metrostation Tirso de Molina errichtet wurde und man im Zuge der Bauarbeiten auf die Gebeine stieß. Die Stadtverwaltung entschied sich dagegen, den Friedhof freizulegen und eine Umbettung vorzunehmen. So ruhen die sterblichen Überreste der Mönche noch heute hinter den gefliesten Mauern der Metrostation, direkt hinter den Fahrgästen, die auf die Metro warten. Diese Nähe zu den Verstorbenen führte zu Gerüchten, dass es in der Metrostation spuken solle.
Cementerio San Isidro – der älteste Friedhof von Madrid
Der Friedhof San Isidro gilt nicht nur als der schönste Friedhof Madrids; gegründet 1811 ist er auch der älteste. Hier ruhen Edelleute und Berühmtheiten, was an den imposanten Grabstätten ersichtlich wird, außerdem die letzte spanische Überlebende des Schiffsunglücks Titanic. Sehenswert ist etwa das Pantheon de los Hombres Ilustres, in dem auch Goya zwischenzeitlich begraben worden war, bevor seine Gebeine verlegt wurden.
Wer den Friedhof genauer kennenlernen möchte, kann an einer geführten Tour teilnehmen: Gleich vier verschiedene Touren – jeweils durch die nördliche, östliche, südliche oder westliche Zone – werden angeboten, schließlich erstreckt sich der Friedhof über 120.000 m2.
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