Herbert Wein und pez pescado

16.06.2008 - Clementine Kügler - Übersetzerin 

Es mag ein Fehler sein, aber wenn man in einem neuen Land lebt und eine Sprache lernt, macht man es sich gerne einfach. Wurst ist Wurst und Gemüse Gemüse. Damit hat man schon mal was gelernt und verhungert nicht. Es gibt ja Landsleute, die sich nur deshalb in vollen Supermärkten stressen lassen, weil sie dort die Ware stumm aus dem Regal nehmen können.

In der Markthalle ist das anders. In der bei Antón Martín wird der Einkauf sogar durch das rhythmische Stampfen des Flamenco-Studios animiert, das im ersten Stock eingezogen ist. Hat man seine festen Stände für Fisch, Fleisch, Geflügel, Obst und Gemüse, Wurstwaren und Käse einmal gefunden und ist es nicht gerade Samstagmittag, dann kann das Einkaufen Spaß machen. Samstags gehe ich zugegebenermaßen auch mal fremd, wenn an einem anderen Stand weniger Leute anstehen. Reden sollte man allerdings. Man kann auch auf die Waren zeigen und brummen, „dass die hier aber auch nicht Deutsch können“, doch weit kommt man damit nicht. Statt dessen kann man etwas lernen:

Eine Stange gewöhnliches Weißbrot heißt durchaus „pistola“. „Gallo“ ist der Hahn, am Fischstand jedoch der „Flügelbutt“. Der Fisch (pez) heißt, ist er erst einmal gefangen, logischerweise „pescado“. Champignons sind hongos (Pilze), keine setas (Pilze). Grüne Spargel werden häufig nicht etwa „espárragos verdes“ genannt, sondern „trigueros“. Erdbeeren, die überall als „Fresas“ verkauft werden, sind eigentlich „Fresones“, „Fresas“ sind im Geschmack viel intensiver und selten, sagt mein spanischer Nachbar, der etwas vom Essen versteht. Und Wurst ist nicht Wurst: Salchichón (hell), Chorizo (rot wegen der Paprika), Salchichas (Würstchen), „Fuet“ und „Butifarra“ als katalanische Varianten, „Sobrasada“ (Mallorquinischer Wurstaufstrich) - alles lecker, aber es gibt keinen gemeinsamen Nenner, der einen rettet. Und Vorsicht mit dem Wörterbuch. Wenn da Vino blanco mit „Herbert Wein“ übersetzt wird, hat jemand viel zu viel getrunken.

Und wer das alles mal gelernt hat und auf Reisen geht, der kann etwas erleben. Zum Beispiel mit dem Gemüse. In Navarra, wo man bekanntlich sehr gut isst, fragte ich den Koch, der höchstpersönlich an den Tisch kam und nach unseren Wünschen fragte, was die „Menestra de verdura“ so böte: Erbsen, Bohnen, Mohrrüben? Aber nein, Señorita, Möhren sind doch nicht „verdura“, sind doch nicht grün. Na dann. In einem Dörfchen der Balearen haben wir „Porras“ bestellt zum Kaffee, ihr wisst schon, die dicke Variante der „churros“. Porras hätte er nicht, sagt der Kellner. Dann nehmen wir Churros, sagen wir. Bringt er Porras. Gucken wir ihn fragend an und sagt er, „die nennen wir hier churros“. Alles klar?
Alles klar, sagt auch mein spanischer Nachbar. 

Kommentare (1) :

Kommentar von Barbara 18.06.2008

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