Vivo Nähe der La Pedrera

30.12.2016 - Rafa Heberling 

Das schicke Barcelona am Prachtboulevard „Passeig de Gràcia“ lockt viele Besucher an. Nicht zuletzt wegen der emblematischen Profanbauten des berühmtesten Architekten der Stadt, Antoní Gaudí (op Kölsch: Tünnes Freud). Andererseits braucht man am Paseo de Gràcia schon ein pralles Portemonnaie, um shoppen zu gehen. Hier findet man die üblichen Verdächtigen wie Prada, Loewe, Michael Kors oder Gucci und Versace. Schon in den Namen erkennt man bald ein vierstelliges Preisschild. Dementsprechend sind hier auch die Preise.

 

Trifft man dann in der Carrer del Rosselló 255, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Casa Millá (La Pedrera), auf das luxuriös anmutende Interieur des Restaurante Vivo, traut man sich zunächst gar nicht auf die Karte zu schauen: So wie es hier aussieht, vermutet man, dass der Kaffee schon 20 Euro kosten müsste. Aber weit gefehlt! 0,2 l Cava für 4€, Patatas Bravas (die typischen „Fritten Schranke von Katalonien“) für nur 4,50 zeigt das in Gold, schwarz und Marmor gehaltene Lokal in einer Richtung zwischen Neo-Jugendstil und -Barock doch wesentlich preiswerter als vermutet.

 

Also hinein in die „gute Stube“

 

An den einfachen Gerichten zeigt sich die Liebe zum Detail und was die Küche so kann. Also bestelle ich mir die Papas Bravas und bin auch hier überrascht von der Qualität. Hausgemachte Saucen, auf den Punkt frittierte Kartoffelstückchen, liebevoll dekoriert und von Fachpersonal serviert.  Vor allem wenn man dann zu moderatem Preis auch noch pochiertes Öko Ei mit Kartoffelschaum und Trüffel an Pilzen der Saison serviert bekommt oder ein Iberico-Steak in Rotwein reduziert mit Süßkartoffel und Zucchini zusammen mit Teriyaki-Sauce und rosa Himalaya-Salz, das durch das erlesene Picual-Olivenöl schimmert,  hätte man ein schlechtes Gewissen, wenn man bei so viel Mühe um den Gast und liebevoll erklärten Gerichten die Nachtische ausließe oder das Trinkgeld vergessen würde.

 

Im Vivo kann man es sich richtig gut gehen lassen. Hier kann man das gemütlich beleuchtete Lokal genießen und dem hektischen Treiben der Schönen und Reichen zuschauen, ohne dabei selbst arm zu werden. Wie sich herausstellt ist der Besitzer des nur ein paar Meter weiter befindlichen Lokals „Margarita“ verantwortlich. Das „Margarita“ ist ein eher italienisch ausgelegtes Konzept, was es bekanntlich in Barcelona schwer hat. So gut die italienische Küche auch ist, sie ist zu unflexibel für die Katalanen. Seit Jahrhunderten bestens, bewegt sich in der italienischen Küche recht wenig. In Barcelona hingegen trifft man auf die leckersten Experimente zwischen den Geschmäckern der Welt. Nicht weit von hier, im Hotel Mandarin am Passeig de Gràcia, betreibt Carme Ruscalleda eine Dependance ihres Restaurants Sant Pau (Sant Pol de Mar, 7 Michelin Sterne), an der Plaça Espanya trifft man auf 5 Lokale der legendären Brüder Adriá, den Erfindern der Molekülarküche, da hat die italienische Küche im Vivo reagiert und sich mit der kreativen einheimischen Küche vermischt. Eine gelungene Mischung und vor allem bei dem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis eine Empfehlung wert.

 

Und bei den sonnenhungrigen Bekannten und Freunden aus Deutschland gewiß auch beliebt: es hat eine kleine „Terrasse“. Man kann also auch draußen sitzen.

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