Durch fremde Betten reisen

23.11.2008 - Susanne Merz - Studentin 

Dem Web 2.0 haben wir viele interessante Neuerungen zu verdanken und es wurden uns zahlreiche Möglichkeiten eröffnet, um zum Beispiel über Social Networks mit unseren Bekannten aus der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben. Seit 1999 existiert die Webseite couchsurfing.com. 

Das Netzwerk beruht auf dem Gastfreundschaftsprinzip. Hier werden kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten auf der ganzen Welt angeboten. Das funktioniert so: Man legt sich ein Profil an und gibt an, ob man ein freies Bett zur Verfügung hat oder bietet an, Fremden auf der Durchreise die Stadt zu zeigen und kann dann angeschrieben werden oder andere Mitglieder anschreiben. Die Seite zählte im Juli 600 000 Mitglieder in 231 Ländern und Gebieten. 

Das Motto der Seite lautet: Machen Sie mit bei der Erschaffung einer besseren Welt – Couch für Couch. Dabei geht es nicht nur um die Möglichkeit, einen kostenlosen Schlafplatz zu ergattern, sondern auch um den interkulturellen Austausch und auch darum, neue Leute kennen zu lernen, sich zu öffnen und spontane Freundschaften entstehen zu lassen. Würden Sie vor diesem Hintergrund einen Fremden auf der Reise bei sich aufnehmen? Die Mehrheit wahrscheinlich nicht.

Das hätte ich vor zwei Monaten auch noch gesagt. Auf der Seite angemeldet habe ich mich zwar schon im Juli diesen Jahres, aber einen Schlafplatz angeboten oder genutzt hatte ich bis vor kurzem noch nicht. Bis vor zwei Wochen, als ich in Barcelona einen Reisenden auf dem Fahrrad kennenlernte. An dem Tag unseres Gesprächs wusste er nicht, wo er schlafen sollte, also bot ich ihm spontan an, in meiner WG zu übernachten. Bereut habe ich es nie. So verbrachten wir mit einigen anderen Freunden einen sehr netten Abend und tauschten uns eifrig über unsere Reise-Erfahrungen und –pläne aus. 

Heute wird mich meine Zimmermitbewohnerin der letzten 5 Tage verlassen. Die 20-jährige Österreicherin Steffi befindet sich auf einer Reise durch Frankreich und Spanien. Da sich zwei ihrer Freunde seit einiger Zeit in Barcelona aufhalten, wollte sie hier eigentlich nur eine Woche vorbeischauen. Daraus sind jetzt schon vier Wochen geworden. Seit Beginn ihrer Reise nutzt sie schon das Couchsurfing und hat bisher zahlreiche positive Erfahrungen gesammelt. Über ihre Freunde hatte ich sie kennen gelernt und als ich sie zufällig in der Stadt traf und sie gerade auf der Suche nach einem Schlafplatz war, bot ich ihr ebenfalls an, ein paar Tage in meiner WG zu übernachten. Auch das habe ich nicht bereut. Zufällig hatte mein österreichischer Mitbewohner auch gerade Besuch aus Österreich, so dass wir unsere Zeit gemeinsam verbrachten.

Zudem eignet sich die Webseite hervorragend um Leute kennen zu lernen, wenn man neu in einer Stadt ankommt. So habe ich mich selbst auch mit einigen Leuten getroffen, die bei Couchsurfing registriert sind, da ich selbst zu viele Deutschsprachige kennen lerne und meine Zeit hier nutzen möchte, um mein Spanisch zu verbessern. Auch hier konnte ich nur positive Erfahrungen sammeln und halte weiterhin Kontakt mit manchen von ihnen. Da es manchmal auch nicht einfach ist mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen, findet sich so eine einfache Möglichkeit, sodass man schnell Kontakt zu den Locals aufbauen kann. Um den Reisenden und Gastgebern Sicherheit zu bieten, werden auf dem Profil Referenzen hinterlassen über die Erfahrungen, die man mit den Leuten gesammelt hat, die man getroffen oder bei sich aufgenommen hat, sodass man direkt auf dem Profil sehen kann ob die Person als vertrauenswürdig beurteilt wird. Meiner Meinung nach ist dieses Netzwerk eine grandiose Idee, die es ermöglicht beim Reisen der einheimischen Kultur näher zu kommen und internationale Freundschaften zu knüpfen. Probieren sie es doch auch mal!

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