Es parla català - Man spricht Katalanisch

23.01.2008 - Judith de la Vega - Diplom Kauffrau 

Immer wieder kommt es vor, das man als Neuankömmling in Barcelona die katalanischen Sprachvorherrschaft unterschätzt. So sitze ich in der ersten Frühlingssonne im Straßencafe und möchte, wie in der teuer bezahlten Sprachschule geübt, beim schnittigen "camarero" meinen Kaffe bestellen. Der "camarero" ist aber überhaupt keiner und will daher lieber "cambrer" gerufen werden. Na gut, ich bleibe wagemutig und bestelle meinen heißgeliebten "café con leche", oder gibt es den vielleicht auch als Latte Machiatto? Falsch gedacht, so etwas ist in Katalonien gänzlich unbekannt. Nach einigem hin- und her bekomme ich vom durchaus irritierten cambrer keinen "café con leche" aber einen "café amb llet" gebracht. Zumindest schmeckt der genau so gut.

Nach und nach habe ich mittlerweile die ersten Brocken aufgeschnappt. Leider knüpfen sich auf dem Spielplatz die sozialen Kontakte mit den Einheimischen eher langsam aber umso schneller lerne ich über zugerufenen Worte die neue Sprache. Sowieso: ist man in einer romanischen Sprache geübt, so kommen einem viele katalanische Wörter bekannt vor: "fins demà" gleicht dem französischen "à demain", "peu à peu" wird zu "a poc a poc".

Der als zugeknöpft geltende Katalane taut auch regelrecht auf, begrüße ich ihn mit einem "bon dia", das klassische "buenos días" kann ich auch noch im nächsten Pauschalurlaub loswerden. Auch ein "si us plau" an Stelle des "por favor" bringt mir im Alltag Punkte. Allerdings bin ich nun schon an meine Grenzen gelangt. Ich freue mich aber umso mehr, wenn mir die Lehrerin meiner Tochter versichert, dass ich meine Sache schon "molt bé" mache, also sehr gut. Das motiviert und bringt Lust auf mehr, schon auch, um guten Willen zu zeigen.

In diesem Sinne: "fins aviat", bis bald!

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