Der Beste soll gewinnen

03.07.2010 - Stefanie Claudia Müller - scm communication 

Heute spielt Deutschland. Und obwohl ich schon zehn Jahre in Spanien lebe und das Land mit all seinen Schwächen und Stärken liebe, halte ich bei der WM immer noch zu Deutschland, fühle ich mich immer noch als Deutsche. Ich bin stolz auf die Mannschaft 2010, die eine Mischung aus verschiedenen Kulturen ist, die Abbild unserer deutschen Gesellschaft ist, mit all ihren Problemen und Stärken. 

Bis zum England-Spiel fand ich das deutsche Team eher mittelmäßig, auch optisch gesehen.....ein wichtiger Punkt für Frauen. Aber gegen die Engländer wurden sie auf einmal schön. Da regierte wieder der Mannschaftsgeist und die Fairness auf dem Platz . Es gibt wieder ein Gemeischaftsgefühl. Türken, Griechen und Latinos fiebern gemeinsam beim Public Viewing in Deutschland. Der deutsche Fußball, eigentlich sind wir nicht fürs Zaubern auf dem Fußballplatz bekannt, wurde gegen England wieder magisch. 

Spanien hat so fast bei jedem Spiel gezaubert bei der vergangenen EM, im Endspiel gegen Deutschland haben sie es auf die Spitze getrieben, uns alt aussehen lassen. El niño, Torres, stürmte das Tor. Die Elf in Rot waren auf einmal ein Team, wo jeder Pass seinen Spieler fand und das Unmögliche Mögliche wurde: Spanien wurde zum ersten Mal EM-Sieger und auch wenn man sich darüber in Madrid mehr freute als in Katalonien war es für das Land ein enormer Freistoss, ein Freudenfest, neue Energien wurden freigesetzt. 

2010 ist ander. Spanien ist zwar im Viertelfinale und spielt auch heute, aber irgendwie fehlt dieser Zauber der EM und das liegt sicherlich nicht am Trainer.  Das gesamte Land scheint im Vergleich zu Deutschland weniger begeistert von der WM, wo meine Freunde schon davon reden, dass soviele Flaggen an Häusern und Autos, die unser Team anspornen, fast an das Dritte Deutsche Reich erinnern. In Katalonien, berichten Leser unseres Portals, findet man kaum Bars, wo die Spiele übertragen werden, selbst die Spanien-Spiele, oder gerade bei den Spanien-Spielen, herrscht wenig Begeisterung. 

Auch in Madrid ist noch kein Wahnsinn ausgebrochen (hoffentlich ändert sich das heute). Es wäre wirklich schade, wenn Spanien in seiner schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation diese Chance nicht nutzen würde, diese Momente, wo die ganze Welt auf das Land schaut, das von den Ratingagenturen und den deutschen Medien derzeit so gebeutelt wird. 

Es wäre schade, wenn nicht alle Spanier sich wünschen würden, dass ihr Land gewinnt. Ich wünsche mir natürlich, dass Deutschland gewinnt, aber ich wünsche mir auch den spanischen Zauber der EM zurück, das Gemeinschaftsgefühl, diese Traum-Pässe. Und wenn Spanien und Deutschland im Halbfinale aufeinander treffen, dann soll der gewinnen, der besser ist. Hauptsache es wird gezaubert!

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