Air Berlin spricht Spanisch aber kein Katalanisch

20.06.2008 -  

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin weigert sich, dem „Rat“ der balearischen Landesregierung zu folgen und die Kundenkommunikation vermehrt in der Regionalsprache Katalanisch bzw. in der Abwandlung Mallorquin, die auf Mallorca gesprochen wird, zu führen. In einem Schreiben der Landesregierung an Air Berlin hieß es wörtlich: „Ich wende mich an Sie, um Ihnen mitzuteilen, dass die Regierung der Balearen großes Interesse daran hat, dass in der Kommunikation Ihres Unternehmens mit den Bürgern, die sich für Flüge mit Air Berlin entscheiden, ein adäquater Gebrauch der offiziellen Sprache der Inseln gewährleistet wird. Bei einer grundlegenden und essenziellen Dienstleistung, wie es die Flüge von und nach Mallorca, Menorca und Eivissa (gemeint ist Ibiza) sind, ist es unerlässlich, dass den katalanischsprachigen Bürgern und Konsumenten in korrekter Weise die Verwendung ihrer Sprache garantiert wird“. 

Air Berlin wies darauf hin, dass die Implementierung einer weiteren Sprache zu unzumutbaren Kosten führen würde und wirtschaftlich nicht vertretbar wäre. In dem Air Berlin Bordmagazin kann der CEO Joachim Hunold die Initiative nicht fassen und schreibt im Editorial vom „Rückfall in mittelalterliche Kleinstaaterei“ und davon dass der „Regulierungseifer“ der Behörden inzwischen dazu geführt habe, das Spanisch an den Schulen Mallorcas als eine weitere Fremdsprache wie Englisch oder Deutsch behandelt werde. Auch wenn Spaniens kulturelle Vielfalt einen seiner schönsten Reize ausmacht, kann man aus wirtschaftlicher Sicht nicht nachvollziehen, warum einzelne Regionen Spaniens sich selber aus dem als einheitlich empfundenen spanischen Markt ausgrenzen wollen. Ein Drittel der Weltbevölkerung spricht Spanisch. 

Wenn Nordamerikaner eine Fremdsprache lernen, ist es zuallererst Spanisch. So ist es nicht mehr nachvollziehbar, dass Unternehmen in den katalanischen Regionen Schilder und Werbung in Spanisch und in Katalanisch anbringen müssen und ausländische Unternehmerkinder nicht wie in allen anderen Gegenden Spaniens in Spanisch, sondern in Katalanisch unterrichtet werden. Dies soll sogar an manchen Schulen so weit gehen, dass die Pausenaufsicht den Kindern verbietet, sich auf Spanisch zu unterhalten. Mit 375 wöchentlichen Nonstop-Flügen nach Mallorca ist Air Berlin die mit Abstand wichtigste Airline auf dem Flughafen Palma. Den Worten von Hunold lässt sich jedoch entnehmen, dass Air Berlin durch solche Initiativen die Lust an dem Standort verlieren könnte. Easyjet hat übrigens seinen Südeuropa-Hub in Madrid eingerichtet und ist froh über ihre Entscheidung. Kein Wunder: Die Regionalregierung differenziert sich von ihrem großen Konkurrenten auf der Halbinsel, Barcelona, und betont bei jeder Gelegenheit, dass sie als Standort besonders „business friendly“ und kosmopolitisch sei. Als Wirtschaftsanwalt in Madrid kann ich dies übrigens nur bestätigen!

Karl Lincke - Wirtschaftsrechtsanwalt
Quelle: www.businessinspanien.com

Kommentare (0) :

Blog kommentieren
Blog-Archiv
  • 04.02.2019 [Kommentare: 0]

    Die Chinos – eine Welt für sich

    Als ich neulich mit einer Freundin von Zuhause telefonierte, erwähnte ich beiläufig den Chino in meiner Straße. “Chino?” fragte sie. Ach ja – die Chinos haben wir ja in Deutschland gar nicht. Doch wie beschreibt man dieses “Phänomen” am besten? Die.. Blog weiterlesen

  • 14.01.2019 [Kommentare: 0]

    Es ist nie zu spät!

    Immer wieder die gleiche Diskussion: “¡A las 7 de la tarde no se cena!” – Um sieben Uhr nachmittags isst man noch kein Abendessen! “Ich hab aber jetzt schon Hunger!” “¡Es porque has comido hace horas!” - Du hast ja auch schon vor ‘ner Ewigkeit .. Blog weiterlesen

  • 08.08.2018 [Kommentare: 0]

    Im deutschen Exil – ganz scharf

    Manchmal lebt unsere Familie ja das deutsch-spanische Kauderwelsch. In sämtlichen Belangen. Sei es, dass der Nachwuchs sprachlich spanische Dörfer für mich auffährt: Papa, kannst Du mir endlich die Kuchenfarben bringen?? Was, wie?! [Papa sucht.. Blog weiterlesen

  • 04.07.2018 [Kommentare: 0]

    Von der WM zur Ahnenforschung

    Nach dem Ausscheiden der deutschen und nun der spanischen Nationalmannschaft wird es natürlich für unsere deutsch-spanische Familie ganz schwierig mit dem Weiterfiebern. Doch die Jungs halten ganz gut mit. Zu EM 2016-Zeiten nach dem Aus der Deutschen.. Blog weiterlesen

  • 27.11.2017 [Kommentare: 0]

    Rosamunde Pilcher im spanischen Fernsehen

    Als ich einmal an einem Nachmittag am Wochenende wahllos durch das spanische Fernsehprogramm zappe, werde ich plötzlich stutzig: Sind das nicht deutsche Schauspieler da auf dem Bildschirm? Heißt das etwa, dass ich mir gute deutsche Filme im.. Blog weiterlesen

  • 16.10.2017 [Kommentare: 0]

    Pendeln im Fernzug

    Es ist 06:42 Uhr und der Fernzug AVANT setzt seine Fahrt in Richtung Madrid nach einem kurzen Aufenthalt in Ciudad Real fort. Er ist fast komplett ausgebucht, aber von Chaos bei der Sitzplatzsuche keine Spur. „Wie praktisch! Ich muss ja gar nicht um.. Blog weiterlesen

  • 15.09.2017 [Kommentare: 0]

    Mi casa es tu casa

    Man sagt den Spaniern ja vieles nach: Sie seien unpünktlich, immer am Feiern und ohne die Siesta ginge gar nichts. Doch auch von der spanischen Herzlichkeit und Gastfreundschaft hört man oft – oder erlebt sie, so wie ich, am eigenen Leib. Es waren.. Blog weiterlesen

  • 23.08.2017 [Kommentare: 0]

    17.August ’17, 17 Uhr: Das Attentat

    auf dem Bild sind wir noch vollkommen unbeschwert. Machen „Mittagspause“. Es ist der letzte Ferientag für Theres und Kati. Kati sucht noch Schuhe für ihre neuen Showkostüme. Der Hunger hat uns aus den Schuhgeschäften der Fußgängerzonen herüber auf.. Blog weiterlesen

  • 15.07.2017 [Kommentare: 0]

    Regionale Stereotypen und (süd)spanischer Humor

    Kürzlich schaute ich mir auf meiner ALSA-Busfahrt von Granada nach Madrid die spanische Komödie „Ocho apellidos vascos” an. Ich hatte schon oft von Spaniern gehört, dass sie echt witzig sei und so nutzte nun die Gelegenheit, dass sie bei der.. Blog weiterlesen

  • 25.02.2017 [Kommentare: 0]

    Wo bin ich zuhause?

    Seit Tagen schwebt mein Geist über Barcelona. Ich spaziere gemächlich die calle Radas hinunter und freue mich, den freundlichen Katalanen am Gemüsestand wiederzusehen. Ich freue mich über meine bicing karte, die ich noch eine Zeitlang behalten werde,.. Blog weiterlesen

Zum Newsletter anmelden