2 Copas por 10 Euro

23.01.2012 - Katja Heinrich / Barcelona für Deutsche 

Hier in Spanien ist es völlig normal, sich erst um 22 Uhr fertig zu machen, dann schön gemütlich in einem Restaurant um 23 Uhr Abend zu essen und dann gegen 3 Uhr in einen Club zu gehen.
Alles ist etwas zeitversetzt - etwas ist gut. Gefühlte zwei, drei Stunden ist hier die Zeit nach hinten verschoben.
Als Deutscher kann das schon ganz schön ungewohnt sein. Als ich mit meiner Freundin in einer Bar um 23 Uhr saß, tranken wir einen Cocktail – die Spanier hingegen kamen gerade in das Lokal rein um ein schön, deftiges Steak mit Patatas Bravas und Gemüse zu essen, Aperitif und Nachtisch und Kaffee inklusive. Um 0 Uhr waren sie dann mit ihrem Mitternachtsessen fertig. Für mich und für viele andere Deutsche sicher unvorstellbar.
Doch obwohl ich schon eine Weile hier in Madrid lebe, kann ich mich an diese Lebensweise nicht komplett gewöhnen. Auch, dass man sich erst gegen 2- 3 Uhr aufmacht um Tanzen zu gehen, ist eine große Herausforderung für mich. In Deutschland verlasse ich meist schon um diese Zeit den Club. Doch, wenn man hier in Spanien leben will und das Abend- und Nachtleben erfahren möchte, muss man sich wohl oder übel daran gewöhnen und adaptieren. Denn man hat nicht mal die Chance früher wegzugehen. Als ich mit einer Freundin gegen 23 Uhr zum Sol fuhr, um die Tanzfläche unsicher zu machen, wurde uns lediglich angeboten, ein Cocktail in dem Club zu trinken. Getanzt hat dort niemand.
Doch Angebote, wie z.B. „2 Copas por 10 Euros“ oder „8 Euro por entrada y un copa“ sind sehr gut und ansprechend. Und wenn man eine Weile wartet und sich den spanischen Zeiten anpasst, macht das Weggehen hier doch sehr viel Spaß.
Aber nicht nur auf den Straßen, sondern auch in den Clubs selber gibt es kleine Unterschiede. Spanier sind viel freundlicher und offener als so manche in Deutschland. Man bekommt immer ein Lächeln zurück geschenkt und tritt mit vielen ins Gespräch, obwohl man sie eigentlich gar nicht kennt. Als Frau wird man hier natürlich auch viel öfter angesprochen und zudem treten die spanischen Männer auch schneller mit einem in Kontakt. Dieser Kontakt kann leider sehr schnell aufdringlich und auch unangenehm werden. Denn ein „Nein“ ist hier kein beliebtes Wort.

So haben die deutsche und die spanische Kultur kleine, feine Unterschiede, welche Vor,- und Nachteile mit sich bringen. Wenn man hier lebt, nerven einen vielleicht einige typische spanische Verhaltensweisen, so vermisst man aber genau diese, wenn man sich wieder in Deutschland befindet. Somit sollte man doch die Zeit hier sehr zu schätzen wissen und sich an diesen Dingen - die den Unterschied ausmachen - erfreuen!

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