Organspende in Europa: Spanien Spitzenreiter, Deutschland Schlusslicht

28.02.2016 - Meike von Lojewski / Madrid und Barcelona für Deutsche 

Zwei Hände formen ein Herz, dazwischen ein rotes, echtes Liebesherz. Darunter steht “Du fehlst mir”. So wird auf Plakaten für Organspende geworben. Denn sich über die Organ- und Gewebespende Gedanken zu machen, ist nicht selbstverständlich. Dieses Thema bedeutet nämlich auch, sich mit dem Tod und der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Sicher ist dies ein Grund, weshalb die Deutschen so zögerlich damit umgehen.

 

Zwar ist im Jahr 2015 die Zahl der Organspender bundesweit um 1,5 Prozent von 864 im Vorjahr auf 877 leicht angestiegen, doch die Anzahl der gespendeten Organe lag mit 2.900 Organen etwas niedriger als im Vorjahr (2014: 2.989). Insgesamt konnten in Deutschland 3.083 Organe transplantiert werden. Dieses Ergebnis liegt über der Zahl der in Deutschland entnommenen Organe, weil im Rahmen des internationalen Organaustausches über Eurotransplant 183 Organe mehr nach Deutschland vermittelt wurden, als in die benachbarten Länder abgegeben wurden.

 

Deutschland bleibt damit weit abgeschlagen. Auf eine Million Einwohner kommen hierzulande nur 10,8 Spender. Der EU-Schnitt liegt bei 19,5. Und der Organspende-Primus Spanien bringt es auf eine Quote von 39,7 und ist damit Spitzenreiter in Europa. Ein Hauptgrund dafür liegt mit Sicherheit darin, dass in Spanien anders mit dem Thema umgegangen wird als in Deutschland. Während in Deutschland nichts ohne die vorige Einwilligung des Patienten entnommen werden darf, dürfen in Spanien jedem Hirntoten Organe entnommen werden, wenn er oder seine Angehörigen dem zuvor nicht ausdrücklich widersprochen haben.

 

Axel Rahmel, der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), nennt aber auch noch andere Gründe, wie beim tagesspiegel nachzulesen ist: Zum einen gebe es in Deutschland 1.326 Entnahmekliniken, in Spanien 186. Dies ermögliche natürlich eine viel effektivere Arbeit und auch die Erfahrung werde gebündelt. Zum anderen seien die Transplantationsbeauftragten in Deutschland nicht so spezialisiert wie in Spanien, wo die Mediziner extra für diese Arbeit freigestellt würden.

 

“Wir können viel von Spanien lernen”, heißt es bei der Brüsseler EU-Kommission, die europaweit versucht, die Zahl der Organspender zu erhöhen und die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten zu verstärken. Immerhin: Ein Schritt in die richtige Richtung ist, dass die Zahl der Organspendeausweis-Inhaber seit dessen Einführung vor rund 40 Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Hatten 2001 laut Umfragen zwölf Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis, so hat sich die Anzahl seitdem verdoppelt. Heute liegt die Zahl der Ausweisinhaber bei etwa 20 Prozent.

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