HINTERGRUND: Geldanlage zwischen Spanien und Deutschland

06.07.2012 - Philipp Dyckerhoff 

Immer wieder stellen Deutsche, die in Spanien leben, dem Autor die Frage, ob es legal sei, auch Geld in Deutschland anzulegen. Andere wiederum haben ihre Geldanlagen in Deutschland oder anderen Ländern und wissen häufig nicht genau, wie das steuerlich abläuft.

Generell gilt, dass jemand in dem Land mit seinem so genannten Welteinkommen unbeschränkt steuerpflichtig ist, in dem sie/er seinen Lebensmittelpunkt hat. Man kann also – in Spanien lebend – sein Geld in jedem Land der Welt anlegen und muss die Kapitalerträge in der spanischen Steuererklärung deklarieren. So spricht also auch nichts gegen eine Geldanlage z.B. in der Schweiz. Da die Schweiz aber immer wieder als Steueroase gesehen wird, kann es durchaus sein, dass das spanische Finanzamt bei Geldanlagen in der Schweiz besonders genau hinsieht und man gleich als verdächtig gilt. Andererseits ist es so, dass die Schweiz zumindest für EU-Länder bei der anonymen Geldanlage gar keinen „Steuervorteil“ mehr bietet, da mittlerweile bei anonymen Konten pauschal 35 Steuern einbehalten und anonym an das Finanzamt des Wohnsitzlandes abgeführt werden.

Die (Abgeltungs-)Steuer auf Kapitalerträge in Spanien ist geringer und beträgt seit 2012 21 (auf die ersten 6.000€, 25 zwischen 6.000€ und 24.000€ und 27 für Erträge über 24.000€). Sie wird von den Banken gleich an das Finanzamt abgeführt. In Deutschland beträgt die Abgeltungssteuer für Kapitalerträge 25 zzgl. Solidaritätszuschlag (5,5 auf die Steuer) und evtl. Kirchensteuer (8 oder 9 auf die Steuer, je nach Bundesland). Auch diese wird von den Banken gleich an das Finanzamt abgeführt.

Kompliziert wird es leider dadurch, dass unterschiedliche Arten von Kapitalerträgen unterschiedlich behandelt werden, z.B. Dividenden die der Quellensteuer in dem Land unterliegen, in dem sie anfallen. Die Details zur Besteuerung der verschiedenen Formen der Kapitalerträge würden den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Wenn man in Spanien unbeschränkt steuerpflichtig ist, sollte man sich bei seiner Bank in Deutschland als Steuerausländer anmelden. Dann wird z.B. bei Zinseinnahmen keine Abgeltungssteuer an das deutsche Finanzamt abgeführt. Man muss diese Kapitalerträge bei seiner spanischen Steuererklärung angeben.

Zinseinnahmen in Deutschland werden innerhalb der EU von der Bank in Deutschland bei Steuerausländern in vielen Fällen bereits direkt an das spanische Finanzamt gemeldet.

Auch zu Überweisungen wird der Autor immer wieder gefragt, ob bzw. in welcher Höhe sie legal sind. Generell darf man Geld international ohne Probleme überweisen. Seit dem 1.1.2008 besteht eine Meldepflicht für Überweisungen ab 50.000€. Davor bestand die Meldepflicht sogar schon ab 12.500€. Aufpassen sollte man bei Überweisungen insbesondere auch auf die Gebühren, die die spanischen Banken abziehen, teilweise weit mehr als sie laut EU-Regeln dürfen.

Im Übrigen müssen Residente in Spanien – was wohl kaum jemand macht – Auslandskonten anzeigen, und zwar schon die Eröffnung, und danach die Bewegungen darauf. Am 22.6.2012 wurde von der spanischen Regierung nun ein Gesetz zur Vermeidung der Steuerhinterziehung verabschiedet, das die Missachtung dieser Meldepflicht mit drakonischen Strafen ahnt: Mindestens 10.000 Euro Strafe sind vorgesehen. Wie die Umsetzung aussieht, ist noch unklar. Von der neuen Meldepflicht sind sogar Lebensversicherungen betroffen. Problem bei den Lebensversicherungen: die in Deutschland vor dem 1.1.2005 abgeschlossen Lebensversicherungen haben nach deutschem Recht steuerfreie Auszahlungen. In Spanien unterliegen die Erträge solcher Lebensversicherungen aber der normalen Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge. Inwiefern die Besteuerung der deutschen steuerfreien Lebensversicherungen in Spanien EU-konform ist, müsste geprüft werden.

Kommentare (0) :

Artikel kommentieren
Artikel-Archiv
  • 18.02.2021 [Kommentare: 0]

    Meldepflicht für Auslandsvermögen modelo 720 abschließende Klärung durch den EuGH bis Ende 2021?

    Wann wird Spanien endlich in die Schranken gewiesen? Ein Spanier bezeichnete vor Jahren die spanische Administration einmal als „bürgerunfreundlich“. Das kann man wohl sagen, und ganz besonders gilt das für das spanische Finanzamt („Hacienda“). „Hacienda“ hat immer Recht, auch wenn „Hacienda“ nicht Recht hat! Und das passiert leider sehr.. Artikel weiterlesen

  • 03.02.2021 [Kommentare: 0]

    Geht so Europa? Offener Brief an das BMF

    Sehr geehrte Damen und Herren, seit gut 15 Jahren unterstütze ich Deutsche in Spanien und Spanier in Deutschland bei Themen, die mit ihrem Leben „zwischen“ Deutschland und Spanien zu tun haben. Ich selbst habe über 20 Jahre im Ausland gelebt, davon viele Jahre in unterschiedlichen Ländern der EU. Daher verfolge ich auch immer wieder .. Artikel weiterlesen

  • 10.02.2020 [Kommentare: 0]

    Meldepflicht für Auslandsvermögen („modelo 720“) – es scheint sich endlich etwas zu bewegen

    Was war nochmal das „modelo 720“? Wenn in Spanien steuerpflichtige Personen in einer der drei Kategorien (1) Konten (Girokonto, Tagesgeld, etc.), (2) Wertpapiere jeglicher Art, Lebensversicherungen, Unternehmensbeteiligungen, etc. oder (3) Immobilien und Grundstücke jeweils in Summe mehr als 50.000 Euro im Ausland besitze, dann müssen.. Artikel weiterlesen

  • 23.05.2019 [Kommentare: 0]

    Wie bekommt man als Ausländer seinen Borrador auf der Webseite des spanischen Finanzamtes?

    Am 30. Juni ist wieder die Abgabefrist für die Einkommenssteuererklärung in Spanien. Aufschub, wie man ihn aus Deutschland kennt, bekommt man beim spanischen Finanzamt gar nicht – es handelt sich also um einen festen Termin!Um auf den "borrador", also den Entwurf der Steuererklärung, im Internet zugreifen zu können, gibt es.. Artikel weiterlesen

  • 10.04.2019 [Kommentare: 1]

    Die Kunst ein Haus in Katalonien zu kaufen

    Wenn Sie in Katalonien ein Haus kaufen möchten, unterscheiden sich andere Regeln, andere Gesetze und eine andere Unternehmenskultur von der Deutschen. Sie werden in eine Situation mit neuen Konzepten, sprachlichen Barrieren und unterschiedlicher Bürokratie geraten. Lassen Sie sich von der Immobilienagentur Larsson Estate helfen, um den.. Artikel weiterlesen

  • 06.03.2019 [Kommentare: 1]

    Meldepflicht für Auslandsvermögen – das modelo 720 gilt vorerst weiterhin (fast) unverändert

    Alle in Spanien unbeschränkt Steuerpflichtigen (= gewöhnlicher Aufenthalt in Spanien) sollten auch dieses Jahr wieder prüfen, ob sie der Meldepflicht für Auslandsvermögen nachkommen und ihre Vermögenswerte im Ausland in einer gesonderten Steuererklärung (modelo 720) deklarieren müssen. Die Frist für das Jahr 2018 endet am 1. April 2019.. Artikel weiterlesen

  • 04.12.2018 [Kommentare: 0]

    Hintergründe zum Meldegesetz

    Das Thema Anmeldung in Deutschland beschäftigt viele Deutsche, die in Spanien ihren Wohnsitz haben. Viele der Spanien-Deutschen haben sich in Deutschland nie abgemeldet. Was ist richtig, was sind die Konsequenzen, wenn man sich nicht an die Regeln hält? Vor mittlerweile drei Jahren ist in Deutschland ein neues Meldegesetz in Kraft getret.. Artikel weiterlesen

  • 19.09.2018 [Kommentare: 0]

    Die Superreichen in Spanien - in Ziffern

    Die Zahl der Superreichen in Spanien, die ein Vermögen von mehr als 30 Millionen Euro besitzen und Vermögenssteuer zahlen, hat sich in der Zeit zwischen 2006-2016 fast verdreifacht, von 200 auf 579. Das zeigen die letzten Daten des Finanzamts – der Agencia Tributaria. Im letzten Jahr (2016/2017) ist diese Zahl sogar um 5,4% gestiegen, von.. Artikel weiterlesen

  • 13.08.2018 [Kommentare: 1]

    Besteuerung von gesetzlichen Renten zwischen Spanien und Deutschland

    Das (auch schon nicht mehr ganz) neue Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und Spanien, das am 18.10.2012 in Kraft getreten ist, regelt im Artikel 17 die Besteuerung von Ruhegehältern und Renten. Im Gegensatz zum alten DBA von 1968, in dem das Besteuerungsrecht von gesetzlichen Renten einzig und alleine beim Wohnsitzstaa.. Artikel weiterlesen

  • 19.04.2018 [Kommentare: 0]

    Die Auslieferung Puigdemonts im deutschen Recht

    Am 25. März wurde der katalanische Präsident Carles Puigdemont auf der Rückreise von der Universität Helsinki über Belgien von der deutschen Polizei in Schleswig-Holstein festgenommen. Der spanische Centro Nacional de Inteligencia hatte das Bundeskriminalamt informiert, als sich Puigdemont von Finnland auf den Weg machte, und das.. Artikel weiterlesen