Chiquito de la Calzada - Genie des spanischen Humors gestorben

04.12.2017 - Katharina Fahling 

Der spanische Humorist Gregorio Esteban Sánchez Fernández, besser bekannt als Chiquito de la Calzada, starb am 11. November 2017 im Alter von 85 Jahren in seiner Heimatstadt Málaga.

 

1932 in Málaga geboren begann er bereits im Alter von 8 Jahren seine Karriere und zwar zunächst als Flamenco-Tänzer an der Seite bekannter Sänger seiner Zeit. Dabei entstand sein Spitzname „Chiquito“, was übersetzt kleiner Junge bedeutet. Später kam „de la Calzada“ hinzu, was eine Anspielung auf seine Heimat darstellt, da er aus der „Calle de la Calzada“ im Stadtteil Trinidad in Málaga stammt.

 

An seine Auftritte im Fernsehprogramm „Genio y figura“ ab 1994 sollte sich das spanische Publikum noch viele Jahre später erinnern. Eine Besonderheit des Humoristen war sein Sprachstil, seine selbst erfundene, teils unverständliche Sprache, die schon bald von vielen Spaniern imitiert wurde, wie zum Beispiel die Endung „rl“, die er vielen Wörtern anhängte. Einer seiner legendären Sätze lautet: „No puedorl, no puedorl!“ Kinder und Erwachsene schnappten wie er nach Luft als würden sie ersticken und bewegten sich in kleinen Hüpfern über den Boden als würde dieser sie im nächsten Moment verbrennen. All das erreichte der Humorist mit seinen Witzen über Betrunkene oder Personen mit Segelohren durch seine einzigartige Körpersprache und sein erfundenes Vokabular.

 

Dabei sei sein Durchbruch im Nachhinein betrachtet eigentlich purer Zufall gewesen, da Chiquito anfangs kaum von seiner Kunst leben konnte. Bei einem seiner Auftritte als Flamenco-Sänger lernte er seine spätere Frau Pepita kennen, mit der bis zu ihrem Tod im Jahr 2012 zusammen lebte. Um Geld zu verdienen, reiste er nach Japan, wo er auf andere Flamenco-Künstler wie beispielsweise José Mercé traf. Die japanische Kultur mit ihren Gesten, wie zum Beispiel die Verbeugung, faszinierte ihn und inspirierte ihn gleichermaßen. Manche Gesten führe er bei seinen Auftritten nicht vollständig aus, das Ganze wirke mehr wie eine Andeutung oder der Beginn einer Geste, die er sofort abbreche, um sich zurückzuziehen als ob er darüber erstaunt wäre oder sich erschreckt hätte. Chiquito sei wie der Urheber des Erstaunens: Gesten, die wir selbst fast schon mechanisch ausführten, weil wir uns darüber nicht bewusst seien, würden bei ihm wirken als hätte er sie soeben erfunden.

 

Zurück in Málaga wurde er schließlich von einem Produzenten des spanischen Fernsehsenders Antena 3 entdeckt und das obwohl er vom Alter her eigentlich schon kurz vor der Pension gestanden hätte. Abgesehen davon hatte so mancher Kritiker, der ihn loswerden wollte, seine Zweifel daran, ob Chiquito zur jugendlichen Ausstrahlung des Senders passen würde. Doch im Anschluss daran folgten Galas, weitere Fernseh- und Radioprogramme sowie Kinofilme, die Chiquito in ganz Spanien berühmt machten.

 

Er starb nach zwei Krankenhausaufenthalten im Oktober und November am 11.11.2017 in Málaga, doch er hat unauslöschliche Spuren hinterlassen, denn in der Geschichte gibt es nur wenige Personen, denen es gelingt, eine ganze Sprache derartig zu beeinflussen.

 

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