Street Art in Barcelona: Eine Entwicklung mit Höhen und Tiefen

09.09.2017 - Elisabeth Pranter - BfD 

Die einen sehen es als Kunst, die anderen als Vandalismus: Street Art erregt nicht selten die Gemüter. In Barcelona gibt es seit 2006 strenge Richtlinien, die der dort dynamischen Street-Art-Szene einen Dämpfer versetzt haben. Doch nach wie vor sorgen Sprayer dafür, dass das urbane Stadtbild bunt bleibt – wenn auch nicht mehr so bunt, wie es einmal war.

 

Am Anfang war das Graffiti

Doch woher kommt Street Art überhaupt? Die Mutter der Straßenkunst heißt Graffiti: Aus der Hip-Hop-Szene der 80er heraus entwickelten sich spezielle Techniken, sodass aus der Undergroundbewegung schließlich Straßenkünstler hervorgingen. In Fahrt kam die Szene in Barcelona nach den olympischen Sommerspielen 1992: Die Stadt wurde zum kreativen Hotspot, es entfalteten sich die Design- und Modeszene – und parallel die Straßenkunst. Auch, weil es damals noch keine Regulierungen gab. Einen Meilenstein markierte außerdem die Gründung der Firma Montana Colors in Barcelona 1994, die heute weltweit zu den wichtigsten Sprayhändlern zählt.

 

Barcelona – vom Szenenhotspot zur Stadt der Verbote

Anfang der 00er Jahre schließlich durchlebte die Straßenkunstszene in Barcelona ihre Blütezeit – bis im Jänner 2006 eine neue, strikte Regulierung in Kraft trat: Sprayern drohten ab sofort hohe Geldstrafen von bis zu 3000 €. Sogar das Bemalen der Rollläden von Geschäftslokalen – auf Auftrag der Geschäftsinhaber, wohlgemerkt – wurde eingeschränkt: Nur mehr 30 % der Rollläden durften gestaltet werden, ausschließlich mit Motiven, die etwas mit dem Geschäft zu tun hatten.

 

Die Folge: Einige Künstler verschwanden von der Bildfläche, verließen die Stadt oder hörten auf zu malen. Doch das Verbot war nicht das endgültige Ende der Straßenkunst, sie verlagerte sich zunehmend in Vororte, in leerstehende Fabriken oder Hallen, und in Innenräume. Bestehende Kunstwerke allerdings wurden übermalt und verschwanden für immer aus dem Stadtbild.

 

Weg aus der Kriminalität – Revitalisierung

Inzwischen versucht man in Barcelona, einen Mittelweg zu finden: So gibt es an einigen Orten Muros libres, Wände, die legal besprayt werden dürfen. Diese befinden sich größtenteils in der Peripherie, im Stadtzentrum gibt es wenig Platz für die Werke. In der Szene plädieren Künstler wie Gustavo López LaCalle und Aleix Gordo Hostau für mehr Toleranz von Street Art als kreatives Potenzial, das als solches akzeptiert anstatt verboten werden sollte.

 

Verschiedene Gruppen fördern die Szene auf ihre Weise. Urban Arts Barcelona versteht sich als offene Plattform für Straßenkünstler aller Art und vermittelt unter anderem zwischen interessierten Auftraggebern und Künstlern. Das Festival Ús Barcelona findet jährlich in verschiedenen Teilen der Stadt statt, die aufgrund urbaner Entwicklungen ihre Funktion verloren haben und durch die Künstler wiederbelebt werden.

 

Berühmte Street Art Works aus Barcelona

Immer wieder werden Kunstwerke von Straßenkünstlern medial rezipiert: Die Darstellungen des in Barcelona lebenden Künstlers Tvboy etwa sorgen regelmäßig für Aufsehen. So berichteten zahlreiche Tageszeitungen über seine Darstellungen, die „unmögliche Küsse“ zeigen: Etwa zwischen den Fußballstars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo oder den spanischen Politikern Mariano Rajoy und Carles Puigdemont. Obwohl die Werke stets umgehend aus dem Stadtbild entfernt werden, sind sie deswegen nicht verloren: Denn Tvboys Werke reisen als Art Prints von Ausstellung zu Ausstellung – von den Straßen Barcelonas aus in die Welt.

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