HINTERGRUND: Steuererklärung und Familienhilfen

28.07.2008 - Corinna Reiß und Javier Valls 

Wer nach Spanien ziehen will oder hier lebt, wird früher oder später mit der Steuer in Kontakt kommen. Die Art und Weise der Steuerpflichtigkeit richtet sich danach, ob eine Person in Spanien als ansässig gilt. In der Regel wird hier davon ausgegangen, wenn sich jemand mehr als 183 Tage im Kalenderjahr in Spanien aufhält, seinen Lebensmittelpunkt in Spanien hat oder der Ehepartner/in und die Kinder hier leben.

Man wird dann nach dem „Impuesto sobre la Renta de las Personas Físicas” veranlagt und das Welteinkommen unterliegt dem spanischen Staat. Veranlagungszeitraum ist das Kalenderjahr. Bei Ehegatten ist die Wahl zwischen getrennter und gemeinsamer Veranlagung möglich. Ein Einkommenssplitting existiert nicht. Unternehmer und Freiberufler haben vierteljährlich, jeweils zum 20. des auf das Trimester folgenden Monats eine Steuererklärung einzureichen und Vorauszahlungen zu leisten. Generell ist die steuerliche Selbstveranlagung Pflicht (Einreichung der Steuererklärung vom 1. Mai bis zum 30. Juni des Folgejahres), wobei teilweise allerdings die Behörden vorab einen Entwurf übermitteln.

Mehr Informationen

Die Arbeitseinkünfte sowie Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit werden nach einem progressiven Steuersatz versteuert. Kapitaleinkünfte sowie Veräußerungsgewinne werden mit einem einheitlichen Steuersatz von 18 Prozent veranlagt. Zu den abzugsfähigen Aufwendungen zählen nur Sozialversicherungsbeiträge. Es gibt auch einen Angestelltenfreibetrag. Hier sind jedoch die jeweiligen Höchstgrenzen zu beachten. Weitere Aufwendungen wie beispielsweise Fahrtkosten für den Arbeitsweg oder Arbeitsmittel werden grundsätzlich nicht anerkannt.

Geldwerte Vorteile sind grundsätzlich vollständig steuerpflichtig und werden anhand ihrer Kosten für den Arbeitgeber oder ihres Marktpreises bewertet. Versorgungsbezüge, Verwaltungs- und Beiratsbezüge werden als Einkünfte aus nicht selbstständiger Tätigkeit angesehen. Einige Versicherungsbeiträge und Beiträge zu privaten Rentenversicherungen sind bis zu einer bestimmten Höhe abzugsfähig. Behinderte und Personen ab 52 Jahre können höhere Beträge abziehen. Auch Unterhaltszahlungen an Ehegatten und gesetzliche Unterhaltsleistungen sind abzugsfähig.

Die Regelbemessungsgrundlage wird um die persönlichen Freibeträge sowie Familienfreibeträge reduziert. Der Familienfreibetrag ist abhängig von Anzahl, Alter und Einkommen der abhängigen Angehörigen. Für behinderte Arbeitnehmer erhöht sich der Freibetrag je nach Grad der Behinderung entsprechend. Für den Erwerb bzw. im Rahmen der Renovierung des Hauptwohnsitzes und bei Spenden an steuerbegünstigte juristische Personen bzw. Vereinigungen sind Steuergutschriften möglich.

In Deutschland gilt eine Person, die ihren Wohnsitz in Spanien hat, als beschränkt steuerpflichtig – der in Deutschland zu zahlende Steuerbetrag wird teilweise auf die Steuererklärung in Spanien angerechnet. Persönliche Umstände (Hypotheken, Familie, Lebensversicherung, sonstige Kapitalanlagen etc.) werden nur in dem Staat berücksichtigt, in dem die jährliche Steuererklärung abgegeben wird. Damit wirkt sich ein Wohnortwechsel auf die Kapitalanlagen sowie sonstige Investitionen des Arbeitnehmers in Deutschland aus, zumal er nicht mehr von den Begünstigungen des deutschen Steuersystems profitieren kann. Ab diesem Zeitpunkt finden nur noch die Begünstigungen des spanischen Steuersystems Anwendung.

Allerdings gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit, zu wählen, ob man als ansässig oder nichtansässig behandelt werden möchte. Dies ist für den Erhebungszeitraum, in den der Wohnortwechsel fällt sowie für die folgenden fünf Jahre möglich. Bei diesem Modell gilt man offiziell weiterhin in Deutschland als wohnhaft. Die Besteuerung der Kapitalanlagen im Herkunftsstaat wird infolgedessen prinzipiell ungeändert fortgesetzt. Die in Spanien erzielten Kapitaleinkünfte des Arbeitnehmers werden so besteuert wie bei einem nicht in Spanien wohnhaften Arbeitnehmer: 18 Prozent Kapitalertrags- und Vermögenssteuer sowie 24 Prozent für sonstige Einkünfte, einschließlich Arbeitslohn. Die persönlichen Umstände in Spanien werden dann allerdings nicht berücksichtigt, auch sonstige Abgaben (Kranken- und Rentenversicherung) sind nicht abzugsfähig.

Das Modell des „no residente“ kann vor allem für Arbeitnehmer interessant sein, die für einen begrenzten Zeitraum von ihrem Unternehmen ins Ausland versetzt werden. Die Veranlagung als Nichtansässiger ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden: Der Arbeitnehmer darf in den vergangenen zehn Jahren keinen Steuersitz in Spanien gehabt haben, der Wechsel erfolgt aufgrund eines Arbeitsvertrages, der Arbeitnehmer ist in Spanien tätig und es muß eine Frist von sechs Monaten seit der Ankunft eingehalten werden, um bei der Steuerbehörde dieses Sondermodell zu beantragen. Um eine Doppelbesteuerung in verschiedenen Staaten zu verhindern und das für den Einzelfall günstigste Modell zu wählen, ist eine genaue Steuerplanung vorab unabdingbar.

In Spanien gibt es kein Kindergeld wie in Deutschland. Dennoch gibt es verschiedene Hilfen für Familien: Für die Geburt oder Adoption eines Kindes wird eine Einmalzahlung von 2 500 Euro gewährt. Vorraussetzung ist jedoch, dass das leibliche Kind in Spanien zur Welt gekommen ist. Außerdem muss der Antragsteller mindestens seit zwei Jahren offiziell in Spanien leben. Für berufstätige Mütter mit Kindern unter drei Jahren kann eine Steuerermäßigung oder Sonderzahlungen in Höhe von 1 200 Euro jährlich bei den ersten drei Jahren geltend gemacht werden.
Weitere Informationen

In Katalonien gibt es zudem einkommensunabhängige Hilfen für Familien (prestaciones familiares). Dazu gehören Zahlungen von 638 Euro jährlich für jedes Kind bis drei Jahre. Für kinderreiche Familien (ab drei Kindern, bzw. zwei wenn ein Kind behindert ist) erhöht sich dieser Betrag auf 745 Euro und wird zudem bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr bezahlt. Das gilt auch für alleinerziehende Eltern (wobei dieser Begriff sehr streng gefasst wird, d.h. das Kind muss wirtschaftlich voll von dem einen Elternteil abhängig sein). Bei Mehrlingsgeburten und/oder Behinderungen gibt es weitere Hilfen.

Um einen Antrag zu stellen, holt man sich die nötigen Unterlagen beim Ayuntamiento oder aus dem Internet. Diese reicht man ausgefüllt und zusammen mit einer Wohnbestätigung sowie Kopien der NIF/NIE aller Beziehungsberechtigten und der Kinder bei der Generalitat de Catalunya ein. Das gilt allerdings nur für das erste Mal der Antragstellung, in den Folgejahren muss man lediglich bestätigen, dass sich an den Daten nichts geändert hat. In der Regel dauert es sechs Monate, bis das Geld dann rückwirkend ausgezahlt wird.

Anspruch haben auch Kinder, die nicht in Katalonien geboren wurden, aber offiziell mit NIF angemeldet sind und in der entsprechenden Altersbegrenzung liegen. Hat man im ersten Lebensjahr verpasst, den Antrag zu stellen und tut dies erst im zweiten Jahr, hat man lediglich Anspruch auf Geld des aktuellen und folgenden Jahres. Das erste Jahr wird in diesem Fall nicht rückwirkend bezahlt.
Infos und Anträge unter www.gencat.cat

Weiterhin kann man Leistungen für Kinderbetreuung über die Sozialversicherung beantragen. Diese sind jedoch einkommensabhängig. Es werden bis zu 500 Euro jährlich für Kinder unter drei Jahren und 291 Euro jährlich für Kinder unter 18 Jahren gezahlt. Es gibt weitere Leistungen für behinderte Kinder und Mehrlingsgeburten, die im einzelnen unter www.seg-social.es zu finden sind.

Comentarios (0) :

Comentar artículo
Archivo de artículos
  • 18.06.2020 [Comentarios: 0]

    Spanien führt die Grundsicherung ein

    Die Zahl der Hilfesuchenden in Spanien hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen; erst 2008 rutschte Spanien in eine Rezession aufgrund der globalen Finanzkrise und nun wird das Land von der Corona-Krise stark gebeutelt. Die Arbeitslosenquote spricht für sich: Spanien hat mit 19% (Berechnung für dieses Jahr) die zweithöchste.. más

  • 05.03.2015 [Comentarios: 0]

    Alarmierende Zahlen über die Armut in Spanien

    Der vierte Bericht über „Die Lage der Armut in Spanien“ des Europäischen Armutsnetzwerkes (European Anti Poverty Network, EAPN) hat die Ausmaße der weiterhin andauernden Krise des Landes zutage gebracht. Die Zahlen, die Anfang Februar vorgelegt wurden, sind alarmierend: • Jeder vierte erwerbsfähige Spanier ist arbeitslos. • Jeder drit.. más

  • 10.02.2013 [Comentarios: 0]

    TIPP: Eine beeindruckende Initiative:  El Chiringuito de Dios – “Die Imbissbude Gottes”

    El Chiringtio de Dios befindet sich im Zentrum des Ravals, unweit von der neugebauten Filmoteca de la Generalitat entfernt, in der Calle Espalter 2.Der Chiringuito wurde vor ca.16 Jahren von Wolfgang Striebinger als Suppenküche eingerichtet, bald darauf gründete er mit Freunden einen Verein zur Unterstützung der sozialen Ge.. más

  • 18.12.2012 [Comentarios: 0]

    WISSENSWERT: Diez Céntimos para una buena causa

    “Zehn Cent für einen guten Zweck“, so lautet die Übersetzung eine Pilotprojektes, welches nun – nach einem Jahr der akribischen Planung – in die Realität umgesetzt wird. Dass Spanien aktuell sicherlich in allen sozialen Bereichen jeder Hilfe bedarf, steht außer Frage. Nirgendwo spart der Staat .. más

  • 07.03.2011 [Comentarios: 0]

    NEWS: Weniger Sozialversicherungsabgaben

    Der Ministerrat hat am 11.2.2010 ein königliches Dekret-Gesetz genehmigt, um die unbefristete oder befristete Neueinstellung von Personen im Alter von dreißig Jahren oder jünger, die seit mindestens 12 Monaten als arbeitslos registriert sind, zu fördern. Diese Neueinstellungen werden im ersten Jahr mit einer Senkung d.. más

  • 29.12.2009 [Comentarios: 0]

    NUTZWERT: Vergünstigungen für Familien

    In Spanien zählt das Institut für Statistik über eine Million Familien mit drei oder vier Kindern (categoría general) und mit fünf oder mehr Kindern (categoría especial), was mit fünf oder sechs Millionen Personen zwischen 12 und 15 Prozent der Bevölkerung ausmacht.90 Prozent dieser Familien hab.. más

  • 23.01.2008 [Comentarios: 0]

    NUTZWERT: Katalonien tut etwas für Kinder

    Ein dem deutschen Kindergeld vergleichbare Sozialleistung für Familien gibt es in Spanien nicht, aber in Madrid wie auch in Katalonien gibt es zumindest Unterstützung in den ersten Jahren. Jeder, der hier gemeldet ist, also über eine Sozialversicherungs-nummer und eine NIE beziehungsweise NIF verfügt, kann bei der Gene.. más

  • 07.12.2007 [Comentarios: 0]

    HINTERGRUND: CC.OO. exige un acuerdo global para la Ley de Dependencia

    El sindicato denuncia que varias Comunidades Autónomas están regulando el copago de la Dependencia de forma unilateral y con criterios dispares. La Ley obliga a que el Consejo Territorial (Gobierno + CC.AA.) adopten por acuerdo los criterios comunes para todo el Estado en materia de Copago de los usuarios (art. 33) y Acredit.. más

  • 20.09.2007 [Comentarios: 0]

    NEWS: Sindicatos y CES exigen más ayuda a la familia

    El Consejo Económico y Social ha aprobado esta mañana el Dictamen que analiza el Proyecto de Ley por el que se establece la deducción por nacimiento o adopción en el IRPF y la prestación económica de pago único de la Seguridad Social. El Dictamen, que ha contado con la decisiva aportación de CCOO, considera que esta medida se presenta con.. más

  • 06.08.2007 [Comentarios: 0]

    NEWS: Sindicatos no creen que los 2 500 Euros por hijo nacido o adoptado ayudan mucho

    Más allá de procedimiento utilizado para anunciar la medida (debate sobre el estado de la Nación), en opinión de CCOO, la apuesta del Gobierno por la ayuda económica (se tramitará como proyecto de Ley), aunque un tímido paso adelante, no responde a las necesidades reales de las familias, pu.. más