WISSENSWERT: Rekordstadt Barcelona - Handy-Diebstahl-Hauptstadt Europas?

18.01.2014 - Rafael Heberling / Barcelona für Deutsche 

Schwierig zu sagen, weil die Vergleichszahlen fehlen, aber Barcelona hält in dieser Beziehung bedauernswerte Rekorde. Laut Telecinco wird alle 15 Minuten in Barcelona ein Smartphone gestohlen. Nach Angaben der Zeitung „el periodico de Catalunya“ kommen davon etwa 100 pro Tag allein im Innenstadtbereich zur Anzeige.

Ganze Banden und auch Hehler-Ketten wurden in Barcelona ausgehoben. Iphone, Samsung Galaxy und Sony Xperia sind dabei die beliebtesten Modelle. Die „Mossos“ haben in der Woche vor Weihnachten 342 Mobiltelefone in 22 Geschäften sichergestellt, bei denen der Verkäufer jeweils keinen legalen Erwerb nachweisen konnte. Dabei werden die meisten gestohlenen Telefone später im Ausland verkauft. Nur, danach geschieht:… nichts.

Laut „el periodico“ wurden im Dezember im Stadtbereich Süd-Barcelona, einschließlich der Region L‘Hospitalet und Baix Llobregat 3.179 Handy-Diebstahlanzeigen verfolgt und im Bereich Nord (Maresme und Vallés) sogar 3.866 solcher Anzeigen. In den letzten drei Monaten von 2013 wurden demnach 20.488 Diebstähle registriert (und da gibt es noch eine hohe Dunkelziffer), was einem Tagesdurchschnitt von 222 Mobil-Telefon Diebstählen pro Tag (!) in Katalonien entspricht.

Frustration macht sich auch unter den Polizisten breit. Die Guardia Urbana sieht sich schon in der Pflicht auf einer Webseite die Touristen zu warnen und für Barcelona vorzubereiten.
Luis (Name geändert) von der Guardia Urbana erzählt mir: „Wenn‘s dich beruhigt: ich bin auch gerade im September erst bestohlen worden. Einen Moment nicht acht gegeben und mein Rucksack war weg. Mit dem Telefon, dem Portemonnaie, den ganzen Kreditkarten. Der Ärger in Folge war schlimmer als der Verlust.“ – „Die sind sowas von dreist geworden“, spricht er weiter: „wir fahren Streife und sehen auf dem Pg. Isabel in Höhe der Plaza Medianceli wie jemand einer Radfahrerin die Tasche herunter reißen will. Kaum, dass er uns sieht, ergreift er die Flucht, wir sind hinter ihm her und begegnen im Laufe unserer Verfolgung noch 9 anderen Personen, denen in dieser Zone die Mobiltelefone gestohlen wurden. Wir haben den Dieb sogar noch gestellt, ein frisch gestohlenes Handy hatte er bei sich und wir haben ihn festgenommen. Doch dann mussten wir ihn später wieder frei lassen, weil das Telefon ja „gebraucht“ war nicht den Neuwert hat.“ Bekennt Luis kopfschüttelnd.
Damit fällt das Diebesgut unter den Wert von 500 Euro, der gerüchtehalber der Mindestwert sein muss, um den Dieb wegsperren zu können. Eine andere Problematik, die die Polizei frustriert: die Diebe arbeiten zu mehreren Personen. Der Dieb gibt auf der Flucht das Handy schnell unauffällig weiter, der auch wiederum und wenn man sie erwischt, hat keiner mehr was dabei, was eine Verhaftung geradezu unmöglich macht.

Auf der Webseite der Guardia Urbana gibt die Behörde Tipps, wie man am besten die Tasche trägt (über Kreuz, nicht einfach so auf der Schulter z. B.) oder, dass man im Gedränge besonders auf seine Wertsachen achten sollte. Die Menschen kommen hier in Spanien gerne nah, was die Diebe ausnutzen. Lassen Sie also niemanden näher als die Länge Ihres Unterarms an Sie heran. Drängelt an dem Metro-Eingang jemand von hinten, lassen Sie ihm den Vortritt und Busse sind immer wieder gerne besuchte Tatorte: halten Sie Ihre Wertsachen körpernah, vorne und in den Innentaschen, die Fahrkarte locker die ganze Zeit in der Hand anstatt sie wieder in der Geldbörse zu verstauen.

Manche Diebe nutzen auch gerne das Mitleid aus: sie halten beispielsweise ein Baby in einem künstlichen Arm oder etwas zu „unterschreiben“, einen „Bauchladen“ während sie so abgelenkt sind, durchsucht die Hand unter dem vermeintlichen Bündel in Wirklichkeit schon mal geschickt Ihre Taschen. Auch der alte Trick, dass irgendetwas von oben, von einem Balkon aus, auf Sie tropft und dann unten ein paar nette lächelnde Leutchen mit Papiertaschentüchern „zu Hilfe“ eilen, sollte Sie skeptisch machen. Jedenfalls sollte es Sie nicht wundern, wenn ihnen nachher das Telefon oder Portemonnaie fehlt.

Gerade deutschen Touristen muss man hier ins Gewissen reden. Aufgrund unserer Vergangenheit wollen wir besonders aufgeschlossen und auf keinen Fall rassistisch sein. Leider kommen aber überdurchschnittlich viele polizeibekannte Diebe ursprünglich aus Marokko oder Rumänien. Einfache Regel: lassen Sie niemand Unbekannten nahe an sich heran, tragen Sie Wertsachen am Körper, verteilt, und in den vorderen Taschen bzw. in Innentaschen. Tragen Sie die Handtaschen immer über Kreuz und nehmen Sie diese auch nach vorne. Telefonieren Sie auf der Straße nur, wenn es sein muss und dann am besten nur per Kopfhörer. Achten Sie dabei auf junge „Kaputzenträger“ deren vergleichsweise teuren Marken-Sportschuhe schlecht zum Preis der übrigen Garderobe passt. Lassen Sie Wertsachen - besonders ihr Mobiltelefon - nicht vor sich auf dem Tisch liegen! Vor allem nicht in der Außengastronomie.
Barcelona hat so viel Schönes zu bieten, dann muss Ihr Aufenthalt nicht durch solch überflüssige, unangenehme Ereignisse getrübt werden.

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