Das Stehaufmännchen der spanischen Politik: Esperanza Aguirre

23.04.2015 - Meike von Lojewski / Madrid für Deutsche 

Im Mai stehen in Spanien die Regionalwahlen an. Und da plant Esperanza Aguirre von der regierenden Volkspartei Partido Popular (PP) nach einem kurzen Ausflug in der Privatwirtschaft als Headhunterin ihr großes Politik-Comeback. Sie will Bürgermeisterin von Madrid werden und das mit einer klaren Kampfansage: “Ich hoffe, ich erreiche die absolute Mehrheit, die kriege ich schließlich immer.”

Solche oder ähnlich Sprüche ist man in Spanien von Aguirre gewohnt. Seit guten drei Jahrzehnten mischt sie in der Politik mit und hat eine erfolgreiche Laufbahn hinter sich. Unter dem früheren konservativen Premierminister José María Aznar war sie Erziehungsministerin und Senatspräsidentin. 2003 löste sie Ruiz Gallardón als Ministerpräsidenten von Madrid ab und konnte fast zehn Jahre lang dank absoluter Mehrheit nach ihren eigenen Vorstellungen schalten und walten. Überraschend trat sie im September 2012 von diesem Posten zurück. Sicher lag dies auch an den Kritiken, die vorher an ihrer Politik geübt wurden, sie selbst begründete den Schritt allerdings mit “persönlichen Motiven”: Eine Brustkrebserkrankung zwang sie dazu, kürzer zu treten. Diese Krankheit hat die heute 63jährige besiegt.

Überhaupt ist Esperanza Aguirre ein echtes Stehaufmännchen. 2005 überlebte sie einen Hubschrauberabsturz über der Stierkampfarena von Móstoles, mit dem sie auf Wahlkampftour unterwegs war. Auf einer offiziellen Visite in Mumbai im November 2008 überlebte sie einen Terrorangriff auf das Luxushotel “Oberoi”, indem sie sich hinter der Rezeption versteckte und so den Schüssen der islamistischen Terroristen entging. Auch eine Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferte sich die Politikerin bereits. Sie hatte ihr Auto auf einer Busspur abgestellt und wurde daraufhin von den Beamten um ihre Fahrzeugpapiere gebeten. Aguirre fuhr der Polizei kurzerhand davon. Dabei rammte sie zudem das abgestellte Motorrad eines Polizisten. Die wilde Jagd endete erst vor ihrer Haustür. Dennoch hat ein Madrider Richter den Fall kürzlich aufgrund mangelnder Beweise zu den Akten gelegt.

Auch die Ernennung zur Kandidatur für den Bürgermeisterposten geriet zu einer Posse: Premierminister Mariano Rajoy, der sich auf dem Weg nach Guatemala befand, liess Aguirre durch die PP-Generalsekretärin María Dolores Cospedal von diesem Vorhaben informieren. Cospedal allerdings forderte Aguirre offenbar auf, vor ihrer Kandidatur für das Bürgermeisteramt ihren Vorsitz der PP in der Comunidad de Madrid und damit ihre Machtbasis abzugeben. Aguirre weigerte sich vehement und drohte, eher auf die Kandidatur für das Bürgermeisteramt zu verzichten: "Das mache ich erst, wenn ich gewählt bin." So war es Rajoy persönlich, der noch vor seiner Amtsreise Aguirre anrufen musste, um sie für die Kandidatur zu gewinnen.

Egal, wie diese Geschichte im Mai weitergeht - sie hat alle Zutaten, um auch weiterhin spannende Fortsetzungen zu liefern. Esperanza Aguirre ist immer für eine Überraschung gut und überleben tut sie immer.

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