ADVENTS-SERIE: Ohne Turrón geht nichts

03.12.2008 - Julia Macher 

Turrón gehört in Spanien zu Weihnachten wie Trauben zu Sylvester: Die Mandel-Honig-Spezialität darf auf keinem Tisch fehlen. Und natürlich reklamieren viele die Urheberschaft für sich - so auch die Barcelonesen: Der Legende nach war es ein barcelonesischer Konditor namens Miguel oder Pablo Turró, der während des spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) aus der Not eine Tugend machte und aus den einzigen ihm in der belagerten Stadt verbliebenen Zutaten, aus Mandeln, Eiklar und Honig, ein Gebäck kreierte: den nach ihm benannten Turrón. Die Geschichte ist zwar hübsch, aber wie so oft nicht wahr.

Denn der Turrón ist wesentlich älter und ein Stück weiter südwestlich beheimatet, im Land Valencia. Wahrscheinlich waren es die Araber, die die Urform der Knabberei an die Ostküste der iberischen Halbinsel brachten (mehr zur Geschichte hier). Im 16. Jahrhundert hatten Konditoren in Alicante und Jijona bereits zwei Spezialitäten entwickelt, die bis heute feste Begriffe im Weihnachtsvokabular jeder spanischen Familie sind: Beim Turrón de Alicante, dem „harten Turrón“, werden ganze Mandeln mit einer Masse aus Honig und geschlagenem Eiweiß vermischt, in Tafel- oder Tortenform geschnitten und getrocknet. Beim Turrón de Jijona, dem „weichen Turrón“, werden die gerösteten Mandeln erst gemahlen und dann mit den anderen Zutaten zu einer Paste verrührt.

Wer Turrón verschenken möchte, sollte sich unbedingt über Präferenzen erkundigen: An der Frage „duro“ oder „blando“ sind angeblich nicht nur Zähne, sondern schon Freundschaften zerbrochen.

Das Gros der spanienweiten Produktion befindet sich auch heute noch im Land Valencia: Allein im letzten Jahr wurden dort 8 500 Tonnen Mandeln zu 34 Millionen Tafeln Turrón verarbeitet. In Katalonien widmen sich vor allem kleine bis mittlere Familienbetriebe dem Geschäft mit der Weihnachtssüßigkeit und haben dabei eine eigene Handschrift entwickelt: Besonders beliebt ist in der Region der marzipanähnliche „Turró de gema“, bei dem die Mandel-Honig-Masse mit Eigelb zubereitet und Zimt verfeinert wird. Bei der Variante „gema cremada“, „gebranntes Eigelb“, wird die Tafel zusätzlich mit einer dünnen Schicht gebranntem Zucker überzogen.

Manche Turroneros bieten neben dem klassischen Sortiment auch Kreationen des Hauses an: Das Angebot reicht von exotischen Kokos-Zitronen-Experimenten bis hin zu Sahne-Kirsch.

In Madrid steht vor allem das Casa Mira in der Nähe von Sol für guten Turrón (Carrera de San Jerónimo, 30 - Tel.: 91 429 6796).

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