Spanische Oliven und ihr Öl, das flüssige Gold Spaniens

01.03.2021 - Spanien auf Deutsch 

Derzeit ist die Olive die am häufigsten angebaute Obstsorte der Welt. Mit einem Anteil von 60 % an der Produktion in der Europäischen Union und 45 % weltweit, ist Spanien unangefochtener Spitzenreiter und übertrifft die Zahlen seines engsten Konkurrenten Italien um das Doppelte. Spanien ist derzeit der weltweit größte Tafelolivenproduzent und produziert jährlich über 5 Mio. Tonnen Tafeloliven. Auch bei der Olivenöl-Produktion steht Spanien an der Spitze und ist mit etwa  1,23 Mio. Tonnen jährlich der größte Olivenöl-Produzent weltweit.

Vor über 3.000 Jahren brachten die Phönizier den Olivenbaum nach Spanien.

Es gibt in Spanien mehr als 300 Millionen Olivenbäume und ca. 100 Olivenbaumsorten. Die Regionen mit der höchsten Produktion sind Andalusien, Castilla la Mancha, Extremadura, Valencia und Katalonien.

In Spanien ist Andalusien der Haupterzeuger mit 75 % der nationalen Produktion. Die Olivenernte in den Provinzen Sevilla, Córdoba und Málaga stellen  98% der gesamten andalusischen Ernte dar. Die durchschnittliche Menge für Sevilla beträgt im Jahr ca.  375.000 Tonnen, gefolgt von Cordoba mit knapp 80.000 und Málaga mit 65.000.

Gemessen an der Anbaufläche verfügt Andalusien über etwa 95.000 Hektar Olivenhaine für Tafeloliven, hauptsächlich in der Provinz Sevilla, die 83% der Gesamtfläche ausmacht. Málaga und Cordoba machen 8 % bzw. 4 % der Fläche aus.

Was die Sorten betrifft, so ist Hojiblanca mit ca. 54% der Produktion die wichtigste, gefolgt von Manzanilla (36 %) und der Gruppe, die von Gordal und anderen gebildet wird (10 %). Nach Provinzen aufgeschlüsselt, ist die Sorte Hojiblanca in Córdoba und Málaga vorherrschend, während in Sevilla, wo es ebenfalls eine hohe Produktion von Hojiblanca gibt, nach wie vor Manzanilla die Hauptsorte ist.

 

Die bekanntesten Olivensorten

Picual - Anbaugebiet: Granada, Cordoba und Jaén

Sie ist die am meisten verbreitete Sorte in Spanien und in der Welt. Die Frucht ist schnabelförmig (daher der Name) und ist eine der besten Sorten für die Gewinnung von Olivenöl, aufgrund ihres hohen Fettgehalts und ihrer hohen Resistenz gegen Oxidation und hohe Temperaturen beim Kochen.

 

Arbequina - Anbaugebiet: Katalonien und Aragón

Arbequina-Öl hat einen süßen Geschmack, mit einem Hauch von Mandel und Apfel. Es hat eine geringe Oxidationstoleranz, so dass er vorzugsweise roh verzehrt wird, um Salate, Brot und andere Lebensmittel zu würzen.

 

Hojiblanca - Anbaugebiet: Malaga, Cordoba, Granada und Sevilla

Hojiblanca (=weißes Blatt)wird so bezeichnet weil die Blätter des Baumes eine weißliche Farbe haben. Diese Sorte hat die Besonderheit, dass sie sowohl zur Ölgewinnung als auch zum Verzehr verwendet wird. Sie zeichnet sich durch ihren Geschmack und ihr Aroma von frisch geschnittenem Gras, Artischocke und aromatischen Pflanzen aus. Vom Geschmack her süß, mit einer leichten Bitterkeit und finalen Schärfe im Mund.

 

Cornicabra - Anbaugebiet: Toledo, Madrid, Ciudad Real, Badajoz und Cáceres

Sie hat eine gebogene Form und aus ihr kann ein extra natives Olivenöl mit einem sehr fruchtigen Geschmack, einer bitteren Note und einem sehr intensiven Aroma gewonnen werden. Es handelt sich um eine hochwertige Olive, die in trockener und kalter Umgebung angebaut wird. Im Mund sind krautige Noten von Olivenblatt zu erkennen.

 

Royal - Anbaugebiet: Jaén

Diese Sorte ist in der Provinz Jaén beheimatet, wobei der Anbau auf das Gebiet der nördlichen Sierras der Provinz beschränkt ist. Sie hat eine rötliche Farbe und eine längliche Form, mit viel Fruchtfleisch und einem sehr charakteristischen Geschmack.

 

Manzanilla - Anbaugebiet: Sevilla

Manzanilla ist eine sehr beliebte Tafelolive in Andalusien, wo sie in den meisten Bars und Tavernen als Tapa serviert wird. Ihr Erfolg ist so groß, dass sie internationale Anerkennung gefunden hat. Sie zeichnet sich durch Aromen von Gras, Mandel und Feigenbaum aus.

 

Gordal - Anbaugebiet: Sevilla

Dies ist zweifelsohne eine der berühmtesten Olivensorten der Welt. Die sevillanische Gordal wird hauptsächlich als Tafelolive verwendet. Sie zeichnet sich durch ihre große Größe aus, was sie von anderen Sorten unterscheidet. Meist wird sie gewürzt oder mit anderen Elementen wie Gurken und  Zwiebeln gegessen.

 

Qualitätsmerkmale

Momentan gibt es 28 geschützte Herkunftsbezeichnungen D.O.P. (Denominación de Origen Protegida), in denen das Olivenöl aus Oliven hergestellt wird, die in dem anerkannten PDO-Gebiet erzeugt und verarbeitet wurden.

Für Produkte mit der I.G.P.-Bezeichnung (Indicación Geográfica Protegida ) ist es ausreichend, dass nur eine Phase des Herstellungsprozesses in dem in der Bestimmung beschriebenen Gebiet stattfindet.

 

Diese sind die gängigsten und bekanntesten Olivenöl-Güteklassen:

Natives Olivenöl extra, auch Extra Virgen oder nativ extra

Es handelt sich um einen reinen Olivensaft ohne Zusatzstoffe oder Konservierungsmittel, der durch physikalische Verfahren gewonnen wird, ohne Kontakt mit organischen Lösungsmitteln und mit einer Temperatur während der Extraktion, die kleiner oder gleich 35ºC ist. Sein Säuregehalt muss weniger als 0,8 % betragen, erkennbare sensorische Qualitätsmerkmale aufweisen und die gesundheitlichen Eigenschaften bewahren. Man kann sagen, je niedriger der Säuregrad, desto höher die Qualität des Olivenöls.

 

Natives Olivenöl

Es ist der Saft der Olive ohne Zusätze oder Konservierungsstoffe, aber wenn es einen minimalen sensorischen Mangel aufweist, wird es aus der höheren Kategorie "extra" gestrichen und es ist nur noch "nativ". Außerdem kann sein Säuregehalt höher sein als der des "Extra", aber muss immer unter 2 % liegen.

 

 Olivenöl

Dies ist eine Mischung aus raffiniertem Olivenöl mit einem Säuregehalt von mehr als 2 % und nativem oder extra nativem Olivenöl.  Es ist ein Öl, dessen Säuregehalt 1 % nicht überschreiten darf. Es ist eher farbloser und milder im Geschmack  im Vergleich zu den hochwertigeren Ölen.  Es hat einen hohen Rauchpunkt (>210°C)  und wird deshalb meist zum Kochen benutzt. 

 

Oliventresteröl (aceite de orujo):

Es ist die Mischung aus raffiniertem Oliventresteröl und nativem oder extra nativem Olivenöl. Sein Säuregrad darf 1% nicht überschreiten und wird hauptsächlich zum Kochen benutzt.  Rohes Oliventresteröl ist nicht zum Verzehr geeignet.

 

Was in Spanien in vielen Olivenanbaugebieten und bei Händler von Olivenöl angeboten wird, sind „catas de aceite de oliva“, Olivenölverkostungen.  So lernt man sehr gut die Aromenvielfalt des flüssigen Goldes kennen – ein herrlicher Genuss.

Kommentare (0) :

Comentar artículo
Archivo de artículos
  • 10.06.2020 [Comentarios: 0]

    Falken, die Wächter am Himmel von Madrids Flughafen

    An Flughäfen geraten immer wieder Vögel in die Triebwerke der Flugzeuge und können zu gefährlichen Zwischenfällen bei Lande- und Startmanövern führen, im schwersten Fall sogar zu einem Triebwerksausfall. Vogelkolonien in unmittelbarer Nähe der Landebahnen sind ein ernstes Risiko für die Flugsicherheit. Um dieser Bedrohung auf natürliche.. más

  • 28.04.2019 [Comentarios: 0]

    Sommer, Sonne, Sonnenschein - die Solarkraft Spaniens erlebt wieder einen Aufschwung

    Spanien und Sonne – zwei Begriffe, die in unserer Vorstellung unmittelbar zusammen gehören. Dass Solarenergie auf der Halbinsel ein großes Potenzial hat, liegt nahe. In einem Großteil der Halbinsel gibt es um die 300 Sonnentage pro Jahr, im Süden scheint die Sonne zum Teil bis zu 3000 Stunden. Doch wird dieses Potenzial überhaupt genutzt?.. más

  • 15.02.2019 [Comentarios: 0]

    Die 10 schönsten Orte, um die Mandelblüte in Spanien zu erleben

    Nach den Vereinigten Staaten ist Spanien der zweitgrößte Mandelproduzent weltweit. Gerade jetzt, am Anfang des Jahres, blühen die Täler und Wiesen Spaniens in strahlenden Weiß auf. Das Land bietet eine Vielzahl schöner Orte, an denen man das Spektakel der Mandelblüte bewundern kann. Wir möchten ihnen ein paar davon vorstellen. 1. Parqu.. más

  • 05.11.2018 [Comentarios: 0]

    Madrid, Hauptstadt des Lärms

    Ob Baustellen, Verkehrslärm oder Straßenmusik - die Bewohner des Zentrums von Madrid sind tagtäglich einer enormen Geräuschbelastung ausgesetzt. Der nächtliche Lärmpegel der Stadt liegt 27% über der Norm, gemäß der neuesten Daten von 2018 des Gemeinderates von Madrid. Auch tagsüber werden die maximalen Richtwerte der OPCAT (Ordenanza de.. más

  • 23.07.2018 [Comentarios: 0]

    Die rote Koralle, zwischen Raubbau und Erhaltung an der Costa Brava

    Die Rote Koralle, auch Edelkoralle genannt, ist ein Meerjuwel, der auch im Mittelmeer zu finden ist. Weit verbreitete Bestände gibt es an der katalanischen Küste zwischen Begur und der französischen Grenze. Aufgrund ihrer harten und ebenmäßigen Struktur wird sie schon seit Jahrhunderten zu Schmuck verarbeitet, doch ihre Bestände schrumpfe.. más

  • 25.07.2017 [Comentarios: 0]

    INTERVIEW: Der Bio-Konsum in Spanien schnellt in die Höhe

    Nicht nur die Deutschen kaufen gerne Bio, auch in Spanien befindet sich die Bio-Branche in stetem Wachstum. Die spanische Messe für Bio-Produkte und nachhaltigen Konsum heißt BioCultura und wird von dem Verein Vida Sana organisiert. Die Generalsekretärin und Verantwortliche für Aus- und Weiterbildung dieses Vereins Montserrat Escutia.. más

  • 25.07.2017 [Comentarios: 0]

    INTERVIEW: Der Bio-Konsum in Spanien schnellt in die Höhe

    Nicht nur die Deutschen kaufen gerne Bio, auch in Spanien befindet sich die Bio-Branche in stetem Wachstum. Die spanische Messe für Bio-Produkte und nachhaltigen Konsum heißt BioCultura und wird von dem Verein Vida Sana organisiert. Die Generalsekretärin und Verantwortliche für Aus- und Weiterbildung dieses Vereins Montserrat Escutia.. más

  • 31.01.2017 [Comentarios: 0]

    Bäume pflanzen im Bosque de los Ciudadanos

    Lust auf ein wenig Natur als Abwechslung zum täglichen städtischen Trubel in Madrid? Der Park Felipe VI bietet für naturverbundene Hauptstädter nun eine Möglichkeit, die städtischen Grünflächen selbst mitzugestalten. Vom 1. Februar bis zum 30. April 2017 können Einzelpersonen, Familien oder auch größerer Gruppen nach Terminvereinbarung.. más

  • 26.01.2017 [Comentarios: 0]

    Forscher warnen vor Quecksilber-Rückständen in Speisefischen aus dem Mittelmeer

    Fisch hat als wichtiger Bestandteil der mediterranen Küche den Ruf, besonders gesund zu sein. Und doch ist auch bei diesem eigentlich so empfehlenswerten Nahrungsmittel inzwischen Vorsicht geboten. So wiesen Forscher auf einer internationalen Konferenz zur Kindergesundheit in Barcelona darauf hin, dass der Verzehr von Fisch aus dem.. más

  • 31.10.2016 [Comentarios: 0]

    Protokoll für Phasen mit hoher Luftverschmutzung in Madrid

    Aktuell kämpft Madrid wieder einmal mit hoher Luftverschmutzung. Durch das hohe Verkehrsaufkommen, überschritt Madrid in den letzten Jahren regelmäßig die erlaubten Höchstwerte. Seit Februar 2016 ist daher ein neues Protokoll in Kraft, das durch verschiedene Maßnahmen die hohe Kontamination mit Stickstoffdioxid (NO2) in der Hauptstadt.. más