Sprachfehler und andere Fettnäpfchen

14.12.2009 - Dorothee Schmidt - Deutsche Infodienste S.L. 

Spanisch gilt im Gegensatz zu Deutsch als leicht erlernbar, was jedoch nicht heißt, dass man beim Erlernen der spanischen Sprache ganz ohne Fettnäpfchen auskommt. Das Spanische hat so seine Eigenheiten, die es mir als Deutsche doch immer wieder erschweren, eine glanzvolle und vor allem fehlerfreie Konversation mit Spaniern zu führen.

Wenn man allein bei der Aussprache anfängt, sind wir Deutschen klar benachteiligt mit unseren klanglosen Kehlen-„R“. Ich habe ja mal gehört, man sollte das rollende spanische Gaumen-„R“ erlernen können, indem man immer wieder ganz schnell das Wort „Brötchen“ sagt - so schnell, dass man sich fast dabei überschlägt und ein „Brrrrrrrötchen“ heraus kommt.

Ich hab‘s natürlich versucht, gehört jedoch nicht zu den Dingen, die ich weiterempfehlen würde. Aber da man ja als Deutsche auch nicht so schnell aufgibt, bleibt man am Ball oder in diesem Fall am „R“ und sucht andere Möglichkeiten. Irgendwann war ich dann erfolgreich, obwohl ich nicht mehr sagen kann bei welchen meiner vielen Versuche sich nach 1 1/2 Jahren ein sagenhaftes spanisches Doppel-„rr“ eingestellt hat. Dies wurde mir sogar von meinen spanischen Freunden zertifiziert mit dem kleinen Hinweis, dass sich jetzt jedes meiner „R‘s“ (doppelt oder einfach) wie ein toll gerolltes Doppel-„rr“ anhört. Demnach also eindeutig zu stark betont.

Und ich musste feststellen, dass es einfach nicht genügend spanische Wörter mit einem Doppel-“rr“ gibt. Ein Satz wie ¿Pero le has llamado? (Aber hast du ihn angerufen?) hört sich aus meinen Mund jetzt für einen Spanier an wie ¿Perro le has llamado? (Hund, hast du ihn angerufen?). Neben der Aussprache gibt es ja dann noch die Grammatik, die vielen andersartigen Wörter und die Spanier, die einen einfach nicht korrigieren wollen, da sie es als Höchstleistung ansehen, dass man ihre Sprache lernen möchte und der Lernende natürlich nicht demotiviert werden soll. Somit bin ich mir nicht ganz sicher, wie viele Fehler ich schon gemacht habe, ohne es zu bemerken, aber wenn dann wirklich etwas ganz anderes dabei heraus kommt, wird man entweder nett korrigiert oder einfach liebevoll ausgelacht.

Da gibt es zum einen die Wortfindungsprobleme, zum Beispiel, wenn ein Wort nur aufgrund eines falsch ausgesprochenen, hinzugefügten oder weggelassenen Buchstabens gleich eine andere Bedeutung bekommt, kann das sehr schnell zur Verwirrung oder eben auch Belustigung beitragen. Wie zum Beispiel, als ich ganz am Anfang meine ersten Schritte im Spanischen machen wollte und stolz über meine Schwester berichtete, dass sie sehr groß und schlank ist und alles essen kann, was sie will, ohne dicker zu werden, mit dem kleinen Zusatz „quiere pesar más pero no puede“ (Sie würde gerne mehr wiegen, kann aber nicht). Wenn man wie ich damals als Anfänger jedoch einfach einen Buchstaben hinzufügt, wird daraus schnell ein: „quiere pensar más pero no puede“ (Sie würde gerne mehr denken, kann aber nicht).

Genauso wie auf die Frage: Was macht denn der Freund deiner Schwester beruflich? Und man kennt das Wort „Vermesser“ nicht und möchte es in seinem laienhaften Spanisch mit dem Satz „A el le gusta medir“ (Er vermisst gern) umschreiben, sagt jedoch stattdessen „A el le gusta mentir“ (Er lügt gern).

Heute nach 2 Jahren sind meine noch immer auftretenden Sprachfehler natürlich genauso witzig wie damals, nur mit dem Unterschied, dass ich viele meiner Fauxpas auch selbst entdecke und man mich nicht mehr darauf hinweisen muss, was ich gerade schon wieder gesagt habe: „Pasa me el cojón“ anstatt „cojín“.

Ich könnte die Liste unzählig weiterführen, da Fettnäpfchen sozusagen zu meiner Leidenschaft geworden sind, jedoch würde ich mich viel mehr über NEUE Anekdoten freuen. Damit ich mich nicht nur über mich selbst amüsieren muss, wäre es super, wenn ich im Kommentarbereich ähnliche Beispiele zu lesen bekomme.

Kommentare (2) :

Kommentar von Jürgen Beisswenger 15.12.2009

Kommentar von Gabi 25.12.2009

Comentar el Blog
Archivo del Blog
  • 26.04.2019 [Comentarios: 1]

    Spanien bringt mich in Versuchung

    Schon seit fast einem Jahr bin ich zur vegetarischen Ernährung übergegangen, aus ethischen und ökologischen Gründen. Das heißt, ich versuche es zumindest. Mir war schon bewusst, dass es in Spanien etwas schwieriger werden würde – aber, dass ich so.. Reenviar Blog

  • 04.02.2019 [Comentarios: 0]

    Die Chinos – eine Welt für sich

    Als ich neulich mit einer Freundin von Zuhause telefonierte, erwähnte ich beiläufig den Chino in meiner Straße. “Chino?” fragte sie. Ach ja – die Chinos haben wir ja in Deutschland gar nicht. Doch wie beschreibt man dieses “Phänomen” am besten? Die.. Reenviar Blog

  • 14.01.2019 [Comentarios: 0]

    Es ist nie zu spät!

    Immer wieder die gleiche Diskussion: “¡A las 7 de la tarde no se cena!” – Um sieben Uhr nachmittags isst man noch kein Abendessen! “Ich hab aber jetzt schon Hunger!” “¡Es porque has comido hace horas!” - Du hast ja auch schon vor ‘ner Ewigkeit .. Reenviar Blog

  • 08.08.2018 [Comentarios: 0]

    Im deutschen Exil – ganz scharf

    Manchmal lebt unsere Familie ja das deutsch-spanische Kauderwelsch. In sämtlichen Belangen. Sei es, dass der Nachwuchs sprachlich spanische Dörfer für mich auffährt: Papa, kannst Du mir endlich die Kuchenfarben bringen?? Was, wie?! [Papa sucht.. Reenviar Blog

  • 04.07.2018 [Comentarios: 0]

    Von der WM zur Ahnenforschung

    Nach dem Ausscheiden der deutschen und nun der spanischen Nationalmannschaft wird es natürlich für unsere deutsch-spanische Familie ganz schwierig mit dem Weiterfiebern. Doch die Jungs halten ganz gut mit. Zu EM 2016-Zeiten nach dem Aus der Deutschen.. Reenviar Blog

  • 27.11.2017 [Comentarios: 0]

    Rosamunde Pilcher im spanischen Fernsehen

    Als ich einmal an einem Nachmittag am Wochenende wahllos durch das spanische Fernsehprogramm zappe, werde ich plötzlich stutzig: Sind das nicht deutsche Schauspieler da auf dem Bildschirm? Heißt das etwa, dass ich mir gute deutsche Filme im.. Reenviar Blog

  • 16.10.2017 [Comentarios: 0]

    Pendeln im Fernzug

    Es ist 06:42 Uhr und der Fernzug AVANT setzt seine Fahrt in Richtung Madrid nach einem kurzen Aufenthalt in Ciudad Real fort. Er ist fast komplett ausgebucht, aber von Chaos bei der Sitzplatzsuche keine Spur. „Wie praktisch! Ich muss ja gar nicht um.. Reenviar Blog

  • 15.09.2017 [Comentarios: 0]

    Mi casa es tu casa

    Man sagt den Spaniern ja vieles nach: Sie seien unpünktlich, immer am Feiern und ohne die Siesta ginge gar nichts. Doch auch von der spanischen Herzlichkeit und Gastfreundschaft hört man oft – oder erlebt sie, so wie ich, am eigenen Leib. Es waren.. Reenviar Blog

  • 23.08.2017 [Comentarios: 0]

    17.August ’17, 17 Uhr: Das Attentat

    auf dem Bild sind wir noch vollkommen unbeschwert. Machen „Mittagspause“. Es ist der letzte Ferientag für Theres und Kati. Kati sucht noch Schuhe für ihre neuen Showkostüme. Der Hunger hat uns aus den Schuhgeschäften der Fußgängerzonen herüber auf.. Reenviar Blog

  • 15.07.2017 [Comentarios: 0]

    Regionale Stereotypen und (süd)spanischer Humor

    Kürzlich schaute ich mir auf meiner ALSA-Busfahrt von Granada nach Madrid die spanische Komödie „Ocho apellidos vascos” an. Ich hatte schon oft von Spaniern gehört, dass sie echt witzig sei und so nutzte nun die Gelegenheit, dass sie bei der.. Reenviar Blog