Wenn man keine Ahnung hat, besser ruhig sein!

04.09.2008 - Carsten Nitschke - Country Sales Manager Iberia, Internet Security Systems 

Dieser gute alte Spruch wird leider immer seltener befolgt. Mich hat es stark erschüttert, was man alles hören musste nach dem tragischem Unfall von Spanair auf dem Flughafen Barajas. Sofort gab es tausende von Meinungen, die in vielen, wenn nicht gar den meisten Fällen, mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Es ist tragisch zu sehen, wie besonders auch Politiker, die einen Kurs im "so sollte man es nicht machen" belegt haben, genau die gleichen Fehler begehen.

So hat es mich gewundert, wie der Innenminister sagen konnte, dass man in 48 Stunden alle Leichen identifiziert haben will. Haben wir das nicht schon beim Absturz der Yak 42 gelernt, dass unter Umständen eine Identifizierung nicht möglich ist??? Wie kann man den Familien diese Hoffnung machen und danach einfach schweigen und so tun, als ob Spanair daran schuld wäre, dass man den Zeitrahmen nicht einhält. Die Identifizierung der Leichen ist Angelegenheit des Staates und nicht von Spanair....

Auch Spanair hat sicherlich nicht gut reagiert in diesem grausamen Unfall. Den Familien mit Statistik zu kommen, wenn sie nichts anderes im Kopf haben als Ihre Angehörigen zu beerdigen, macht nicht nur keinen Sinn, sondern ist auch kalt und geschmacklos. Ob Spanair an dem Unfall schuld ist oder nicht, wird  vielleicht nie geklärt werden können. Es ist aber traurig zu sehen, dass man auch hier nicht von Beispielen lernen will wie z.B.  der Fall Swissair, der gezeigt hat, dass es auch anders geht. Dort hat die Gesellschaft sofort reagiert und alle Hilfen den Familien zur Verfügung gestellt. Als man den Verdacht hatte, dass das Entertainment-System den Absturz mitverursacht hat, wurde es sofort ausgebaut und man untersuchte die Hintergründe. Es wurde nicht mit Halbwahrheiten gearbeitet wie es hier der Fall ist.

Da kommt die Ministra de Fomento und sagt, Spanair habe in Erwägung gezogen, den Flieger zu wechseln. Jeder der ein wenig mit Fliegerei zu tun hat, weiß, dass dies Standard ist, wenn ein Flieger ein technisches Problem hat. Es ist allerdings der Pilot, der die letzte Entscheidung fällt. Sollte da mal schnell ein Schuldiger gefunden werden, um zu Vertuschen, dass die Sicherheitskontrollen, die wiederum Fomento unterliegen, nicht gerade die besten sind??? Interessant ist auch, dass das Comunique von den Spanair-SEPLA-Piloten, das auf dem Web der SEPLA publiziert wurde, nach dem Absturz wieder vom Web genommen wurde. Besonders verwundert hat mich, dass eine Gewerkschaft wie SEPLA, die es an Weihnachten, Ostern und zu den Sommerferien immer wieder schafft zu streiken (für mehr Geld und mehr Leistungen und logischerweise nicht mehr Arbeit) so schwere Vorwürfe macht wie, dass die Sicherheit der Passiegere in Gefahr ist, aber nicht dafür streikt.

Frage: Ist die Sicherheit wirklich in Gefahr? Ich hoffe sehr, dass darauf noch eine  Antwort geliefert wird. Nach dem Absturz wüteten viele über die Tatsache, dass der Jet 15 Jahre alt war. Das ist für ein Flugzeug, das gut gewartet wird, kein Alter, aber wurde auch als Argument genutzt, um den Absturz zu rechtfertigen. Ich hoffe sehr, für die Familien und uns alle, dass nun etwas mehr Ruhe einkehrt und dass man sich darum sorgt herauszufinden, was wirklich passiert, damit wir alle in Zukunft sicherer fliegen können. Dies sollte keine Diskussion sein um zu sagen: Low-Cost = High Risk, denn das ist sicherlich so nicht richtig. Wie schon gesagt, nun sollten wirkliche Experten sprechen, aber vor allem mit Fakten in der Hand und nicht nur Meinungen.

Kommentare (1) :

Kommentar von Clementine 05.09.2008

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