Mischung von Kulturen, offene Kritik und gegenseitiger Respekt

03.01.2008 - Carsten Nitschke - Country Sales Manager Iberia, Internet Security Systems 

Vor kurzem gab es einen Beitrag auf dem Blog von Stefanie mit dem Titel "Iberia wann wirst Du endlich besser". Schön war für mich zu sehen, dass dieser Beitrag doch mehr als nur einen Besucher dazu veranlasst hat seine Meinung zu äußern. Der Beitrag, den Stefanie danach eingestellt hat mit der spanischen Cafeteria, hat bei mir eine leichte Nostalgie hervorgerufen. Vor ca. 2 Jahren lief ein sehr guter spanischer Film, ich glaube er hieß "Un Franco 14 Pesetas". 

Es ging dabei um eine spanische Familie, die in den 60'ger Jahren in die Schweiz ausgewandert ist. Dort wurde sie zwar gut aufgenommen aber irgendwann rief einfach wieder die Heimat. Wieder in Madrid fühlten sie sich auch dort nicht mehr richtig zu Hause. Ein wirklich schöner Film, den ich nur empfehlen kann. Der Satz "Al final no somos de ninguna parte" ist sehr an mir hängen geblieben. Ich lebe seit 1995 in Spanien, meine Mutter ist Spanierin und für mich ist Madrid mein zu Hause, daran gibt es keinen Zweifel. Wenn ich zu Besuch in Bremen bin, komme ich mir immer ein wenig fremd vor und komme gerne in Versuchung die "engstirnigen Deutschen" zu verfluchen. Auf der anderen Seite fehlt mir auch immer wieder in Spanien genau das, was ich an den Deutschen so sehr kritisieren kann. Oftmals sind es nur kleine Dinge aber sind es nicht immer die Details, die es letztlich ausmachen? Die Diskussion um Iberia auf dem Blog ist sehr interessant, denn genau dort haben sich die kulturellen Unterschiede doch stark ausgezeichnet. 

Während die Meisten Ihrem Unmut über Iberia Luft gemacht haben, gab es einen Leser, der sich dabei angegriffen fühlte. Ich bin immer noch der Meinung, dass die Kritik mehr als nur gerechtfertigt ist und dass ein jedes Unternehmen sich freuen sollte wenn Kunden sich beschweren, weil dies immer eine Möglichkeit darstellt, einen Kunden zu halten und gewisse Fehler auszubessern. Allerdings ist genau dieser Punkt einer der mir in Spanien immer mehr fehlt. Oftmals habe ich den Eindruck, dass Kritik im Allgemeinen und als solches auch nicht so stark geübt wird aber auch nicht gerne gesehen wird. Beispiele gibt es dafür eine Menge angefangen von Tempolimit, Mülltrennung.... Immer wenn ein Kommentar in Sachen Regeln fällt etc. gibt es gerne mal einen Kommentar, dass es hier ja nicht wie in Deutschland ist und damit sollte dann auch die Diskussion zu Ende sein. Schade eigentlich, denn das Interessante an einer Mischung von Kulturen ist ja, dass wir alle von einander lernen können. Nicht nur die Spanier von den Deutschen sondern auch umgekehrt und auf jeden Fall auch im gleichen Maße. Für ein gutes und gesundes Zusammenleben ist es ein Muss, dass beide Seite dazu bereit sind, von einander zu lernen. 

Ich habe bis heute in Spanien keinerlei Probleme gehabt, dazu gibt es noch nicht einmal Ausnahmen, was sicherlich stark für die Gastfreundschaft in Spanien spricht. Spanien ist die Wahlheimat von mir und scheinbar von einer guten Anzahl von Deutschen, wie es dieses Portal beweißt. Das Gefühl "de ninguna parte zu sein" wird vielleicht nie ganz verschwinden aber auf jeden Fall freue ich mich jeden Morgen erneut wenn ich aufwache und weiß, dass Madrid mich erwartet. Al final 1 Euro es 1 Euro

Kommentare (8) :

Kommentar von Marc Hegger 06.01.2008

Kommentar von Jana 07.01.2008

Kommentar von Isabel 08.01.2008

Kommentar von Carstne 09.01.2008

Kommentar von Daniel 10.01.2008

Kommentar von Beatriz 10.01.2008

Kommentar von Manuela 03.02.2008

Kommentar von Karin 27.10.2013

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