Braucht Madrid einen Bürgermeister wie Giuliani?

12.09.2007 - Carsten Nitschke - Country Sales Manager Iberia, Internet Security Systems 

Vor kurzem habe ich auf www.elmundo.es einen Blog Beitrag gelesen, in dem sich ein Leser über die Listos im Carril Bus-Vao auf der A6 erregt. Interessanter als der eigentliche Beitrag sind für mich die Kommentare, die andere Leser schreiben. Es ist schon sehr kurios wie in Spanien immer sofort aus allem ein Klassenkampf gemacht wird und mehr noch wie sofort von Derechas / Izquierdas gesprochen wird. Kurze Zusammenfassung des Beitrages: Die Busspur auf der A6 ist wochentags für Fahrzeuge mit mindestens 2 Passagieren oder Motorräder reserviert. 

Es gibt aber immer wieder ein paar, die gerne auch den Stau alleine umfahren, was relativ oft mit einer Multa der Guardia Civil bestraft wird. Für mich steht hier im Hintergrund eine ganz andere Frage als Derechas / Izquierdas oder Ricos y Pobres wie es viele Kommentaristen schrieben. Für mich steht Spanien immer noch unter einem Post-Franco-Syndrom, in dem alles, was mit der Einhaltung von Regeln und Normen zu tun hat, einen negativen Hintergrund trägt. Sprich, es ist absolut in Ordnung, in der 2. Reihe, auf dem Zebrastreifen oder auf Behindertenparkplätzen zu parken, Strafzettel sind da ungerecht. Rote Ampel hat ja keiner gesehen....

In Madrid kann immer noch jeder mehr oder weniger tun und lassen, was er will und Strafen sind mehr die Ausnahme als die Regel. Die Polizei weiß genau, wer die Taschendiebe in der Metro und Puerta del Sol sind, kann / will aber nichts unternehmen. Im Retiro kann man an jeder Ecke vor den Augen der Polizei Drogen erstehen. An der Castellana bringt es schon nichts mehr, die Türen im Auto zu schliessen, denn es wird einfach die Scheibe eingeschlagen und weg ist die Handtasche. Auch diese Diebe sind bekannt. Unternommen wird nichts. Madrid erinnert mich immer mehr an New York, auch wenn beide Städte sicherlich grundsätzlich verschieden sind. Ich war das erste mal 1986 in New York und die Stadt war schmutzig und es gab eine Menge Orte, die nicht gerade Sicherheit vermittelten. 

New York wählte in den 90ern Giuliani zum Bürgermeister, der mit "0 Tolerance" die Stadt komplett umgekrempelt hat. Dies nicht nur in Hinsicht auf den Verkehr, sondern auf alle anderen Aspekte der Sicherheit. Schade, Madrid könnte eine wesentlich schönere Stadt für alle sein, wenn nur die Regierung endlich mal für Recht und Ordnung sorgen würde. Sicherlich trägt das Chaos auch zum Charme von Madrid bei, aber alles hat seine Grenzen und es sollte wirklich nicht sein, dass ein paar die Stadt für alle in Schach halten. Mir ist es egal, ob diese paar Fussballer von Realmadrid sind, ZP und seine Genossen in den dicken Panzerautos oder die "Reichen" aus dem Norden. Regeln sind für alle da und es täte Spanien gut, dies auch mehr und mehr als Grundsatz aufzufassen und nicht nur als Text in einem Gesetzbuch. Auf meine Frage braucht Madrid einen Bürgermeister wie Giuliani? Ich meine Ja, Gallardon macht einen guten Job, aber ein wenig mehr push wäre wünschenswert.

Kommentare (4) :

Kommentar von Quiroga 13.09.2007

Kommentar von Alexandra 14.09.2007

Kommentar von Stefanie 15.09.2007

Kommentar von Nightrider 04.10.2007

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