Bitte mehr Respekt vor anderen Sprachen!

10.04.2008 - Stefanie Claudia Müller - scm-communication 

Leider muss ich mich jetzt doch mal wieder aufregen. Die Spanier sind ja ganz furchtbar lieb, aber ihre Sprache und Ausdrucksweise treiben mich noch mal in den Wahnsinn. Ich habe Kinder, die in einer zweisprachigen Welt mit Englisch und Französisch als Fremdsprache groß werden. Sie haben deswegen schon genug Probleme (lío) mit Sprachenwirrwarr, Rechtschreibung und Ausdrucksweise, lernen in der spanischen Welt besonders viele Schimpf- und Umgangswörter, die wie selbstverständlich in den normalen Wortschatz aufgenommen werden. Tío, chaval, culo und jolín, manchmal auch joder, gehören für sie dazu. Noch gehen sie in eine spanische Schule, wo leider trotz vieler Vorteile, wenig Wert auf die Sprache, vor allem auf die richtige Aussprache von fremden Begriffen gelegt wird und auch alle möglichen ausländischen Namen einfach hispanisiert werden. 

Wenn aus Charles nicht gleich Carlos gemacht wird wie beim Prince of Wales, dann wird es so komisch ausgeprochen, dass man dann als Ausländer ebenfalls nicht weiß, um wen es sich eigentlich handelt. Ist mir beim Tod von Charlton Heston passiert. “Scharltohn Hestoon ist tot”, hieß es im Radio. Ich brauchte einige Zeit, bis ich verstand, wer gemeint war. Das Schlimme ist, dass meine Kinder diese Grausamkeiten an anderen Sprachen und Namen von lebenden und toten Menschen auch noch vor mir wiederholen und ich mich teilweise gezwungen sehe, ebenfalls in die verspanischten Floskeln zu fallen, damit meine spanischen Freunde mich überhaupt verstehen (und leider auch meine Kinder...das tut weh..). Ins "Spanische" verfalle ich oft, wenn ich mit Spaniern von Menschen spreche, die nicht in ihrem Land wohnen, zum Beispiel “la Reina Isabel...”, so heißt hier die englische Queen...Wer noch nicht hier war, der weiß es jetzt. 

Nicht nur meine englische Freundin Barbara stört es, dass hier keiner Queen Elisabeth sagen kann, wie die inzwischen alte Dame nun mal heißt. “Isabel ist auch ein englischer Name, da weiß man einfach nicht, wer gemeint ist. Wir empfinden das als falsch”, sagt Barbara. Recht hat sie. Wenn man Englisch jedoch einigermaßen korrekt ausspricht in diesem Land, hat man den Eindruck, die Leute denken, man wolle sich aufspielen und schauen einen auch noch schief an. Deswegen gehe ich schon immer mehr dazu über hier anders Englisch zu sprechen als in Deutschland. Leider werde ich auch in dieser Hinsicht immer spanischer... Das geht so weit, dass ich heute morgen auf der SIMA - Immobilienmesse in Madrid - das Unternehmen "warmup" nicht als englisches  "Warm up" erkannte, sondern zu meiner spanisch-deutschen Kollegin allen Ernstes meinte: "Schau mal wahrmub hört sich irgenwie deutsch an."  
 
Und etwas mehr Respekt bitte vor der orthografischen Veränderung von Namen lebender und toter Personen! Ihr könnt doch nicht einfach aus Anne Frank, Ana Frank machen, nur weil bei Euch Ana mit einem "n" geschrieben wird und ihr aus dem ersten Musical über ihre Geschichte, das ihr erfunden habt, einen hispanischen Schlager machen wollt. Das Mädchen war eine Deutsche und hieß Anne. Sie würde sich unter Umständen im Grabe rumdrehen....Und inzwischen müßten spanische Journalisten doch wissen, dass es Merkel und nicht Merckel heißt, Schroeder und nicht Shroeder etc.etc.

Diese allgemeine Sprach"losigkeit" in Spanien führt auch zu Konflikten in vielen binationalen Haushalten hier. Natürlich auch wegen der vielen Schimpf- oder Umgangswörter, die man von spanischer Seite der "besseren" deutschen Hälfte gerne im Vorbeigehen, meist auch noch als Liebkosung gemeint, an den Kopf wirft. Aber auch im Umgang mit den binationalen Kindern gibt es Probleme. Immer wieder Ärger gibt es bei uns zuhause zum Beispiel, wenn ich mit meinem Sohn Englisch übe und er dann steif und fest behauptet, es heiße Maaahhpppp und nicht mäpp oder mumm statt mamm. Ich habe der Lehrerin schon gesagt, eine Spanierin natürlich, weil Muttersprachler wahrscheinlich zu teuer sind...., dass es nichts bringt, wenn die Kinder an spanischen Schulen früher Englisch lernen als anderswo, sie aber wegen der schlechten Aussprache niemand versteht. 

Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, es ist nicht leicht, diese falsche Aussprache wieder rauszukriegen, wenn sie schon ab vier Jahren eingetrichtert wird. Ich schaffe es nur, in dem ich meine Kinder massiv viel englische Musik hören lasse und sie auch Filme in Englisch schauen und wir viel ins Ausland reisen.  Apropo. Warum ist es so schwer, New York zu sagen? So heißt die Stadt doch nun mal. Demnächst erzählen mir meine Kinder noch, dass Nueva York zu Spanien gehört, weil es ja so spanisch klingt...Bitte laßt es nicht so weit kommen! Wir sagen doch auch Miguel de Cervantes und nicht Michael von Cervantes....und König Juan Carlos und nicht Johannes Karl...Ist nicht böse gemeint, aber das nervt...

Kommentare (22) :

Kommentar von Barbara 10.04.2008

Kommentar von Carsten 10.04.2008

Kommentar von Manuela 10.04.2008

Kommentar von stefanie 11.04.2008

Kommentar von Charles Spencer 11.04.2008

Kommentar von Isabel 13.04.2008

Kommentar von stefanie 13.04.2008

Kommentar von Isabel 13.04.2008

Kommentar von stefanie 13.04.2008

Kommentar von Volker 14.04.2008

Kommentar von daniel 15.04.2008

Kommentar von Volker 15.04.2008

Kommentar von Heike 15.04.2008

Kommentar von charlie 15.04.2008

Kommentar von Ralf 15.04.2008

Kommentar von Isabel 15.04.2008

Kommentar von Martin Neumann 15.04.2008

Kommentar von Ute 16.04.2008

Kommentar von Volker 17.04.2008

Kommentar von Elke 30.04.2008

Kommentar von uwe 13.06.2008

Kommentar von ezmxlghnw 17.09.2011

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