Friedhöfe in Barcelona: ein düsterer Zauber

20.10.2017 - Elisabeth Pranter - BfD 

Die Friedhöfe von Barcelona strahlen ihren ganz eigenen Charme aus und sind weit mehr als gruselig: Neben der Kunst, die sich in Form von Statuen und Monumenten auf den Friedhöfen befindet, sind mittlerweile auch die Friedhöfe selbst zu Teilen von Literatur und Film geworden. Die berühmtesten der neun Friedhöfe sind der Cementerio Poblenou und der Cementerio Montjuïc, der am Hausberg der Küstenstadt gelegen ist.

 

Der Tod, in Stein gemeißelt

Die Friedhöfe Barcelonas bergen einen wahren Kunstschatz: Denn viele Gräber und Gruften werden von im 19. und 20. Jahrhundert gestalteten Skulpturen geschmückt. Sehenswert ist etwa am Cementerio de Montjuïc die Grabstätte von Francesc Farreras Framis, wo auf dem Sarkophag ein Skelett ruht, eingewickelt in eine Decke, die nur Schädel und Hände freilässt – eine extrem realistische Darstellung komplett aus Marmor. Weitere außergewöhnliche Blickfänge am Friedhof Montjuïc stellen ein keltisches Kreuz über einem Gemeinschaftsgrab und ein imposantes neoklassizistisches Pantheon dar. Nachdenklich stimmt die Statue eines Jünglings, der mit einer Spitzhacke gerade dabei ist, sein eigenes Grab auszuheben.

 

Am Cementerio de Poblenou gibt es den berühmten „Besa de la Muerte“, also den Todeskuss, zu sehen: Der Tod, dargestellt als Skelett mit Flügeln, gibt einem Jüngling den Todeskuss. Ein ähnliches Szenario, wenn auch weniger düster, stellt eine Fabiani-Skulptur dar: Ein Engel nimmt eine Frauengestalt, die Seele des Verstorbenen, mit sich nach oben.

 

Friedhöfe als Schauplätze und Inspiration

Schon so manchen Künstler inspirierten die Friedhöfe Barcelonas, so den berühmten Schriftsteller Carlos Ruiz Záfon. Der „Friedhof der vergessenen Bücher“ ist zwar Fiktion, doch in seinem Buch „Marina“ etwa spielt der Friedhof Sarrià eine wichtige Rolle, der sich tatsächlich im gleichnamigen Viertel der katalanischen Hauptstadt befindet. Der Friedhof liegt gut versteckt zwischen modernen Gebäuden über der Via Augusta.

 

Hans Christian Andersen hielt seinen Eindruck vom Friedhof Poblenou fest, den er 1862 besuchte, als er ein paar Tage in Barcelona verbrachte. Er beschreibt in seinem Buch „Reise durch Spanien“, wie er an einem Sonntagnachmittag durch den Friedhof spaziert, vorbei an den Grabnischen, in denen, wie er schreibt, Familien Seite an Seite ruhen wie stumme Nachbarn.

 

Auch als Filmschauplätze dienen die Friedhöfe Barcelonas immer wieder. So etwa in dem erfolgreichen Streifen „Todo sobre mi madre“ – „Alles über meine Mutter“ – von dem spanischen Kultregisseur Pedro Almodovar: Am Friedhof Montjuïc finden die bewegenden Abschlussszenen inklusive eines Begräbnisses statt. In dem neueren Film „Biutiful“ kommt der weniger bekannte Cementerio de Sants vor – wenn auch in einer sehr viel düsteren Aufmachung, als er in der Realität aussieht.

 

Touren bei Tag und Nacht

Für alle, die jetzt mit dem Gedanken spielen, den Friedhöfen Barcelonas einen Besuch abzustatten: Die Friedhofsverwaltung von Barcelona bietet kostenlos geführte Touren (http://www.cbsa.cat/rutas-culturales/?lang=es) über die Friedhöfe Poblenou, Montjuïc und Les Corts an. Und das Tag und Nacht: Wer sich also nicht gruselt, hat die Möglichkeit, den Cementerio Poblenou zu Allerheiligen und den Cementerio Montjuïc zu Frühlingsbeginn nach Einbruch der Dunkelheit kennenzulernen. Ausschließlich tagsüber kann man hingegen an einer Tour am Cementerio Les Corts teilnehmen, die jeden ersten Samstag im Monat stattfindet.

 

Am Cementerio Montjuïc gibt es gleich mehrere Routen zur Auswahl: Während bei der künstlerischen auf die architektonischen Besonderheiten einiger Grabmäler eingegangen wird, stehen bei der historischen Führung die hier bestatteten Persönlichkeiten im Fokus. Wer einen Gesamteindruck bekommen möchte, wählt am besten die dritte Variante, bei der auf beide Aspekte eingegangen wird. Zusätzlich wird jeden ersten Samstag im Monat die Gedenkstätte El Fossar de la Pedrera vorgestellt, wo Opfer des Bürgerkriegs und der Franco-Repressalien ruhen.

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