NUTZWERT: Arbeiten in Deutschland statt Krise

28.11.2012 - Helga Joosten / Direktorin EspAl Stuttgart 

Die Arbeitslosigkeit in den südeuropäischen Staaten steigt, während die Arbeitssituation in Deutschland rosig aussieht. Vor allem das Bundesland Baden-Württemberg hat zurzeit eine Arbeitslosenquote von nur 3,7, Lehrstellen bleiben unbesetzt und Fachkräfte in den Bereichen Industrie und Technik, Pflege und Erziehung werden dringend gesucht. In den Krisenstaaten allen voran Spanien sieht sich eine ganze Generation von jungen gut ausgebildeten Menschen um ihre berufliche Zukunft betrogen. Auf der Flucht vor der Arbeitslosigkeit kommen sie auch nach Baden-Württemberg.

Viele heimische Unternehmen klagen über zunehmenden Fachkräftemangel. Junge gut ausgebildete Spanier mit Deutschkenntnissen könnten diesen Mangel lindern. Welche Anziehungskraft der deutsche Arbeitsmarkt z.B. für die Spanier entwickelt hat, lässt sich jetzt schon im Bereich der starken Nachfrage der Deutsch Kurse z.B. an Goethe-Instituten und Universitäten ablesen. Auch Volkshochschulen mit ihren heterogenen Gruppen verzeichnen einen Zuwachs an Abendkursen.

Deutsche Firmen halten sich zurück

Während unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, das Auswärtige Amt, IHK (Industrie und Handelskammer) als auch ZAV (Zentrale Arbeitsvermittlung) um ausländische Fachkräfte werben, hält sich jedoch die heimische Industrie zurück. „Die aktive Suche nach Mitarbeitern im Ausland ist eine Ausnahme“, bestätigt die Pressereferentin der IHK in Stuttgart. Die Personalabteilungen sind für eine Anwerbung der Fachkräfte im Ausland nicht eingerichtet. Auch wenn auf Deutsch übersetzte Bewerbungen vorliegen, so kennen sie die Qualität der spanischen Abschlüsse nicht und die übersetzten Lebensläufe und Motivationsschreiben klingen holprig.
Da die Bewerber mit anderen Fachkräften verglichen werden, ist es unbedingt notwendig, den ausländischen Interessenten die Standards einer deutschen Bewerbung sowie Tipps zum Vorstellungsgespräch beizubringen. Dafür gibt es Karriere- und Beratungsinstitute.

Müssen potenzielle Bewerber Deutsch sprechen?

Da 90 der fachkräftesuchenden deutschen Unternehmen kleine und mittelständische Betriebe sind, sind gute Deutschkennisse notwendig und Englisch reicht nur ausnahmsweise in internationalen Großunternehmen. In Berufsfeldern die mit dem Umgang mit Menschen zu tun haben, wie z.B. Erziehung und Pflege, sind immer gute Deutschkennnisse für den Vertrauensaufbau wichtig.
Staatlich geförderte Einrichtungen wie z.B. das Netz der GI (Goethe-Institute) und in Stuttgart das pendant zum GI hier IFA (Institut für Auslandsbeziehungen) bieten inzwischen vermehrt Deutsch als Fremdsprache (DaF) für alle ausländischen Fachkräfte sozusagen Newcomer aus europäischen und anderen Ländern an.

Deutsch-Spanische Beratungsangebote für Fachkräfte

mit einem passenden Curriculum von Fachdeutsch, Bewerbungstraining bis zur Arbeitsvermittlung und Karrierecoaching sind eher bei spezialisierten privaten Anbietern zu empfehlen. Durch die Spezialisierung können sie ein zielgruppengenaues Angebot erarbeiten. Der Einstieg in das deutsche Arbeitsleben gelingt somit einfacher und die Willkommenskultur wird durch eine hilfreiche Vernetzung gepflegt
.
Win-Win. Ein Vorteil für deutsche Firmen und Einrichtungen

Über ein Beratungsunternehmen können deutsche Firmen sicher sein, dass die spanischen Bewerber die versprochene Qualifikation und Kenntnisse in Fachdeutsch sowie interkulturelle Kompetenz mitbringen. Bei Fragen zu Ämtern und zum Leben in Deutschland und anderen deutsch-spanischen Problemchen bieten spanisch-deutsche Karriereinstitute einen sicheren Migrations-„Airback“ und sind die finanzielle Investition auf jeden Fall wert.

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