HINTERGRUND: Wie funktioniert Verbraucherschutz in Spanien?

29.02.2008 - Jana Reiss 

Die grundlegenden Verbraucherrechte sind dank der EU-Richtliniengebung seit geraumer Zeit sehr ausführlich geregelt. Die Palette des Verbraucherschutzes reicht von einer zweijährigen Gewährleistungsfrist im Kaufrecht, über Schadensersatzansprüche im Flug- und Reiseverkehr bis hin zu Auszeichnungspflichten im Einzelhandel oder Aufklärungs- und Informationspflichten für Banken, Telefon- und Energiedienstleister, um nur einige Beispiele zu nennen. 

Die Gesetze sind in Spanien und Deutschland weitgehend ähnlich. Sämtliche Verbraucherrechte aufzuführen würde an dieser Stelle viel zu weit führen. Für den interessierten Leser dürfte es aber von Interesse sein, darüber informiert zu werden, wo er sich in Spanien im konkreten Einzelfall über seine Rechte informieren kann und wer ihm bei der Durchsetzung dieser Rechte behilflich ist, ohne gleich einen Anwalt kontaktieren zu müssen.

Sofern man der spanischen Sprache mächtig ist, gibt es verschiedene Anlaufstellen, die zum einen Auskunft über die konkreten Rechte des Verbrauchers geben und die zum anderen zum Teil kostenlos bei der Durchsetzung der Rechte behilflich sind.
Da sind zunächst die staatlichen OMICs (Oficina Municipal de Información al Consumidor) zu nennen. In Madrid gibt es ein zentrales OMIC-Büro (Gran Via 24, Tel.: 010). Außerdem verfügt jedes Stadtviertel Madrids bei der Junta Municipal de Distrito über eine OMIC-Anlaufstelle. Die OMICs bieten kostenlos Information und Unterstützung der Verbraucher bei der Durchsetzung ihrer Rechte an, insbesondere vermitteln sie bei der außergerichtlichen Streitbeilegung. Auf munimadrid.es findet man im Übrigen online eine sehr ausführliche Darstellung der Verbraucherrechte, geordnet nach Sektoren, die eine erste Orientierung bieten kann.

Daneben gibt es die OCU (Organización de Consumidores y Usuarios), eine private Verbraucherschutzorganisation ohne Gewinnerzielungsabsicht, die es sich zur Aufgabe macht, die Verbraucher über ihre Rechte aufzuklären bzw. sie zu beraten und ihnen bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu helfen. Die OCU bietet online (www.ocu.org) interessantes Informationsmaterial zu aktuellen Themen. Allerdings bekommt zu diesen Artikeln nur Zugang, wer sich vorab – kostenlos – registriert hat und somit Mitglied der OCU geworden ist.

Ganz ähnliche Ziele wie die OCU verfolgt die FACUA (Consumidores en acción), eine weitere private Verbraucherschutzorganisation ohne Gewinnerzielungsabsicht. Es lohnt sich, einen Blick auf deren Webseite (www.facua.org) zu werfen, insbesondere weil man hier größtenteils auch ohne Registrierung Zugang zu den jeweiligen Informationen bekommt.

Für nicht in Spanien ansässige europäische Verbraucher, die der spanischen Sprache nicht mächtig sind, gibt es eine andere Alternative: die Europäischen Verbraucherzentren. Jedes EU-Mitgliedsland, so auch Spanien, verfügt über Europäische Verbraucherzentren, die in der Regel in den großen Städten sowie Urlauberhochburgen mit hohem EU-Ausländeranteil anzutreffen sind. Die Verbraucherzentren gehen zurück auf die Initiative der Europäischen Kommission und haben die Aufgabe, „den Konsumenten aller EU-Mitgliedsländer im Falle einer Verletzung ihrer Verbraucher- und Nutzerrechte Schutz und Information sowie Hilfe und Unterstützung“ zu bieten. 

Der Service umfasst neben sprachlicher Hilfestellung ganz allgemein die Beratung der Verbraucher in Bezug auf ihre Rechte. Weiterhin fungieren die Verbraucherzentren auch als Schlichtungsstelle, wenn sich ein deutscher Verbraucher über eine spanische Firma oder Einrichtung beschweren möchte. Das Madrider Büro befindet sich in der Calle Príncipe de Vergara 54, 28006 Madrid (Tel. 91 822 4555, email: cec@consumo-inc.es) Weitere Informationen auf: cec.consumo

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