Spanien macht es Nichtrauchern immer einfacher

24.01.2010 - Clementine Kügler - Übersetzerin 

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist doch kein Problem, habe ich schon zwanzig Mal gemacht. Ist ein Witz. Aber die meisten Raucher haben den einen oder anderen misslungenen Versuch hinter sich. Angesichts der zunehmenden Erschwernisse, eine Zigarette oder Zigarre in angenehmer Atmosphäre genießen zu können und angesichts des gesundheitlichen Bewusstseins, um das man ja kaum mehr herumkommt, beschäftigen sich immer mehr Leute mit den verschiedenen Methoden, aufzuhören. Selbst im bis vor kurzen so permissiven Land wie Spanien wurden die europäische Einschränkungen eingeführt und sollen in diesem Jahr verschärft werden. 

Ein Tipp: nikotinfreie Zigaretten aus Blütenblättern. Kauft man im Reformhaus. Es gibt verschiedene Preisklassen und Geschmacksrichtungen. Da kann man ein bisschen Rumprobieren, schmecken und riechen tun sie alle recht scheußlich. Auch das hilft übrigens, weil selbst engste Raucherfreunde, den Geruch nicht lange aushalten und einen in den Garten schicken.

Der Vorteil ist folgender: meistens scheitert der Versuch, aufzuhören, ja in dem Moment, wo man in Stress gerät, weil irgend etwas nicht so klappt, wie es sollte, oder man sich selbst unter Stress setzt, weil man so große Lust aufs Rauchen hat und nicht darf! Saudumm in unserem Alter! Man verkneift sich jegliche Stimulanz, bloß keinen Alkohol, nicht auf Feste gehen, keine rauchenden Freunde zum Essen einladen etc… Man isoliert sich und erstickt an schlechter Laune.

Die Blütenblätter-Zigaretten enthalten kein Nikotin, also setzen sie auch nicht den Kreislauf von Angebot und Nachfrage in Gang. Man kann in all den Situationen, wo man auf die Zigarette nicht verzichten will, rauchen und es danach wieder seinlassen. Der Effekt – dieses leichte Erstickungsgefühl in der Lunge und das angenehme Gefühl im Kopf – ist der gleiche, aber die Abhängigkeit ist nicht mehr chemisch, sondern reine Kopfsache. Wenn man aufhören will, dann lässt man es wieder bis zur nächsten Attacke. Und so ging das ein halbes Jahr – wurde immer weniger, nach zwei Jahren, waren es noch zwei Zigaretten im ganzen Jahr, dann keine mehr.

Der einzige Nachteil hat nichts mit der Art und Weise, wie man aufhört, zu tun, sondern damit, dass man aufgehört hat. Danach riecht man nämlich erst den Schaden, den man die ganze Zeit angerichtet hat, und wird sehr sehr empfindlich. Deshalb wünscht man sich die angedrohten Maßnahmen der Gesundheitsministerin wirklich herbei. Bitte nicht mehr in den Restaurants rauchen und an der Theke dem Nachbarn die einst so geliebten Dukados auf den Teller pusten. Es tut mit leid für alle Raucher, aber die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche!!!

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