Makler werden ist nicht schwer, Makler bleiben um so mehr....

04.09.2008 - Stefanie Claudia Müller - scm communication 

In den vergangenen zehn Jahren gab es einen Beruf in Spanien, mit dem jeder garantiert Geld verdienen konnte. Man musste nicht viele Vorkenntnisse besitzen, musste auch keine großen Investitionen leisten, wenn man sich selbstständig machen wollte. Der Immobilien-Maklerberuf war das Sammelbecken für alle, die von einem dicken Auto ohne große Anstrengungen träumten. Wenn man durch Städte an der Küste lief oder auch durch die großen spanischen Metropolen, musste man so banale, aber durchaus nützliche Geschäfte wie Computer- oder Fotoläden regelrecht suchen, ganz zu schweigen von praktischen Dienstleistungen wie Schneidereien oder Werkstätten für elektronische Apparate. Maklerbüros gab es jedoch an jeder Ecke. Sie fingen die gierigen Käufer überall ab.

Seit einem Jahr hat sich das Bild geändert. Ehemalige Immobilienshops werden umgewandelt in schicke Schuhgeschäfte, Ökoläden oder kleine innovative Bars (übrigens sind die immer noch - trotz Krise - ein Bombengeschäft). Die vielen Pseudo-Makler sterben weg wie die Fliegen und es überleben nur solche, die sich über die Jahre eine Stammklientel verdient haben. Ich finde diese Entwicklung positiv, denn in dem freiwerdenden Gewerberaum entstehen teilweise neue gute Geschäftsideen, damit wird das Service-Angebot in den Städten besser. Die auf der Straße sitzenden Wohnungsverkäufer müssen jetzt wohl oder übel ihren Porsche verkaufen und wieder in ihre Bildung bzw. in ein neues Geschäft investieren.

Überhaupt wird die Immobilienkrise die Spanier zwingen, innovativer zu sein. Denn nur durch Fortschritt kann die heimische Wirtschaft mit ihrem derzeitigen relativ hohen Lohn- und Preisniveau im internationalen Wettbewerb noch überleben. Bisher ließ sich auf dem Wohnungsmarkt ohne viel Nachdenken schnell Geld verdienen. Wahrscheinlich wäre die Versuchung in jedem anderen Land genauso groß gewesen, bei dem El Dorado mitzumachen, egal ob man Ahnung hat oder nicht. Für Spanien kam dieses El Dorado jedoch zu früh, da es außer Tourismus und Autoproduktion keine Wachstumsbranchen gibt, die jetzt den Nachfrageeinbruch abfedern könnten. Die Exportindustrie ist schwach und der Wohnungsboom hat den Rückstand Spaniens zu Ländern wie Deutschland und Frankreich in Sachen Forschung nur noch vergrößert.

Manche spanische Wohnungsmakler scheinen jedoch die Zeichen der Zeit noch nicht begriffen zu haben und verschicken Pressemitteilungen, in denen sie weiter daran festhalten, dass Immobilien eine gute Investition sind. Zitiert werden dabei Mitarbeiter des Büros als Beweis für diese waghalsige These. Waghalsig, weil meist gerade diese Makler im Luxusimmobiliensegment tätig sind. Und gerade hier flieht das Kapital, wie eine Studie der Bank Barclays ergibt, nach der 29 Prozent der reichen Spanier sich aus dem Sektor zurückziehen wollen. Auch hier ist jetzt mehr Innovation beim Verkaufen gefragt....Krisen sind halt immer Chancen!

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