Last night I watched Brefjat

04.10.2009 - Carolina Escudero Jiménez - Journalistin 

“Gestern abend habe ich Brefjat gesehen”, sagte Marta. “Wie bitte?”, fragten wir sie. “Brefjat”, sagte sie noch mal. “Oh, Braveheart!”, sagte Rocío. “Ja, den”. Marta ist 25 Jahre alt, so wie ich. In ihrem Lebenslauf steht, dass ihr Englisch fortgeschritten ist, aber wir wissen, dass sie kaum sprechen kann. So wie die meisten Leute unserer Generation und die große Mehrheit der jungen Leute in Spanien.

Warum ist das so in Spanien, einem Land, das so modern sein will wie die anderen europäischen Länder, dass die meisten Leute kein Englisch sprechen? Warum versichern mir meine Freunde jedes Jahr, dass sie in diesem Jahr endlich Englisch lernen wollen? „Das ist das Jahr“, erzählte Rocio mir, als 2009 sich näherte. Sie wollte ihr Englisch auffrischen oder verbessern, weil sie dadurch eine besssere Arbeit finden würde. Aber noch im März 2009 hatte diese liebe Freundin nicht begonnen mit ihrem Englisch. Und immer, wenn ich sie erinnerte, dann grinste sie...

Abgesehen von der Bequemlichkeit, die manch einer in einem gewissen Alter verspüren wird, eine neue Sprache zu lernen, oder sein Englisch aufzufrischen, glaube ich, dass es das Schulsystem ist, das für das niedrige Englisch-Niveau in Spanien verantwortlich ist. Es stimmt zwar, dass die spanischen Kinder jetzt früher Englisch lernen, aber das Problem ist, dass es später nicht die Fortschritte gibt, die es geben sollte. Ich habe dank der Official Languages School gut Englisch gelernt.  Dieses Versagen auf schulischer Ebene setzt sich an der Uni fort.

Wie ist es möglich, dass manche Studiengänge nichts auf Englisch anbieten? Als ich an der Complutense Journalismus studiert habe, gab es nur einen Kurs, der mit dieser Sprache zu tun hatte, die von allen Unternehmen vorausgesetzt wird. Er hieß “English for communicators”. Leider war ich nicht einer der 50 priviligierten Studenten, die den belegen konnten. Deshalb bin ich zur Official Languages School gegangen.
Ein anderes Problem, das die geringe Verbreitung von Englisch unter Spaniern verursacht, hat mit der Kultur zu tun, mit Kino und Fernsehen. Wenn nicht alle Filme spanisch synchronisiert würden, sähe es sicher anders aus. Tatsächlich haben wir so eine großartige Synchronisierungs-Tradition, dass man sagen könnte und sagt, dass es in Spanien die besten Synchron-Schauspieler gibt.

Aber es führt zu einer großen Diskrepanz in vielen spanischen Köpfen, immer Filme in der eigenen Sprache zu sehen. Diese Faulheit oder Bequemlichkeit, nicht einmal zu versuchen Englisch zu verstehen, führt dazu, dass man das bisschen Schul-Englisch verlernt. Wenn ich meinen Freunden vorschlage, Filme in Originalversion zu sehen, kommen nur wenige mit. Aber ich muss zugeben, dass seit einiger Zeit mehr mitmachen, vor allem seit Richard Vaughan seine Englischkurse hier anbietet. Viele Leute interessieren sich für seinen Radio- und Fernsehsender, was den Texaner dazu bewegt hat, ein linguistisches Imperium aufzubauen, inklusive einem englischen Dorf in Soria.

Wir können also sagen, dass die meisten Spanier, die zwischen 20 und 30 nochmal anfangen, Englisch zu lernen, das aus beruflichen Gründen tun. Andere, eine Minderheit tut es, aus Lust am Lernen.

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