Kälteempfinden in Spanien und Deutschland

12.12.2008 - Jenna Steenken - Journalistin 

Auch wenn der offizielle Winteranfang erst am 21. Dezember ist, so hat er doch temperaturtechnisch seit zwei Wochen Einzug gehalten. Hier in Spanien ist es vielleicht nicht ganz so kalt wie in Deutschland, aber frisch ist es doch. Handschuhe und Mütze können guten Gewissens ausgepackt werden. 

Der Spanier an sich wundert sich gerne über unsere dicke Kleidung. Du frierst? Du bist doch aus Deutschland, du kennst das doch… Das sagen sie so, als würde es reichen, dass man früher viel gefroren hat, um jetzt ohne Jacke und immer mit einem warmen Lachen im Gesicht herum zu laufen. Sie denken, verglichen mit dem, was wir kennen, dürfte uns das hier doch nichts ausmachen. Frieren tun wir natürlich trotzdem.

Dass jeder Mensch über ein unterschiedliches Wärmeempfinden verfügt, ist nichts Neues. Ansonsten wäre nicht zu erklären, warum in Spanien Menschen bei 15 Grad einen Gesichtsschutz auf dem Fahrrad tragen, während die Engländerinnen berühmt dafür sind, selbst bei ordentlichen Minusgraden und Windböen am Minirock und Spagetti-Shirt festzuhalten. Geht es hierbei um die bloße Gewohnheit an bestimmte Temperaturen? Oder darum, einfach auch mal seine Mütze aufsetzen zu können, wenn man sie nun schon einmal hat?

Leider scheint es hier genauere wissenschaftliche Erkenntnisse über den kulturellen Zusammenhang noch nicht zu geben. Erwiesen ist aber wohl, dass Frauen tatsächlich schneller frieren als Männer. Da sie eine weniger dicke Haut als Männer haben, kühlt sich ihre Haut um durchschnittlich drei Grad Celsius mehr ab als die eines Mannes. Das führt dazu, dass der Temperaturunterschied zwischen Haut und Körperinnerem bei der Frau größer ist und sie daher empfindlicher auf Kälte reagiert. Während der männliche Körper zu 40 Prozent aus Muskeln und 15 Prozent Fett besteht, sind es bei den Frauen je 25 Prozent. Männer frieren auch deshalb weniger, weil Muskeln Wärme herstellen.

Heißt das im Umkehrschluss, der Engländer im allgemeinen ist muskulöser als der durchschnittliche Spanier? Ich wage das zu bezweifeln. Die Gewöhnung oder eine Art Kältetraining spielen hierbei wohl eher eine Rolle. Das geht schon bei den Säuglingen los. Während auf der britischen Insel schon die Kleinsten dünn gekleidet den tiefsten Temperaturen trotzen, wundert man sich hier manchmal, warum die Kinder so dick angezogen sind bei 20 Grad. Trägt man selbst und seine Brut bereits ein T-Shirt heißt es wieder, ja ja, ihr Deutschen, euch kommt es jetzt schon wieder so warm vor…

Dabei ist es doch wohl wirklich so, wer immer zu warm gekleidet ist und in überheizten Räumen sitzt, friert am Ende schneller. In diesem Fall empfehle ich ein mehrwöchiges Trainingscamp in England zu absolvieren, wo man dann auch gerne mal einen Kälteschutz tragen darf auf dem Fahrrad.

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