Eine Schande - Davos ohne Spanier

27.01.2008 - Stefanie Claudia Müller - scm-communication 

Spanien hat das profitabelste Telekomunternehmen Europas, Telefónica; das innovativste Textilunternehmen der Welt, Inditex (Zara) und mit die effizientesten Banken. Dennoch war beim Wirtschaftreffen in Davos kein einziger Spanier als Sprecher geladen. Das ist unverständlich. 

Zu tun hat es sicher mit einem Imageproblem. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und USA, zahlreich vertreten auf dem Forum, trauen den Spaniern immer noch nicht viel zu. Sie gelten immer noch als Fiesta liebend, unzuverlässig und wenig innovativ. Noch immer haftet dem Land das Tourismus-Image an, ein Land der Faulenzer zu sein. 

Schuld daran ist auch die Tatsache, dass sehr gute Führungskräfte wie Emilio Botín der Chairman der Banco Santander, Amancio Ortega, Zara-Gründer oder César Alierta, Chairman von Telefónica, einfach keine Interviews geben, Journalisten total meiden, sich aufs Führen beschränken und wenig rethorische Fähigkeiten besitzen. Ihre Namen sind international nicht wirklich bekannt, weil sie nicht in den Medien auftauchen. Selbst weltweit bekannten Blättern wie Financial Times oder Wall Street Journal geben sie keine Gespräche. 

Viele regieren ihr Unternehmen im Hintergrund, statt es mit einer gewissen Medientransparenz zu führen wie es heute aufgrund der Börsen- und Internetwelt immer notwendiger wird. Spanische Führungskräfte haben das noch nicht erkannt, sie haben wenig Respekt vor den Zeitungen und Fernsehen und damit haben sie auch wenig Interesse daran, was die Öffentlichkeit von ihnen denkt.

Das verzerrt die Realität nicht selten. Emilio Botín zum Beispiel hält nur knapp zwei Prozent an der Banco Santander, gilt aber beim Volk als Eigentümer der Bank, weil er für sie so auftritt als wäre er es. Denn warum sonst sollte er es nicht für nötig halten, der Presse im Rahmen eines Interviews Frage und Antwort zu stehen? Warum gibt es keine Hintergrundgespräche? Fast alle spanischen Top-Manager pflegen diese Schweige-Strategie. Ihre PR-Abteilungen dienen oft nur dem Zweck, dafür zu sorgen, dass keine Nachrichten über sie nach draußen gelangen.

Eigentlich ist das sehr schade, weil dadurch das gesamte Image des Landes sich nicht verändert, obwohl, die, welche wir hier leben, viele innovative Dinge sehen, kreative Köpfe erleben und auch immer wieder auf kuriose Produkte stoßen. Spanien ist einer der größten ausländischen Investoren in Lateinamerika, dort schaut die Wirtschaft sehr genau auf den spanischen Führungsstil, ihre Effizienz im Bankwesen, Innovation bei der Mode und der Biomedizin, Rentabilität beim Telekomsektor und unglaublich Kreativität bei Werbekampagnen. Zudem verfügt dieses Land über drei Top-Business Schulen, die bei den Rankings regelmäßig auf den vorderen Plätzen rangieren. 

Spanier müssten also als Sprecher in Davos sein und von ihrem Erfolg erzählen. Sie haben wichtige Dinge zu sagen. Spanische Unternehmer sollten sich deswegen in unserer medialen Welt nicht länger weigern, mit Journalisten zu reden und sollten erkennen, dass sie der Öffentlichkeit gegenüber in einer Pflicht stehen. Image ist für den Erfolg eines Unternehmens enorm wichtig, nicht nur der Schriftzug des Logos, sondern auch, was die Führenden denken, wofür sie stehen, welche Hobbies sie haben, welche Werte ihnen wichtig sind. Von Zara-Gründer Amancio Ortega gibt es noch nicht einmal ordentliche Fotos. Kein Wunder: Unbekannte will man nicht in Davos. Aber Spaniens Wirtschaft braucht solche Foren, um für seine Stärken zu werben, gerade jetzt, wo das Land in die Krise rutscht.   

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