Die Krise trifft jeden

23.08.2008 - Stefanie Claudia Müller - scm-communication 

Immer wieder hört man es in diesen Monaten: „Nein, die Wirtschaftskrise wird nur die untere Schicht und den Mittelstand treffen.” Vor allem Makler verbreiten das Ammenmärchen, dass die für sie vor allem interessanten Luxusimmobilien von der Wirtschaftskrise verschont bleiben. Tatsache ist jedoch, dass in sehr teueren Gegenden wie im Südwesten Mallorcas, in Marbella, an einigen Stellen der Costa de la Luz und auf Ibiza die Nachfrage nach Villen und Yachten erheblich zurückgeht. Bei Booten größer als 18 Meter ist der Verkauf in den ersten sechs Monaten diesen Jahres zum Beispiel um 18 Prozent gesunken.  

Das ist ja auch logisch, denn auch wenn einen die Krise auf hohem Niveau trifft, beeinflusst sie die Möglichkeiten und man schnallt den Gürtel schon aus psychologischen Gründen enger. Das erklärt auch, warum in Madrid derzeit soviele Luxus-Restaurants auf Mittagsmenü umschwenken und es erklärt auch, warum jetzt soviele Häuser in sehr guten Madrider Gegenden wie Ciudad de Santo Domingo und La Moraleja zum Verkauf stehen. Auch Reiche müssen angesichts der sicherlich noch ein Jahr andauernden Krise und der zunehmenden Schuldenlasten dank steigender Zinsen an Liquidität gewinnen, selbst wenn einige Makler immer wieder die Ansicht verbreiten, dass Reiche nicht auf Pump kaufen und deswegen von den Kredit-Restriktionen der Banken nicht betroffen sind. 

Das ist aber Unsinn, denn allein aus steuerlichen Gründen finanzieren sich auch Reiche über Darlehen. Solche, die jetzt vielleicht ihre dritte Villa kaufen wollen, stoßen bei den Banken auch auf Granit. Laue Zeiten spürt aber nicht nur das Luxussegment des Immobiliensektors, sondern auch beim Autosektor werden viele der dicken Jeeps und Allradantrieb, Porsches und Ferraris in den kommenden Monaten auf den Gebrauchtwagenmarkt kommen, weil die Wohlhabenden Geld brauchen und sich ein so teures Autos bei den hohen Spritpreisen nicht mehr leisten wollen, auch wenn sie es vielleicht können. Der Verkauf von Luxusautos ist aus diesen Gründen im ersten Halbjahr diesen Jahres bereits um 46 Prozent gesunken, viel stärker als der Rest des Auto-Marktes, wo der Rückgang 27 Prozent beträgt. 

Was so manche von den vergangenen Boom-Jahren verwöhnte Immobilien-Makler auch vergessen: Gerade reiche Menschen schauen oft sehr genau auf die Preise. In den vergangenen Jahren haben die meisten Makler jedoch ihre Geschäfte nicht mit den wirklich Reichen gemacht, sondern oft mit Neureichen, die viel auf Pump gekauft haben, weil die Aussichten sehr gut waren und sie bereit waren, für ihren nie erlebten Luxus Mondpreise zu bezahlen. Vielen von ihnen kamen aus dem Wohnungsektor und stehen jetzt vor der Pleite. Ein nicht unerheblicher Teil der spanischen Luxusimmobilien diente zudem in den vergangenen Jahren der Geldwäsche. In diesem Fall sind Preise ebenfalls egal. Hauptsache das Geld wird weiß gewaschen. 

Aber wer Luxus von klein an gewöhnt ist, schaut sich sehr wohl genau das Preis-Leistungsverhältnis an. Und auf dem spanischen Immobilienmarkt hat so manches Objekt absurde Höhe erreicht. So bezahlt man für eine Villa in erster Strandlinie von Portals Nous auf Mallorca bis zu 20 Millionen Euro und auf Ibiza hat der Quadratmeterpreis an manchen Ecken über 4000 Euro erreicht, das ist wesentlich mehr als im schon seit Jahrzehnten von den Reichen aufgesuchten Südfrankreich.

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