Die Höflichkeit einer Klassengesellschaft

07.03.2009 - Paul Ingendaay - Korrespondent der FAZ in Spanien 

Einer meiner Brüder hat mir heute am Telefon eine Geschichte erzählt, die jeden Kölner schmerzen wird, und das zu Karneval. Er ging mit seiner Frau in ein Ausflugslokal im Kölner Westen, gewissermaßen ein Haus am See, man kann dort Minigolf spielen, Enten füttern, Bötchen fahren, solche Sachen. Sie gehen also in das Lokal, und jemand fragt sie, ob sie ihre Mäntel abgeben wollen. Sie sagen: Nein, danke, lieber nicht, und gehen weiter. Kommt eine andere Bedienung und fragt, ob sie nicht ihre Mäntel abgeben möchten, und diesmal denken sie: Na gut, wenn denen hier soviel daran liegt, dass man die Mäntel abgibt (vielleicht hatten sie ja mal Ärger mit welchen, die ihre Mäntel anbehalten haben, ich denke jetzt an die Eröffnungsszene von Spiel mir das Lied vom Tod), tun wir ihnen eben den Gefallen und geben die Mäntel ab. Sie gehen also, um ihre Mäntel abzugeben, und an der Garderobe sagt man ihnen: Das macht dann einen Euro pro Mantel. 

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