Tipps für die Tonne

16.01.2013 - Christine Memminger 

Diese Rätsel des Alltags müssen endlich aufhören! Also wirklich, da sind die Katalanen schon die größten Müllproduzenten Spaniens und dann mutet man ihnen auch noch Recycling zu. Schlimm genug, dass wir hier in Barcelona den Müll bis zur nächsten Straßenecke tragen müssen. Das deutsche Vorbild der hauseigenen Mülltonne hat sich noch nicht durchgesetzt und so lagert der stinkende Rest eben 50 Meter entfernt. Aber jetzt soll er auch noch getrennt werden? Die katalanische Regierung meint es mit ihrer Werbekampagne im Fernsehen, Kino und auf Plakaten anscheinend wirklich ernst.

“Si no ets envàs, al groc no vas” – “Wenn du keine Verpackung bist, dann darfst du nicht in die Gelbe” singt die Dame. In den Siebzigern war das vielleicht noch leicht zu erklären, liebe Dame. Aber heute? Briefpapier, Klopapier, Zigarettenpapier, Wertpapier – wer soll da noch den Überblick behalten? Flasche ist sowieso Flasche. Die grüne Tonne vor meinem Fenster wird samstags um 9 Uhr geleert. Lautstark. Besser also, ich werfe da meine Plastikflaschen rein, die sind leiser. Glas kommt dafür in die Gelbe, bei 23 Prozent falschen Materialen in der Tonne fällt das auch gar nicht auf. Die Kartons kann weiterhin der Inder haben, der sie immer sonntags aus der blauen Tonne klaut.

Und der Rest wird in den Restmüll geworfen, das bedeutet das große “R” auf der Tonne doch. Oder zumindest in die Nähe der Tonne. Irgendjemand freut sich sicher über die Kühlschranktür mit den grünen Flecken und die Reste der Nachttischlampe. Nachdem man hier weder für Plastikflaschen noch für Dosen Pfand zurückbekommt, müssen sich die Müllsammler doch auf was anderes spezialisieren. Faszinierend, was die manchmal für Schätze in der Tonne bergen. In ein paar Wochen sind das Antiquitäten auf dem Trödelmarkt. Wenn ich das alles zum Sperrmüll oder Wertstoffhof, den “Punts Verds” bringen würde, hätte ich ja direkt ein schlechtes Gewissen.

www.fraubarcelona.com

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